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Brandschutz
Dirk Stolpe ist jetzt hauptamtlicher Stadtbrandmeister in Fürstenberg

Kapitän und Steuermann zugleich: Dirk Stolpe weiß genau, was zu tun ist.
Kapitän und Steuermann zugleich: Dirk Stolpe weiß genau, was zu tun ist. © Foto: Pilz
Thomas Pilz / 25.05.2020, 10:04 Uhr
Fürstenberg (MOZ) Die Wasserstadt Fürstenberg hat seit einigen Wochen einen hauptamtlich beschäftigten Stadtbrandmeister. Mit Dirk Stolpe bekam ein absoluter Profi diesen Job.

Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, bis die Entscheidung heranreifte. Außenstehende reagierten in Fürstenberg häufig erstaunt, wurden sie darüber belehrt, dass die Entscheidung noch gar nicht getroffen wurde. Felsenfest gingen sie davon aus, dass die Wasserstadt einen Stadtbrandmeister beschäftigt, der dies hauptamtlich tut.

Dem war bislang nicht so. Dirk Stolpe erfüllte die Aufgabe quasi ehrenamtlich. Und zwar seit sage und schreibe 13 Jahren. 2007 war Herbert Wiese, der frühere Erste Mann der Fürstenberger Brandschützer gestorben. Als sein Stellvertreter rückte Stolpe nach. Damals war er 31 Jahre alt.

Die Stadtverordneten rangen sich nach langer Diskussion vergangenes Jahr doch dazu durch, einen hauptamtlichen Stadtbrandmeister zu beschäftigen. Allerdings im Rahmen einer förmlichen Ausschreibung.

Zuvor gab es nicht zuletzt bei den Etat-Beratungen die für manche groteske Idee einer Fraktion, die Vollzeitstelle eines Stadtbrandmeisters mit der eines Rettungsschwimmers zu verknüpfen, um die Stellen in jeweils 50 Prozent aufzusplitten. Zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, hoffte man. Aber ein Stadtbrandmeister, der halbtags arbeitet?

Alles Schnee von gestern: Anfang April hat der Hüne und Rotschopf Dirk Stolpe sein neues Büro in der Feuerwache bezogen. Und wurde zu einem regelmäßigen Radfahrer: "Wenn ich meinen Dienst beginne, muss ich mich nämlich im Rathaus persönlich einloggen", erklärt Stolpe. Zu diesem Zweck fährt er von der Feuerwache mit dem Drahtesel zum Marktplatz und anschließend wieder zum Gerätehaus.

Er ist kein Mann weitschweifiger Tiraden und großer Sprechblasen, dafür umso mehr der klaren und blitzschnellen Handlungen. Das war schon 1994 so, als Stolpe in die Feuerwehr eintrat. "Ich wurde geworben von der damaligen Jugendwartin", erinnert er sich und ein Schmunzeln huscht übers Gesicht. Damals war der gerade mal 18-jährige Sohn eines LPG-Bauern und der im Konsum arbeitenden Mutter ein leidenschaftlicher Fußballer beim SV Fürstenberg.

"Ja, und als ich dann in der Wehr war und ich mit Nancy, meiner Frau, eine Familie gründete, da musste ich eine Entscheidung fällen", erklärt Dirk Stolpe. Er hing die Töppen an den Nagel, und Nancy wurde ebenfalls ein aktives Mitglied der Feuerwehr.

Selbst schwierigste Einsätze, die die Seele angreifen, bewältigt Stolpe als Fels in der Brandung. Eine Bewährungsprobe war zum Beispiel der Brand der Alten Reederei, die Anfang November 2013 in Flammen aufging. Von den mittlerweile zahlreichen tödlichen Verkehrsunfällen auf der Bundesstraße ganz zu schweigen.

Feuerwehrleute in einem kleinen Städtchen wie Fürstenberg sind bekannt wie ein bunter Hund. Das ist bei Dirk Stolpe nicht anders, zumal er bislang zu den liebevoll genannten "Stadtsoldaten" gehörte, den Mitarbeitern des Bauhofes, die im Sommer möglichst überall im Stadtgebiet gleichzeitig den Rasen mähen sollen und parallel sämtliche Badestellen in Ordnung zu halten haben. Und so kennt der gebürtige Wasserstädter seine Pappenheimer ganz genau.

Vor Jahren schon erfüllte sich Familie Stolpe den Traum vom eigenen Haus, praktischerweise direkt am Gerätehaus. Wenn der Pieper geht, hat er also kurze Wege. "Und was erstaunlich ist, nachts wenn die Sirene geht, die hören die Kinder überhaupt nicht mehr", schmunzelt er.

Warum nun aber dieser Kurswechsel in Sachen kommunaler Brandschutz? Vor allem wegen der schwierigen rechtlichen Voraussetzungen, unter denen Brandschutz zu leisten ist, bedurfte es der Vollzeitstelle. "Es ist unheimlich viel Bürokratie zu bewältigen", merkt Stolpe an. Das lässt der Name jenes Projektes erahnen, auf dessen Grundlage der Stadtbrandmeister zu arbeiten hat, es ist ein typisches Wortungetüm: Gefahrenabwehrbebdarfsplan.

Covid 19 ist außerdem eine große Herausforderung und "auch für uns absolutes Neuland", so der Feuerwehrmann. Vom Landkreis bekamen auch die Fürstenberger Brandschützer Schutzanzüge, Masken und Desinfesktionsmittel. "Denn wichtig ist, dass die Kameraden sich nicht untereinander anstecken", stellt er klar. Um das Risiko bei Einsätzen zu verringern, sei man dazu übergegangen, dass die kleineren Ortswehren, wenn der Pieper geht, möglichst nicht gerufen werden, sondern die Hilfen von der Stützpunktwehr, etwa in Fürstenberg, übernommen werden.

Standard sei, dass man Türöffnungen, weil hinter ihr eine hilflose Person vermutet wird, nur noch mit FFP-Maske und Schutzbrille vornimmt.

Ja, und die Ausbildung, Herzstück der kameradschaftlichen Tätigkeit jeder Wehr, ist völlig auf Eis gelegt worden.

Worauf Verlass ist, das lasse sich derzeit ohnehin nicht sagen. Etwa die fest  im Haushalt der Wasserstadt verankerten Anschaffungen für die Wehr. So soll Bredereiche endlich ein neues Feuerwehrauto bekommen. Das alte sei schon 26 Jahre im Dienst. Und kommendes Jahr solle Himmelpfort ebenfalls ein Tanklöschfahrzeug erhalten. Dringend notwendig sei es.

Ob die Fahrzeuge ganz gewiss kommen? Stolpe zuckt mit den Schultern: Über eine  Glaskugel verfügt der junge und frischgebackene Stadtbrandmeister nicht. Andernfalls würde es wohl gar keine Unglücke geben.

Die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Fürstenberg

Die Ortswehr Fürstenberg erhielt im Jahr 2007 den Status einer Stützpunktfeuerwehr. Durch sie ist die Einsatzbereitschaft sicherzustellen. Ist dies nicht gewährleistet ist die Unterstützerfeuerwehr Bredereiche heranzuziehen. Die Alarm- und Ausrückeordnung der Stadt Fürstenberg sieht vor, dass die Stützpunktfeuerwehr  bei jedem Einsatz auch in den Ortsteilen mit ausrückt. Außerdem muss sie neben der Absicherung des Zuständigkeitsbereiches im Bedarfsfall auch an überörtlichen Einsätzen teilnehmen.

116 aktive Kameraden hat die Wehr. Davon versehen 22 weibliche ihren Einsatzdienst. Es gibt drei weitere Ortswehren in Himmelpfort, Blumenow und Bredereiche. In den Jugendfeuerwehren sind derzeit 43 Kinder und Jugendliche im aktiven Dienst, darunter 15 Mädchen. Die Anzahl der Kameraden und Kameradinnen in der Alters- und Ehrenabteilung liegt bei insgesamt 26.

Grundlage der Arbeit ist ebenso wie in jeder Stadt und Gemeinde der Gefahrenabwehrbedarfsplan.⇥pilz

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