Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Meseberg
Ein Glücksfall für das Schloss

Burkhard Keeve / 15.11.2019, 10:30 Uhr
Meseberg (MOZ) Die barocke Fassade strahlt wie extra herausgeputzt in der frühen Herbstsonne. Doch der zufällige Spaziergänger findet, auch wenn das Gebäude noch so einladend und freundlich wirkt, keinen Zugang zum Schloss Meseberg. Zäune, Kameras und der Bundesgrenzschutz lassen erkennen, dass es kein gewöhnlicher Ort ist, der sich inmitten einer märkischen Dorfidylle an die Granseer Platte schmiegt.

Mindestens genauso ungewöhnlich ist die jüngste Geschichte des Schlosses, zumal wenn ein Zeitzeuge zur Verfügung steht, der die Metamorphose von einem regionalen Herrenhaus zum Haus mit europäischer Bedeutung maßgeblich mitgestaltet hat: Dr. Hans Heinrich von Srbik.

Das bekannteste Objekt

Der Vorsitzende der Messerschmitt Stiftung ist ein-, zweimal im Jahr in Meseberg. Nicht nur um mit seiner Frau und seinem jungen Hund Brandenburger Landluft zu atmen und spazieren zu gehen, sondern um nach dem Rechten zu sehen. Denn das Schloss Meseberg und heutige Gästehaus der Bundesregierung gilt als das bekannteste geförderten Objekt der Messerschmitt Stiftung, die die größte private deutsche Denkmalschutzstiftung ist. Umso mehr ärgert es ihn, wenn der Bund der Steuerzahler wie kürzlich von Millionenverschwendungen spricht und damit das Schloss und die Stiftung in Misskredit bringt, obwohl die Regierung das Haus zu  einem symbolischen Mietpreis von einem Euro erhalten hat. Selbst das benachbarte Hotel "muss sich dumme Fragen von Steuerverschwendungen gefallen lassen", so von Srbrik.

Nach dem Mauerfall verkam das Schloss zunehmend. Es war reiner Zufall, dass Hans Heinrich von Srbik auf das verlassene Haus aufmerksam wurde. Zunächst entschied sich die Stiftung 1990 Belvedere auf dem Klausberg in Potsdam wieder aufzubauen. Damals war Manfred Stolpe (SPD) Ministerpräsident in Brandenburg. Von ihm erhielt von Srbik Anfang der 90er-Jahre eine Liste mit märkischen Herrenhäusern,  die eventuell interessant für den Denkmalschutz-Gedanken der Stiftung sein könnten. "Ich bin dann mit einem Architekten zusammen die Liste abgefahren", erinnert sich von Srbik. Ohne Erfolg, wie sie dachten. "Auf dem Rückweg haben wir dann doch noch in Meseberg angehalten. Es war in einem elenden Zustand", erinnert sich von Srbik. Aber mit Potenzial. "Auch wenn meine Frau gesagt hat, ich bin verrückt, haben wir es für eine Millionen Mark gekauft."

Stolpe, Platzeck, Schröder

Was heute nach einer netten Anekdote klingt, war damals ein schwer zu kalkulierendes Risiko. "Wir haben gekauft, aber mit der Maßgabe, dass Stolpe uns einen Nutzer bringt." Hat er aber nicht. Erst mit Matthias Platzeck, Stolpes Nachfolger, kam wieder Schwung in die Sache. 2002 bei der feierlichen Eröffnung des Potsdamer Aussichtsturms Belvedere auf dem Klausberg. Über Platzeck kam der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) ins Spiel. Ihm wurdeMeseberg als mögliches Gästehaus ins Ohr geflüstert. "Schröder hat dann seinen damaligen Kanzleramtschef Frank-Walter Steinmeier darauf angesetzt, der sollte überprüfen, ob das eine gute Idee ist." Die Zeit spielte Meseberg und von Srbik in die Hände. Mit dem Regierungsumzug im Sommer 1999 brauchte  die Regierung in Berlin ein neues Bundesgästehaus. Bonn und die alte Repräsentanz auf dem Petersberg waren schlicht zu weit weg von der Hauptstadt.

"Schon bald kam eine Einladung von Steinmeier", sagt von Srbik. "Es war ein gutes Gespräch." Doch die politische Gemengelage war schwierig. Schröder führte die Hartz-IV-Gesetze ein und gleichzeitig sollte ein Barockschloss angeschafft werden? Das passte nicht. Schröder, so von Srbik, habe sich den politischen Gegner ins Boot geholt und ein Ehrenwort erhalten, Meseberg "nicht zu politisieren". Das klappte, nur den Einzug ins neue Gästehaus erlebte Schröder nicht mehr. 2005 löste ihn Angela Merkel  (CDU) ab. Dass Schröders damalige Frau Doris die Stoffe für ein Zimmer im Schloss bereits ausgewählt hatte, weil der Bundeskanzler nicht immer nach Hannover fahren wollte, wo er ein Haus hatte, gehört zu einer weiteren Anekdote des Stiftungsvorsitzenden.

Rund 20 Millionen Euro habe die Stiftung für das Schloss, den Garten und die Möbel investiert. 2006 überließ die Messerschmitt Stiftung der Bundesregierung die Nutzung des Schlosses für zunächst 20 Jahre. Der Bund selbst investierte noch einmal rund zwölf  Millionen Euro in die Sicherheit des Objekts. Schließlich sollten Präsidenten von mächtigen Ländern ohne Sorgen dort empfangen werden und friedlich schlafen können.

Klausurtagung am Wochenende

Der erste Staatsgast war am 26. Januar 2007 der französische Präsident Jacques Chirac. Ein Bild davon ist im benachbarten Hotel "Schlosswirt Meseberg" zu sehen, das die Messerschmitt Stiftung für zehn Millionen Euro baute. "Das Hotel lebt von den Besuchen", sagt von Srbik. Mehr schlecht als recht, sagt der Subtext. Denn bei im Schnitt nur acht Besuchen im Gästehaus der Bundesregierung im Jahr, wünscht sich der Stiftungsvorsitzende durchaus mehr Betrieb. "Ich würde aber niemals in das Hoheitsgebiet der Bundeskanzlerin eingreifen", wirft Hans Heinrich von Srbik ein. "Es ist ganz allein ihre Sache, wen sie ins Gästehaus einlädt."

Am Wochenende ist es das Bundeskabinett, dass dort an zwei Tagen zur Klausurtagung zusammenkommt.

Kosten für Meseberg von 2015 bis 2018

Die Kosten des Bundesgästehauses in Meseberg gliedert sich nach Angaben eines Regierungssprechers folgendermaßen auf:

In den Jahren2015 bis 2018 waren für die Bewirtschaftung von Schloss Mese­berg, den Bauunterhalt und die Bewachung durch die Bundespolizei 20 Millionen Euro erforderlich – "eine Summe, die für ein Regierungsgästehaus mit vielfältigen Aufgaben einen angemessenen Kostenansatz darstellt".

In dieser Zeitspanne fanden 36 Veranstaltungen in Meseberg statt – internationale Treffen mit Staats- und Regierungschefs, nationale Treffen mit Sozialpartnern, Kabinettsklausuren oder "Tage des offenen Schlosses".

Konkret beliefen sich die Ausgaben für die Bewirtschaftung rund zwei Millionen Euro, für den Bauunterhalt rund 661 000 Euro, für Personalkosten des Bundeskanzleramtes rund zwei Millionen Euro, für die Bewachung des Schlosses durch die Bundespolizei rund 15,5 Millionen Euro.

Info zur Stiftung: www.flugmuseum-messerschmitt.de⇥bu

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG