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Ergotherapie
Landkreis Oberhavel lehnt Praxisschließung ab

Eine Ergotherapeuthin massiert einer Frau während einer Handtherapie einen Finger. Auch in der Corona-Krise sind die Mitarbeiter für ausreichende Hygienemaßnahmen verantwortlich. (Symbolbild)
Eine Ergotherapeuthin massiert einer Frau während einer Handtherapie einen Finger. Auch in der Corona-Krise sind die Mitarbeiter für ausreichende Hygienemaßnahmen verantwortlich. (Symbolbild) © Foto: Lino Mirgeler/dpa
Matthias Henke / 25.03.2020, 19:00 Uhr - Aktualisiert 26.03.2020, 12:19
Gransee/Oranienburg (MOZ) Angesichts der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus ist der Bedarf nach Informationen groß, nicht zuletzt bei Menschen, die berufsbedingt regelmäßig Kontakt zu Angehörigen von Risikogruppen haben. So geht es auch Ergotherapeut Frank Görden aus Seilershof. Wie aber der Landkreis das Thema manage, lasse zu wünschen übrig, findet Görden, der als fachlicher Leiter in den Praxen seiner Frau Carola in Gransee und Oranienburg auch die tägliche Arbeit koordiniert und die Einrichtungen am liebsten schließen würde – ganz im Gegensatz zu einer Kollegin aus Oranienburg.

Großteil der Patienten aus Corona-Risikogruppe

"Ich habe vergangene Woche Dienstag das Gesundheitsamt gebeten, eine temporäre Schließung zu veranlassen", so Görden. Hintergrund sei eine Mitteilung des Robert-Koch-Instituts (RKI) an den Bundesverband für Ergotherapeuten gewesen, wonach Praxen im Heilmittelbereich Rücksprache mit dem betreffenden Amt halten sollen, insbesondere was eine Schließung der Praxen betreffe. "Wir behandeln derzeit täglich mehr als 50 Patienten, ein sehr großer Teil fällt in die Risikogruppe", so Görden weiter. "Die vom RKI empfohlenen höheren Hygieneanforderungen können wir nicht erfüllen."

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Tags darauf habe er eine gleichlautende Nachricht an eine andere E-Mail-Adresse des Amts geschickt. Als wiederum eine Reaktion ausblieb, habe er am Donnerstag erneut nachgehakt und seine Sorge geäußert, er könne selbst das Virus verbreiten, wenn er in Kontakt mit Personen komme, die ihrerseits mit Infizierten zu tun hatten. "Daraufhin habe ich dann am Sonnabend eine Antwort erhalten, aber mehr als ein Standardtext war das nicht. Man sei als Kontaktperson einer Kontaktperson nicht ansteckungsverdächtig, hieß es. Und dann gab es noch Hygienehinweise zum Mindestabstand und zum Händewaschen, die waren natürlich sehr hilfreich", merkt Görden mit ironischem Unterton an.

"Es erschreckt mich sehr, wenn manche Kollegen wollen, das die Praxen schließen", sagt dagegen Ramona Steinhäuser von der Physiotherapie-Praxis Steinhäuser in Oranienburg. "Das wäre finanziell der Supergau  – trotz staatlicher Hilfe, die es gäbe." Solange alle im Team gesund seien und die Praxis nicht behördlicherseits geschlossen werde, werde der Betrieb aufrechterhalten. Auch sie sehe sich mit Absagen konfrontiert, etwa im Bereich von 20 bis 30 Prozent. "Wenn es mehr werden, haben wir angekündigt, dass wir auch ins Haus kommen, natürlich unter der Beachtung der Hygieneregeln. Auch in den Praxisräumen habe sie ihr möglichstes getan. Laufende Kurse mit mehreren Personen wurden umgehend beendet, Desinfektionsmittel sowie Atemschutzmasken besorgt. Die Patienten werden ferner dazu aufgefordert, eigene Handtücher mitzubringen, pünktlich zum Termin zu erscheinen, um Begegnungen mit anderen zu vermeiden sowie bei Erkältungssymptomen ganz auf eine Behandlung zu verzichten.

Ergotherapeuten sind für Hygienemaßnahmen verantwortlich

Auf Nachfrage dieser Zeitung bestätigte der Landkreis Oberhavel die schriftliche Antwort an Frank Görden, die dieser als nicht ausreichend einschätzte. "Das Gesundheitsamt teilte darin mit: Bei einer nachgewiesenen  Covid-19-Erkrankung werden grundsätzlich die direkten Kontaktpersonen des Erkrankten häuslich isoliert. Sie müssen nicht zwangsläufig Symptome aufzeigen, gelten aber zunächst als erkrankungsverdächtig.  Kontaktpersonen von Kontaktpersonen – wie im vorliegenden Falle von Herrn Görden – sind dagegen nicht erkrankungsverdächtig  und werden daher nicht isoliert", so Ivonne Pelz, stellvertretende Pressesprecherin. Für eine Schließung der Praxis durch das Gesundheitsamt habe es daher zu keinem Zeitpunkt eine Veranlassung gegeben. "Unabhängig davon stehen Betreiber von Therapiepraxen als selbständige Unternehmer in der Verantwortung, für ausreichende Hygienemaßnahmen innerhalb ihres Betriebs zu sorgen. Entsprechende Hinweise hatte das Gesundheitsamt im vorliegenden Fall erteilt", heißt es vonseiten des Kreises weiter.

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