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Denkmalschutz
Menzer Kirchturm jetzt Baustelle

Die Menzer Kirche: Der Turm ist schon eingerüstet, um die Art der Sanierung wird aber noch gerungen.
Die Menzer Kirche: Der Turm ist schon eingerüstet, um die Art der Sanierung wird aber noch gerungen. © Foto: Matthias Henke
Matthias Henke / 27.06.2020, 13:00 Uhr
Menz Menzer Kirchturm bald Baustelle" titelte diese Zeitung Anfang März vergangenen Jahres. Zahllose Abstimmungen zwischen Gemeinde und Denkmalbehörde und eine Ausschreibung, die die Projektkosten noch einmal ansteigen ließ, später stehen die Gerüste nun tatsächlich. Pfarrer Mathias Wolf hat Grund zur Freunde, doch ist seine Zuversicht derzeit noch etwas gedämpft. Denn wichtige Entscheidungen zur Art und Weise der Kirchturm-Sanierung stehen noch aus.

Zeitnahe Entscheidung

Der Landkreis habe eine Entscheidung innerhalb der nächsten Woche versprochen, so der Pfarrer. Kürzlich habe es noch einmal einen Vor-Ort-Termin gegeben. Als Knackpunkt stellten sich wieder einmal die beiden oberen Etagen des Turms heraus. Was sich an jener Stelle auf den ersten Blick als massive Außenmauer darstellt, sei eine vergleichsweise dünne Ziegelwand, dahinter liege eine eingemauerte Fachwerkskonstruktion. Und die gammele laut eines Statikers zusehends. Der Fachmann empfehle ferner, die Balken nicht erneut einzumauern, da ansonsten irgendwann erneut ähnliches Ungemach drohe und man dies nicht so einfach kontrollieren könne, beschreibt Wolf. Die Denkmalbehörde sehe das anders und bestehe auf der Wiederherstellung des Originalzustandes. Jahrhundertelang hat dieser immerhin gehalten. Als Kompromiss stehe nun im Raum, etwas Luft zwischen Balken und Mauerwerk zu lassen und Metallbänder im Turm anzubringen, die die Konstruktion an dieser Stelle verstärken sollen, was auf Behördenseite aber wiederum auf Skepsis gestoßen sei. Lassen sich Statik und Denkmalschutz unter einen Hut bekommen? "Ich bin eigentlich ein Fan von Denkmalschutz und dem Erhalt alter Bausubstanz, aber Spannbänder im Inneren würde keiner sehen. Der Kirchturm ist schließlich nicht frei für Publikumsverkehr", gibt Pfarrer Wolf zu bedenken.

Ungeachtet der noch ausstehenden Entscheidung in dieser Angelegenheit haben die Arbeiten auf dem Menzer Kirchengelände aber bereits begonnen. Vom Aufbau der Gerüste und sonstigen nötigen Infrastruktur für die Bauarbeiter abgesehen, waren und sind die Experten auch schon im Turm am Werkeln. Vorbereitende Entsorgungsarbeiten gehören dazu, aber auch die Dekontamination des in den 1980er-Jahren mit Holzschutz-Chemikalien behandelten Gebälks. Letzteres schlage allein mit etwa 20 000 Euro zu Buche.

Kosten steigen

Da sich die Ausschreibung der Bauleistungen durch die Abstimmungen und Nachforderungen insgesamt verzögerte, habe man nun höhere Preise in Kauf nehmen müssen. Aktuell sind insgesamt 293 000 Euro veranschlagt. 70 bis 75 Prozent der Summe sollten aus dem Leader-Programm gefördert werden. Dafür gab es eine Zusage. Ob die finanzielle Unterstützung entsprechend der aktuellen Kostenerhöhung angepasst werden kann, muss sich noch zeigen. Einige Zusatzkosten, wie etwa für die Erneuerung der Zifferblätter, sind davon ohnehin ausgenommen. Aufwendig wird auch die Sanierung einer Glockenaufhängung. Ein Teil des Geläuts ist immerhin rund 300 Jahre alt. Spezialisten dafür konnten in den Niederlanden gefunden werden.

So bleiben nicht nur für die Handwerker noch einige dicke Bretter zu bohren, sondern – im übertragenen Sinn  – auch für den Pfarrer. Bevor er in zwei Jahren in den wohlverdienten  Ruhestand geht, will Mathias Wolf das Projekt aber über die Bühne bringen und seinem Nachfolger einen frisch sanierten Menzer Kirchturm hinterlassen.

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