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Neues Hortgebäude
Aus dem Regenbogen wird das Nordlicht

Roland Becker / 11.09.2019, 19:00 Uhr
Hennigsdorf (MOZ) Wer Birgit Russev kennt, der weiß: Hier stimmt etwas nicht! Die Leiterin des Horts Nordlicht hält ihre Festrede, und weit und breit ist kein Kind zu sehen. Bleiben die Erwachsenen bei der Einweihung des neuen Hortgebäudes unter sich? Sind die Kinder an diesem Dienstag bei der Party nicht mit von der Partie und führen kein Programm auf?

Die Gäste werden auf die Folter gespannt. Doch als Russev ihre Rede beendet hat, öffnet sich eine Schiebetür und gibt den Blick frei auf 40 Kinder. Die hatten dort mucksmäuschenstill auf ihren Auftritt gewartet. Mit einem Mix aus Tanz, Gesang, Klaviervortrag und Trommelwirbel bedankten sie sich beim Bürgermeister Thomas Günther (SPD) für ihr neues Gebäude. Der war auch der Grund dafür, dass die Kids so leise gewesen waren. Ihre Hortleiterin hatte den wichtigen Besuch zuvor angekündigt. Und sie war sich sicher, dass die Kinder um dessen bedeutende Rolle wissen: "Die kennen den Bürgermeister von Neuhaus. Den aus ,Benjamin Blümchen’". Für die Hortkinder gab es übrigens am Nachmittag ein buntes Fest.

Fast auf den Tag genau vor einem Jahr hatten die Arbeiten zum Umbau der alten Regenbogenschule begonnen. Am 10. September 2018 hatte die Stadt den Schlüssel vom bisherigen Eigentümer, dem Landkreis, erhalten. Ein kleiner Film, der während der Bauarbeiten entstanden ist, zeigt das Gebäude im entkernten Zustand und mit all seinen Unzulänglichkeiten. Mit diesen Provisorien hatte die Regenbogschule für mehrfach behinderte Kinder über viele Jahre leben müssen.

"Anfangs hieß es: Wir malern die Wände und gucken uns mal den Fußboden an", erinnert sich Russev. Es wurde ein deutlich höherer, 1,4 Millionen Euro teurer, Aufwand. Statt Wände zu streichen, wurden diese versetzt. Neben Gruppen- und Gemeinschaftsräumen entstand selbst eine Kinderküche. Als im Mai der Hort seine Tore öffnete, "haben wir viele Komplimente von den Eltern und Kindern bekommen", erinnert sich die Hortchefin. Eine Mutter habe ihr sogar gesagt, dass die Tochter statt mit in den Urlaub zu kommen lieber in den Hort gehen wolle.

"Es ist unser jüngstes Schmuckstück der Hennigsdorfer Kita- und Hortlandschaft", freut sich auch der Bürgermeister. Dabei hatte er auch die Außenanlagen mit im Blick. Die bestechen nicht nur durch eine überdimensionale Kletterkugel, sondern auch durch eine großzügige Gestaltung, die viel Platz dafür lässt, dass sich Kinder auch mal zurückziehen können. Günther wünscht den Kindern nicht nur einen Ort für Spiel, Spaß und Toberei. "Es ist auch ein Ort, wo ihr euch mal streiten und wieder vertragen könnt."

Sebastian Backhuß ist an diesem Tag sicherlich der Gast, der all die Räume am aufmerksamsten betrachtet. Der Rektor der Regenbogenschule hat in diesem Gebäude über Jahre gearbeitet. Dass er sich in Sentimentalitäten verliert, diesen Eindruck vermittelt er nicht. Schließlich haben seine Regenbogen-Schüler jetzt ein – wenn auch nicht auf das Schulwachstum eingestellten – perfekten Neubau. Der Alltag dieser Mädchen, Jungen und Jugendlichen, die tagtäglich mit den Handicaps ihrer Behinderung umgehen (müssen), ist im neuen Gebäude am Bahndamm wesentlich einfacher geworden. Und eins wird im Hort Nordlicht weiterhin an die Regenbogen-Ära erinnern: Im Garten steht noch immer der aus Stein gemauerte Backofen. Als passende Ergänzung zur Kinderküche.

Ein Hort,drei Standorte

Den Hort Nordlicht besuchen gut 200 Kinder. Die Betreuung erfolgt in zwei Gebäuden. Im ehemaligen Jugendclub werden 85 Kinder betreut, an der Fontanesiedlung sind es in der umgebauten Regenbogenschule 116 Schüler und Schülerinnen.

Zudem ist für den Herbst ein dritter Standort geplant. In einem Modulbau können dann 40 Hortkinder betreut werden.⇥rol

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