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Abschied
Kirchenmusikerin gibt Beruf auf

HGA_rol_ohse1 Kirchenmusikerin Sylvia Ohse verlässt Marwitz und Velten Evangelische Kirche Juni 2018
HGA_rol_ohse1 Kirchenmusikerin Sylvia Ohse verlässt Marwitz und Velten Evangelische Kirche Juni 2018 © Foto: Roland Becker
Roland Becker / 10.06.2018, 08:12 Uhr
Marwitz/Velten (MOZ) Über zehn Jahre hat Sylvia Ohse das musikalische Leben in den Kirchen von Velten bis Kremmen, von Marwitz bis Klein-Ziethen geprägt. Jetzt tauscht sie den Duft märkischer Kiefern gegen den Klang der Ostseewellen.

„Als ich drei, vier Jahre alt war, haben meine Eltern immer Schallplatten mit Klassik gehört. Damals habe ich beschlossen, Pianistin zu werden“, erinnert sich Sylvia Ohse an ihre früheste Kindheit. Viele Jahre später kam für die Erzgebirglerin ein weiterer Wunsch hinzu: „Meine Traumstadt war Berlin. Da wollte ich immer hin.“ Mit der Stelle als Kirchenmusikerin in Velten und Marwitz ist sie beiden Wünschen sehr nahegekommen: Die Musik beherrschte dort ihr Leben, und die Hauptstadt lag direkt vor der Tür.

Mit Schwung geht am Donnerstag dieser Woche die Autotür auf, die diplomierte Kirchenmusikerin mit dem freundlichen, fast immer von einem Lachen umspielten Gesicht steigt im schlicht-eleganten, ärmellosen Sommerkleid aus und umrundet das Fahrzeug, dessen Kennzeichen mit ROS beginnt. „Das ist das alte Rostocker Kennzeichen“, pariert sie den verwunderten Blick. Das wieder wählbare erste Rostocker Kennzeichen symbolisiert ihren privaten und beruflichen Neuanfang: Sylvia Ohse hängt die professionelle Kirchenmusik an den Nagel, um künftig im Örtchen Elmenhorst bei Warnemünde als Heilpraktikerin und Trauerrednerin zu arbeiten.

Der Abschied ist ihr nicht leicht gefallen. In zehn Jahren haben ihr viele Menschen gezeigt, wie sehr sie und ihre Musik gebraucht werden. Die Kindermusicals und die Jugendband gehören in die Anfangszeit. An die nach Jahren erstmalige Aufführung des Weihnachtsoratoriums in Velten denkt sie ebenso gern zurück wie an den Oberkrämer Posaunenchor. „Das sind so lustige Leute. Da stand nach der Probe immer ein Kasten Bier in der Mitte.“ Spaß hat es ihr auch gemacht, wenn die Musik in der Kirche nicht bei Bach aufhörte. „Bei mir gab es auch mal Helene Fischer im Gottesdienst.“ Und bei den Taizé-Gebeten sei Veltens katholische Kirche meist voll gewesen.

Wollte sich die 38-Jährige zurückziehen, dann lag gleich hinterm ehemaligen Pfarrhaus „meine Oase“. Der „schöne Garten, aus dem ich meine Energie gezogen habe“ war zu ihrem Einzug ein wildes, von hohem Schilf überwuchertes Gelände. „Erst kamen meine Freunde aus Berlin mit Sensen, dann bin ich mit dem Rasentraktor drübergefahren“, erzählt sie vom Urbarmachen ihres ganz persönlichen Idylls. Der Garten gab aber auch mit den Ausschlag dafür, dass Sylvia Ohse Marwitz den Rücken kehrt. Sie möchte nicht so gern darüber sprechen, wie nach einem verheißungsvollen Start plötzlich der gute Draht zwischen dem neuen Pfarrer Markus Schütte und ihr zerriss. Was sie aber besonders schmerzte: Der Gemeindekirchenrat habe ihr den Garten entzogen, weil er zu Bauland werden soll. „Dabei ist das sumpfiges Land“, wundert sie sich.

Auch ihren Abschied kann sie nicht so begehen, wie sie es sich gewünscht hat. Das traditionelle Waldkonzert (21. Juni, 19.30 Uhr) in Wolfslake biete, so hätten es die Pfarrer der Region mitgeteilt, nicht den passenden sakralen Rahmen. Stattdessen wird es nun am Sonntag um 16 Uhr in der Schwanter Kirche eine Wunschliedersingen mit dem Ökumenischen Chor geben. Sie selbst aber freut sich auf besonders viele Besucher, die sich beim Wald- und Abendliedersingen in Wolfslake von ihr verabschieden wollen.

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