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Schwimmen
Eine Granseerin träumt von Olympia

Stefan Zwahr / 26.11.2019, 08:13 Uhr - Aktualisiert 26.11.2019, 10:29
Gransee (MOZ) Wenn eine Granseerin über ihren Traum von der Teilnahme an den Olympischen Spielen 2020 im Schwimmen spricht, klingt das im ersten Moment verrückt. Im Gespräch mit Maya Tobehn wird dem Zuhörer aber schnell klar, dass ihre Ziele mehr als Träumereien sind. Die 17-Jährige wirkt aufgeräumt, formuliert ihre Visionen in sympathischer Art – und kann sie mit grandiosen Erfolgen untermauern.

Am Wochenende war die junge Frau mal wieder in ihrer Heimat. Kurz zumindest. Es reichte gerade einmal für einen anderthalbtägigen Trip nach Gransee, wo sie mit ihrer Mutter seit wenigen Monaten lebt. Das reiche, um Kräfte aufzutanken und den Kofferinhalt zu wechseln. Dann ging es aber auch schon wieder zurück zum Leistungssportzentrum Berlin-Hohenschönhausen.

Dort bereitet sich die Jugendliche, die für den Berliner TSC startet und von Kennern der Szene sowie in überregionalen Medien als größtes deutsches Schwimmtalent gefeiert wird, auf die Kurzbahn-Europameisterschaft der Erwachsenen vor. Diese findet vom 4. bis 8. Dezember in Glasgow statt. Zur 40-köpfigen Gruppe von Teamchef Bernd Berkhahn zu gehören, hatte sich Maya Tobehn nicht als Ziel gesetzt. "Die EM hatte ich nicht im Blick. Die Nominierung kam für mich sehr überraschend, weil ich mich mit den Quali-Zeiten nie beschäftigt habe." Die Vorfreude ist dennoch da. "Ich werde es als Erfahrung mitnehmen für meine höheren Ziele." Das ganz große Ziel heißt Olympia – und zwar schon im kommenden Jahr. "Tokio? Das wäre bombastisch! Eine Teilnahme wäre gut, um mal zu sehen, was bei so einem großen Event abgeht." Aber ist es auch ein realistisches Ziel? "Ich glaube, über die Staffel ist es machbar."

Um sich ihren großen Traum zu erfüllen, arbeitet die Elftklässlerin seit Jahren hart. Das aktuelle Pensum: "Morgens bin ich zwei bis drei Stunden in der Halle, ab 15 Uhr dann noch mal drei bis vier Stunden." Betreut wird die gebürtige Berlinerin, die in Alt-Hohenschönhausen aufwuchs, im dritten Jahr von Landestrainer Martin Dautz – der bemerkt, dass sein Schützling einen unglaublichen Willen hat. "Ohne ihn hätte ich das alles nicht geschafft", sagt die Tochter von ehemaligen Leistungsschwimmern, die im Sommer den Jugendbereich verlassen hat. Doch schon vor zwei Jahren durfte sie erstmals mit den Frauen ins Becken.  "Es war immer beeindruckend, was die Großen schwimmen. Nun gehört man dazu, ist aber auch nicht das goldene Ei, was aus der grauen Masse sticht. Ich muss mir alles erarbeiten. Da bin ich gerade dabei."

Als Nachwuchsschwimmerin räumte Maya Tobehn, die 2012 auf die Sportschule Berlin kam, auf nationaler Ebene alles ab, schwamm in den Bundeskader und erlangte die Empfehlung für Starts auf internationaler Ebene. Hinter etlichen deutschen Altersklassenrekorden steht ihr Name. Unter anderem knackte das Supertalent eine 24 Jahre alte Bestzeit von Franziska van Almsick. "Im Endeffekt ist es nur ein Altersklassen-Rekord. Das wird später keinen interessieren. Man freut sich, es ist aber nur ein kurzweiliger Moment der Freude."

Aus diesem Grund geht Maya Tobehn, die großer Fan von Britta Steffen ist, mit ihren bisherigen Erfolgen nicht hausieren. Die Frage, ob ihr Zeiten oder Platzierungen wichtiger sind, beantwortet sie so: "Konkurrenten haben mehr Angst vor Zeiten. Platzierungen sind nur kurzweilig." Ein dritter Platz bei der Kurzbahn-Meisterschaft über 200 Meter Lagen würde bald niemanden mehr interessieren. "Wenn man eine Zeit von 1,55 Minuten über 200 Meter Kraul auf der Kurzbahn schwimmt, ist das beeindruckender." Die Zeiten müssten passen vor dem Olympiajahr.

Bis jetzt sei das Kalenderjahr relativ gut und erfolgreich gewesen. "Ich bin Zeiten geschwommen, mit denen ich persönlich nicht gerechnet hätte." Bei der Deutschen Jahrgangsmeisterschaft holte Maya Tobehn sechs Titel. Die Jugend-Weltmeisterschaft in Budapest sei nicht wie erhofft verlaufen, die Jugend-Europameisterschaft in Kasan mit zwei Titeln und vier weiteren Medaillen dann aber schon. "Ich habe bisher alles erreicht, was ich mir erträumt habe", sagt die 1,86 Meter große Schwimmerin mit Blick auf ihre Laufbahn.

Nun will sie alles geben, um ihrer Vita einen Start bei Olympia hinzuzufügen – und wenn es erst bei den Spielen 2024 ist.

Im Stadtbad fing alles an

Maya Tobehn ist die Tochter zweier ehemaliger Leistungsschwimmer. "Meine Eltern haben mich nie zu irgendwas gezwungen", betont die 17-Jährige. "Sie ließen mir immer genug Freiraum."

Mutter Nadine arbeitete im Berliner Stadtbad Mitte, als sie ihre damals dreijährige Tochter erstmals mit dem Wasser vertraut machte. "Ich habe so vielen Kindern das Schwimmen beigebracht. Meiner Tochter wollte ich es selber eigentlich nie beibringen. Das macht man nicht." Maya ergänzt lachend: "Das einzige, was sie wollte, war, dass sich das kleine dicke Kind über Wasser halten kann. Ich bin ihr bis heute unendlich dafür dankbar, dass sie mir das Wasser nahe gebracht hat."

Mit einem Brett bewaffnet ging das Kleinkind ins kühle Nass. "Sie ist gleich so dermaßen gut geglitten, das war unfassbar. Ich habe gesehen, dass das Mädel ein unfassbares Wassergefühl hat. Mit vier wollte sie in den Verein, durfte aber erst mit sechs."

Der erste Trainingstag gestaltete sich schwierig. Nadine Tobehn: "Sie ist nicht ins Wasser gegangen. ,Ich kann das alles schon, was die machen’, hat sie gesagt. Dann begriff sie aber, dass man macht, was der Trainer sagt." Ihre Tochter sei dann recht schnell in die besseren Gruppen durchgereicht worden "und ging ihren Weg ganz allein".⇥sz

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