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Die S-Bahn aus dem Filmstudio

Roland Becker / 05.10.2016, 07:48 Uhr
Berlin (MOZ) Für ihre neue Fahrzeuggeneration will die S-Bahn Berlin GmbH eine Brücke zwischen Tradition und Innovation schlagen. Wie die ab 2021 verkehrenden Züge aussehen und was sie den Fahrgästen bieten, konnte am Dienstag bei der Premiere des begehbaren Modells in Schöneweide begutachtet werden.

"Diese S-Bahn wird bis 2050 das Bild von Berlin prägen", empfing S-Bahn-Chef Peter Buchner seine Gäste im Betriebswerk Schöneweide. Auf den ersten Blick wirkt das Modell, als könne es morgen zur Jungfernfahrt starten. Weit würde der Zug allerdings nicht kommen. Denn das in den Babelsberger Filmstudios gefertigte Modell ist zwar im Inneren voll ausgestattet. Der Wagenkasten allerdings besteht aus Holz.

Traditionsbewusste Berliner und Brandenburger können beruhigt sein. Auch die S-Bahn der Zukunft wird ab 2021 in den Farben rot, gelb und schwarz in die Bahnhöfe einfahren. Buchner selbst wünscht sich in der Farbnuancierung ein wenig frischere Töne. Doch ob die leicht heller gehaltenen Rot- und Gelbtöne überzeugen, liegt in den Händen von 400 ausgewählten Fahrgästen und den Vertretern zahlreicher Verbände. Die werden das Modell in den kommenden Wochen auf Herz und Nieren prüfen. Deren Anregungen sollen in die weitere Entwicklung der Bahn einfließen. Gespannt ist Buchner auch auf das Echo fürs neue Frontdesign. Moderner und schnittiger soll es wirken. Daher werden auch die Kulleraugen-Lampen gegen einen LED-Leuchtstrich ausgetauscht.

Der Aha-Effekt beginnt bereits beim Einsteigen. Die völlig in Schwarz gehaltenen Türen dürften für viele gewöhnungsbedürftig sein, haben aber einen praktischen Sinn: Sehschwachen sollen sie deutlicher als bislang den Weg zur Tür weisen. Beim Öffnen und Schließen sorgen rote und grüne LED-Bänder sowohl für optische Hingucker als auch für mehr Sicherheit. Sensoren in den Türen bieten die Möglichkeit, wenige Sekunden nach dem letzten Zustieg diese automatisch zu schließen. "Das ist vor allem im Winter an den Endstationen wichtig, wo die Bahnen länger stehen", wies S-Bahn-Projektleiter Jürgen Strippe auf den Wärme- und Energiespareffekt hin. Verzichten muss der Fahrgast künftig darauf, im Sommer die Frischluftzufuhr durchs Ankippen der Fenster zu regeln. Die lassen sich nicht mehr öffnen. Stattdessen sorgt eine Klimaanlage für Kühlung.

Der steigenden Zahl an Radlern, aber auch den Rollstuhlfahrern räumt die S-Bahn mehr Platz in den Mehrzweckabteilen ein. Praktischer Nebeneffekt: Direkt an den Klappsitzen gibt es einen Knopf, um die Tür zu öffnen. Der ist allerdings so exponiert angebracht, dass er Rowdys zu Vandalismus geradezu einzuladen scheint. "Der übersteht doch keine Party auf der Ringbahn", befürchtet Berlins Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler (SPD). Angesichts von 360-Grad-Kameras an der Decke dürften es Vandalen allerdings schwerer haben, unerkannt zu bleiben.

Wer auf den blauen Sitzen mit den schwarzen Quadraten Platz genommen hat, muss künftig nicht mehr seinen Kopf recken, um am anderen Ende des Wagens den Stationsanzeiger zu entziffern. Dieses laufende Band bleibt zwar erhalten. Zusätzlich aber ist von jedem Platz aus eine am Fenster montierte Anzeige zu sehen. Die präsentiert den Linienverlauf, zeigt aber an den Stationen das Fahrtziel an. Vor allem beim schnellen Umsteigen wird das manchem helfen, nicht in die falsche Bahn zu springen. Zum Komfort der ferneren Zukunft zählt der WLAN-Anschluss. "Die Nachrüstung ist möglich, einen Zeitplan dafür gibt es aber nicht", räumte Strippe ein.

Vor allem der Geräumigkeit im Mehrzweckabteil ist es geschuldet, dass die Züge künftig weniger Sitzplätze anbieten. Für die, die stehen müssen, gibt es aber einen Trost: Zwischen den Sitzen sollen Haltestangen mit Schlaufgriffen angebracht werden.

Damit Ende 2019 auf der Ringbahn die beiden ersten neuen Züge im passagierlosen Test verkehren können, müssen Siemens und Stadler einen straffen Zeitplan bewältigen. Die ersten der in Pankow und Velten endproduzierten Fahrzeuge werden sich auf der Siemens-Teststrecke in Wildenrath (NRW) bewähren müssen. "Im Klimakanal in Wien wird auch eine Winterfahrt simuliert", versicherte Siemens-Projektleiter Harald Schultz-Eich. Am Neujahrstag 2021 wird "unser Baby", wie es von den S-Bahnern am Dienstag liebevoll bezeichnet wurde, regulär auf die Schiene gehen.

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