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Hilferuf
Familien-Sport-Verein Oberhavel bangt um seine Zukunft

Treffen im Domizil des Familien-Sport-Vereins Oberhavel: Der Vorsitzende Jens-Uwe Grande (Mitte) empfing die FDP-Politiker Ralf Niedergesäß (links) und Maik Winkler (Zweiter von rechts). Auch sie erhielten den Hilfeaufruf per Video, zu sehen unter www.familiensportverein.de.
Treffen im Domizil des Familien-Sport-Vereins Oberhavel: Der Vorsitzende Jens-Uwe Grande (Mitte) empfing die FDP-Politiker Ralf Niedergesäß (links) und Maik Winkler (Zweiter von rechts). Auch sie erhielten den Hilfeaufruf per Video, zu sehen unter www.familiensportverein.de. © Foto: Stefan Zwahr
Stefan Zwahr / 13.06.2018, 18:16 Uhr - Aktualisiert 13.06.2018, 19:07
Oranienburg (MOZ) Mit einem Hilferuf geht der Familien-Sport-Verein Oberhavel an die Öffentlichkeit. „Wir engagieren uns seit fast zehn Jahren, um Kindern und Jugendlichen eine Heimat zu bieten. Unter diesen Umständen sind wir aber nicht mehr dazu bereit“, sagt Jens-Uwe Grande. Der Vorsitzende prangert die Missstände in den Oranienburger Vereinsräumen an und fühlt sich von der Stadt Oranienburg im Stich gelassen.

Am Lindenring 20 a hat der FSV, der gut 1000 Mitglieder und darunter 400 Oranienburger vom Kleinkind- bis zum Seniorenalter betreut, seit über sieben Jahren sein Domizil. Dieses sei laut Grande in einem bedenklichen Zustand. Risse im Mauerwerk, defekte Heizung, keine Warmwasserversorgung, alte Elektrik: Die Liste der Mängel sei lang. „Die Räume sind eine Zumutung“, wettert Grande und fordert eine Sanierung der Räumlichkeiten, in denen auf 280 Quadratmetern Kindersport, Sport für Tagesmütter und Senioren sowie Gesundheitssport angeboten werden. „Wenn man es von der Dringlichkeit sieht, müssten schnellstens die Elektrik, die im Zustand von Erbauerzeiten ist, und die Heizung gemacht werden.“

Aus seiner Sicht habe man alles Erdenkliche getan, um die Stadtverwaltung auf die Missstände hinzuweisen. „Wir haben mehrere Bürgeranfragen gestellt. Auch die Letzte wurde mit einem ,Nein‘ durch Bürgermeister Alexander Laesicke beantwortet. Die Aussage war, dass unser Vereinsheim keine Sportstätte werden soll.“ Regelmäßig wurden auch Reparaturen angefordert. „Was passiert, ist aber nur Flickschusterei. Die Stadt verletzt offensichtlich ihre Verkehrssicherungspflicht auf dem Rücken unserer Mitglieder.“

Dem Verein sei immer wieder untersagt worden, selbst Hand anzulegen. „Das ist immer mit großen Anträgen verbunden“, so Grande. „Unternommen haben wir viel.“ Von Seiten der Stadt sei in den Gesprächen das Thema Erbbaurecht aufgekommen. „Es soll mehre Interessenten geben. Und wir sollen ein Angebot abgeben“, berichtet der Vereinsvorsitzende. Das sei für den FSV aber keine Alternative. „Das wäre der Tod des Vereins.“

Da es mit der Stadtverwaltung und Bürgermeister Alexander Laesicke keine Einigung gegeben habe, wendete sich Grande nun an die Stadtverordneten von Oranienburg. „Sie sind unsere letzte Hoffnung.“ In einem Video schildert er die Missstände und fordert die Lokalpolitiker zum Handeln auf, um die Vereinsräume erhalten zu können. „Wir wollen keinen Edelpalast, darum geht es nicht. Man kann mit dem Geld was zur Verfügung stehen würde, die Probleme lösen.“ Grande betont, dass dem Verein ein Fördermittelbescheid in Höhe von 250000 Euro vorliegt. Parallel dazu könne der FSV Eigenmittel von 30000 bis 40000 Euro „über verschiedene Wege beisteuern“. Der Eigenanteil der Stadt beträgt laut seiner Rechnung 60000 Euro. „Dieser Beitrag wäre im Vergleich zu den 130000 Euro für den Kunstrasen des OFC Eintracht und die 80000 für die Wärmedämmung der Judohalle des JC Samura machbar.“

Grundvoraussetzung sei, dass der Familien-Sport-Verein einen Pachtvertrag über mindestens zehn Jahre bekommt, damit die Zweckbindung da ist. Bislang werden die Vereinbarungen jährlich neu fixiert. „Während andere Vereine die Sportstätten der Stadt kostenlos nutzen, haben wir in den letzten Jahren circa 25000 Euro an die Stadt gezahlt“, rechnet Grande vor. Dies stimmt ihn nachdenklich. „Sind die Angebote weniger wichtig und unsere Mitglieder weniger wert? Oder haben sie nur Pech gehabt, im falschen Verein zu sein.“ Die Wassersportler, die im selben Haus sitzen, hätten noch 15 Jahre Vertrag. „Und nun sollen auch noch die Mitglieder des WSC Möwe einziehen, deren Pachtvertrag gegenüber des Bollwerks 2021 endet. Bekommen die dann auch nur einen Jahresvertrag wie wir?“

Jens-Uwe Grande weiter: „Der Bürgermeister hat nicht die Absicht, uns zu kündigen. Aber so können wir hier nicht mehr arbeiten. Der Zustand ist einfach so, dass unter den Umständen jederzeit etwas passieren kann. Und was ist dann?“

Die Stadt müsse sich endlich positionieren. „Sie hat in ihrer Sportstättenentwicklungsplanung für viel Geld die Forderung nach alternativen Sportflächen aufgeschrieben. Zu dem Gelände, auf dem wir unsere Angebote unterbreiten, gibt es keine konkreten Aussagen.“ Diese müsse es aber bis Ende des Monats geben. „Ansonsten müssen wir die Fördermittel zurückgeben.“ Daher richtete sich Grande nun bewusst an die Stadtverordneten. Diese hätten es aus seiner Sicht in der Hand, „mit einem Beschluss positive Veränderungen auf den Weg zu bringen“. Es gehe um die Zukunft des Vereins – und darum, „für soziale Gerechtigkeit, Sicherheit und die Zukunft unserer Mitglieder zu sorgen“.

Grande betont, dass er vom Verein nicht lebt. „Es geht nicht um mich, sondern um die vielen Übungsleiter, die das mit aufgebaut haben und ebenso mit viel Herzblut dabei sind. Sie sind hier in ein Team gewachsen, haben sich entwickelt. Wir beschäftigen auch zwei duale Studenten. Auch sie würden in Frage gestellt werden.“

Liberale und Bürgermeister beziehen Stellung

Jens-Uwe Grande erörterte seine Probleme nicht nur mit der Stadtverwaltung. So habe es auch Gespräche mit einigen Fraktionen des Stadtparlaments und zuletzt den Video-Aufruf an die Stadtverordneten gegeben.

Konkrete Reaktionen gab es bisher nur von der FDP. Deren Stadtvorsitzender Maik Winkler, selbst seit 36 Jahren Vereinsvorsitzender und Betreiber eines Fitnessstudios, macht sich ebenso für den Familiensportverein stark wie der Kreistagsabgeordnete Ralf Niedergesäß. „Wir kommen aus dem Sport. Darum ist es unser Anliegen, Sportstätten zu erhalten, zu modernisieren und auch neue zu schaffen“, so Winkler. Grande und sein Team würden seit Jahren auf die Missstände aufmerksam machen und darum kämpfen, die Sportstätte in einen vernünftigen Zustand zu versetzen.

Vereine wie der FSV, wo Kinder und Jugendliche aus unterschiedlichen Schichten gemeinsam Sport treiben würden, seien wichtig für die Gesellschaft. „Dieser Breitensportverein macht eine tolle Arbeit und muss unterstützt werden.“

Sollte die Stadt mit dem Gebäude etwas anderes vorhaben, müsse sie das laut Winkler endlich kundtun, „damit Mitglieder und Vorstand wissen, wohin die Reise geht“. Der FDP-Chef betont, dass 400 der 1000 Mitglieder des Familiensportvereins aus Oranienburg kommen würden. „Wenn die Stadt auf diese verzichten will, um Luxuswohnungen bauen zu können, fehlt mir jegliches Verständnis. Das jetzige Verhalten der Verwaltung ist jedenfalls ein Armutszeugnis.“

Laut Maik Winkler sind die (vom Vereinsvorsitzenden Jens-Uwe Grande) errechneten 60000 Euro an Stadtzuschuss – „um das Gebäude in den Zustand zu versetzen, dass man es als Sportstätte betreiben kann“ – unbedingt erforderlich und machbar.

Unverständnis: „Wenn ich sehe, dass in anderen Bereichen, andere Sportstätten der Stadt reichlich Zuschüsse erhalten haben und die Turm-Erlebniscity über den Haushalt 350000 Euro an Sportförderung bekommt, obwohl da kein Sportverein existiert, muss man sich die Frage stellen, warum sich die Stadt hier sträubt, aktiv zu werden.“

Das Nichthandeln der Stadt ist aus Sicht von Ralf Niedergesäß „genau das falsche Signal an die Bevölkerung“, zumal auch die geänderte Sportförderrichtlinie des Kreises zu Buche schlage „und für den Verein weniger Geld bedeutet“. Der Verein habe eine wichtige Aufgabe. „Wir müssen uns stark machen, dass die Kinder und Jugendlichen von der Straße wegkommen, und unserem sozialen Auftrag gerecht werden.“

Bürgermeister Alexander Laesicke betont, dass es nicht beabsichtigt sei, den Vertrag mit dem Familien-Sport-Verein zu beenden, „sofern ein faires vertrauensvolles Miteinander besteht“. Mit dem Verein bestehe ein Vertragsverhältnis, „an dem wir gern festhalten möchten“.

Der Bürgermeister betont jedoch auch, dass die Stadt als Eigentümer der Liegenschaft selbstständig und eigenverantwortlich die Entscheidung darüber trifft, wann und mit wem ein Vertragsverhältnis begründet wird und auch, welche baulichen Maßnahmen hierfür erforderlich sind.

Richtig sei, dass zwischenzeitlich auch die Vergabe im Erbbaurecht erfolgen sollte. Ein Angebot vom Verein habe es nicht gegeben. „Die Stadt behält sich aufgrund der positiven und dynamischen Entwicklung der Stadt nunmehr die Prüfung weiterer Nutzungsmöglichkeiten vor.“ Es sei beabsichtigt, eine entsprechende Machbarkeitsstudie zu beauftragen, „um auch den dafür erforderlichen Sanierungsbedarf zu ermitteln und die zukünftig notwendigen finanziellen Mittel im Haushalt einzustellen“.

Die Stadt beabsichtige nicht, das Objekt zur Sportstätte zu erklären.

Der Zustand des Hauses sei dem Verein weitläufig bekannt gewesen.  „Als Unterstützung wurden daher die Räumlichkeiten unentgeltlich zur Verfügung gestellt.“ Der Verein zahle nur die Verbrauchskosten.

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