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Fußball
Karim Alaa spricht über seinen Rücktritt

Wurde beim FC 98 nicht glücklich: Trainer Karim Alaa
Wurde beim FC 98 nicht glücklich: Trainer Karim Alaa © Foto: Stefan Zwahr
Stefan Zwahr / 11.04.2018, 16:38 Uhr
Hennigsdorf ([]) Karim Alaa freut sich, wenn ihm rhetorische Brillanz, Sachlichkeit und Sachverstand attestiert wird. „Im Endeffekt spielt das aber keine Rolle, da du als Trainer an der Tabelle gemessen wirst.“ In dieser wird der FC 98 Hennigsdorf nach 20 von 28 Landesligaspielen auf Rang 12 geführt. Für den 31-Jährigen Grund genug, um seinen Posten zur Verfügung zu stellen. „Ich habe für mich entschieden, der Mannschaft die Möglichkeit zu geben, durch einen neuen Trainer neue Impulse zu setzen und im Team eine Reaktion auszulösen“, begründet er seinen Rücktritt. Über seinen Entschluss informierte er die Mannschaft am Dienstagabend (wir berichteten).

Der Schritt kam nicht überraschend. Schon nach der 1:2-Heimpleite gegen Schlusslicht Michendorf hatte Alaa beklagt, dass von Außen immenser Druck aufgebaut werde, der abartig sei. „Es ist, als wären wir im bezahlten Fußball und nicht im Breitensport.“ Gerade in Heimspielen hätten vornehmlich die jungen Spieler bei jedem Ballkontakt Angst gehabt, dass von draußen gebrüllt wird. „Viele Spieler waren immer zittrig und nervös. Es ging in Hennigsdorf ewig nicht mehr um Fußball. Die Leichtigkeit und der Spaß sind abhanden gekommen.“

Der Verein habe es verdient, dass die Mannschaft nun eine Reaktion zeige und sich die nötigen Punkte erarbeitet. „Jedes Spiel wird ein Endspiel sein. Ich hoffe, dass das Team die Wende schafft“, so Alaa. Dieser betont, dass ihm der Abschied schwer fällt. Im Sommer vergangenen Jahres hatte er den FC 98 übernommen. „Wir haben uns so gut verstanden, dass aus dem Zweijahresvertrag ein unbefristeter Kontrakt gemacht wurde. Es hat gepasst. Wir wollten eine Philosophie aufbauen und umsetzen. Darum sind die letzten Wochen so traurig.“ Er habe gespürt, „dass mich der Verein nicht bitten wird, dass ich gehe“. Vereinschef Bastian Klebauschke und Teammanager Lars Klebauschke seien extrem loyale Menschen. „Die Verabschiedung war emotional. Aber es bringt nichts, persönliche Beziehungen über das Wohl des Vereins oder mein eigenes zu stellen. Anspruch und Realität sind so weit auseinander, dass ich gemerkt habe, es geht nicht weiter. Auch in Hinblick auf die neue Saison, wo wir uns nur punktuell verstärkt hätten, hätte es bei den Ambitionen, die ich altersbedingt habe, nicht hingehauen.“ So bleibe ihm nur, dem Verein alles Gute und der Führung viel Kraft, Geduld und das nötige Quäntchen Glück bei den nächsten Entscheidungen zu wünschen. „Der FC 98 ist ein schlafender Riese, der einen Impuls verpasst bekommen muss. Die Strukturen sind leider sehr verkalkt. Die Weichen müssen stehen, bevor der Zug ins rollen kommt. Das ist noch nicht der Fall. Und das spürt auch die Mannschaft.“

Im Winter justierten die Hennigsdorfer nach, holten neue Spieler. Aus sechs Rückrundenspielen wurden trotzdem nur vier Punkte geholt.  Dennoch sagt Alaa: „Ich denke, ich habe es geschafft, viele Spieler im taktischen und spielerischen Bereich besser zu machen. Es ist gelungen, moderne Strukturen reinzubringen und dem Team meine Handschrift zu verpassen. Auch wenn die Tabelle was anderes auszusagen scheint, war ein Fortschritt zu sehen.“ Alles habe er aber nicht richtig gemacht. „Wir haben es nicht geschafft, ein Wir-Gefühl zu entwickeln. In der Landesliga kommst du über Leidenschaft und das Team. Du musst nicht der überragende Fußballer sein. Wir hatten gute Einzelspieler, haben es aber versäumt, als Mannschaft aufzutreten.“

Alaa betont, in den letzten Monaten sehr viel gelernt zu haben. „Ich gehe gestärkt in die fußballerische Zukunft.“ Wie sieht diese aus? „Ich komme aus Niedersachsen und bin beruflich so aufgestellt, dass ich Angebote auch überregional sondieren kann“, so der Berliner. Brandenburg habe er schätzen gelernt. „Das Land ist sehr lukrativ, weil Potenzial vorhanden ist. Es war eine Erfahrung wert. Alleine durch das Geläuf gibt es die besseren Bedingungen. Der Berliner Fußball ist technisch besser, aber Emotion und Leidenschaft sind hier definitiv mehr gegeben.“

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