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Schulleiter geht
Abschied vom Strittmatter-Gymnasium

Ruheständler in spe: Dr. Uwe Zietmann ist seit 1991 am Granseer Gymnasium tätig.
Ruheständler in spe: Dr. Uwe Zietmann ist seit 1991 am Granseer Gymnasium tätig. © Foto: Matthias Henke
Matthias Henke / 06.06.2019, 15:01 Uhr
Gransee (MOZ) Noch knapp zwei Wochen, dann ist das Schuljahr 2018/2019 Geschichte. Für den Leiter des Granseer Strittmatter-Gymnasiums, Dr. Uwe Zietmann, markiert dies zugleich das Ende seines Berufslebens.

"Im Prinzip bin ich 56 Jahre fast durchgehend zur Schule gegangen", sagt Zietmann, wenn er auf sein Leben zurückblickt, und lacht. 1963 eingeschult, drückte er die ersten acht Jahre die Schulbank in Marienthal ("Da war ich eher mittelmäßig"), zwei Jahre dann in Mildenberg. Es folgt eine Berufsausbildung mit Abitur zum Facharbeiter für Betriebsmess-, Steuerungs- und Regelungstechnik im Walzwerk Hennigsdorf. Nach der Armeezeit studiert Zietmann an der Pädagogischen Hochschule Potsdam Geschichte und Deutsch. Dann geht es in die Praxis. Das bedeutet in Zietmanns Fall fünf Jahre Lehrer an der POS "Maxim Gorki" Marienthal. "Früher bin ich dort selber zur Schule gegangen. Da hätte es ja problematisch sein können, wenn man als Neuer auf seine früheren Lehrer trifft." Doch die Bedenken wurden schnell zerstreut. "Ich wurde sehr herzlich aufgenommen", erinnert sich Zietmann an die Rückkehr in sein Heimatdorf. Dass er Marienthaler ist, betont Zietmann im Gespräch wiederholt. Noch heute lebe die Familie in dem Haus, das sein Urgroßvater, der aus Steinförde stammte, in dem Dorf zwischen Havel und Wentowsee erbaute. Heimatgeschichte zu vermitteln, ist ihm auch abseits des beruflichen Alltags ein Herzensanliegen.

1987 wechselt Zietmann dann wieder an die Pädagogische Hochschule. Bei Professor Helmut Assing, auf den er heute noch große Stücke hält, schreibt er seine Dissertation. Das Thema dreht sich auch um seine Heimatregion. "Deutsche Herrschaftsbildung im Gebiet zwischen oberer Havel und oberem Rhin während des 12. und 13. Jahrhunderts", lautet es. Genau in die Schlussphase seiner Aspirantur fiel die politische Wende in der DDR. "Dramatisch" nennt Zietmann jene Zeit. "Es war jedem klar, dass nichts bleibt, wie es ist", erinnert er sich. "Was das neue, bundesdeutsche Promotionsrecht für jene bedeutet, die bereits mit ihrer Dissertation begonnen hatten, war unklar. Daher hieß es, lieber noch nach altem Recht abschließen." Das bedeutete Nachtschichten. Denn 1990 war Zietmann schon Leiter der Oberschule Bredereiche. Am 2. Oktober gab Zietmann seine Dissertation ab. "18 Uhr war Büroschluss, noch gegen 16 Uhr habe ich mit einem Freund die letzten Karten eingeklebt. Kurz vor Feierabend der Sekretärin am letzten Tag der DDR habe ich es dann geschafft, die Arbeit abzugeben. Ich war erschöpft, aber glücklich."

Zu Besuch bei Eva Strittmatter

Bredereiche blieb ein Intermezzo. Mit Gründung des Granseer Gymnasiums 1991 wurde er dort Lehrer und, zunächst kommissarisch, stellvertretender Schulleiter. 2006 folgte er dann Ulrich Ehrenberg auf den Chefsessel. Ein Jahr zuvor erhielt das Gymnasium den Namen des Schriftsteller-Ehepaares Eva und Erwin Strittmatter. "Die Namensgebung wurde sehr lebendig und ausführlich  diskutiert", erinnert sich Zietmann, der die Kontaktaufnahme mit Eva Stritmatter übernehmen sollte und im Vorfeld ziemlich aufgeregt war. "Ich habe mich dann an ,Mecki’ Gabriel gewendet, der damals Vorsitzender des Schulfördervereins war. Der kannte Strittmatters und hat mir meine Bedenken genommen. ,Ruf einfach an und grüß von mir’, sagte er zu mir." Und siehe da, von Diva keine Spur. "Eva Strittmatter war dem Thema gegenüber gleich sehr aufgeschlossen, die erste Begegnung war geradezu herzlich", erinnert sich der Marienthaler, der Strittmatter dann noch mehrere Male besuchte, bevor sie 2011 verstarb.

"Schulleitung ist Teamarbeit" stellt Zietmann klar. Auch wenn bei repräsentativen Anlässen er das Gesicht der Schule sei: Ohne seinen Stellvertreter Olaf Schwarz, der etwa die Projektkoordination und den Vertretungsplan für die Sekundarstufe eins im Blick hat, und Oberstufenkoordinatorin Claudia Möllers gehe gar nichts. "Das schätze ich am meisten. Einzelkämpfer wollte ich nie sein", betont Zietmann.

Wer sein Nachfolger oder seine Nachfolgerin wird, soll sich  bis Ende des Schuljahres entscheiden. Er oder sie werde auf vieles aufbauen können, nicht zuletzt auf das Engagement der Schüler. Den Benefizlauf, der 2018 zum 14. Mal stattfand und mehr als 25 000 Euro für eine  Arztstation im gambischen Serrekunda einbrachte, nennt Zietmann exemplarisch. "Der ist ein weiteres Musterbeispiel dafür, dass alleine nichts geht", sagt er weiter, entwickele die Veranstaltung doch mittlerweile eine Strahlkraft in die Region hinaus und lasse auch Vertreter zahlreicher anderer Institutionen daran teilnehmen und das Spendenaufkommen so erhöhen.

Auch im Ruhestand einiges vor

Mit mehr als 60 Prozent der abgegebenen Stimmen wurde Uwe Zietmann kürzlich in den Ortsbeirat von Marienthal gewählt.

Sein heimatgeschichtliche Arbeit intensivieren will Zietmann ebenfalls. So ist er Mitglied der ärchäoligischen Gesellschaft Berlin-Brandenburg.⇥mhe

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