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Stadtbibliothek erweitert ihr Angebot für Blinde

Daisy liest vor: Daniel Fehlauer und Jeanette Borowski erklären das Gerät zum Abspielen von Hörbüchern.
Daisy liest vor: Daniel Fehlauer und Jeanette Borowski erklären das Gerät zum Abspielen von Hörbüchern. © Foto: MOZ/Klaus D. Grote
Klaus D. Grote / 06.12.2018, 19:53 Uhr
Oranienburg (MOZ) Die Stadtbibliothek erweitert ihr Angebot für Blinde und Sehbehinderte. Bücher in Brailleschrift und andere Medien aus der Deutschen Zentralbibliothek in Leipzig sind nun entleihbar. „Wir melden Sie an“, sagte Bibliotheksleiter Daniel Fehlauer.

Die Buchstaben der Brailleschrift werden von hinten ins Papier gedrückt. Das geht auch mit einer speziellen Erika-Schreibmaschine. Das grüne Gerät aus dem VEB Kombinat Robotron in Dresden ist Teil einer kleinen Ausstellung in der Bibliothek. Gezeigt werden die Angebote der Zentralbibliothek, zu denen Landkarten, Kalender und Grußkarten gehören. Besonders interessant dürften die Bücher in Brailleschrift und die Hörbücher sein. Der Bestand umfasst 30 000 Medien, die jetzt auch von Nutzern der Stadtbibliothek ausgeliehen werden können. „Lesen mit andern Sinnen“, heißt das neue Angebot, das Daniel Fehlauer am Montag, dem Welttag der Menschen mit Behinderung, vorstellte.

Fehlauer, seit dem 1. September Leiter der Bibliothek, hat seine Bachelorarbeit dem Thema Inklusion in öffentlichen Bibliotheken gewidmet. „Da gibt es noch viel Nachholbedarf in den Büchereien Brandenburgs“, sagt der 29-Jährige. Sein erstes Projekt als neuer Leiter sei daher das Angebot für Sehbehinderte gewesen. Um die Hörbücher und Lektüre in Brailleschrift bekannt zu machen, fand am Montag eine Lesung statt. Der frühere Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke hatte dafür einen seiner Lieblingsautoren ausgewählt. Aus „Meine Mutter, ihre Katze und ihr Staubsauger“ des seit 1990 in Berlin lebenden Russen Wladimir Kaminer wurden Kurzgeschichten vorgelesen. Laesicke las im Wechsel mit Thomas Schmidt. Der 40-Jährige kann nicht sehen. Er ertastet das Geschriebene mit den Fingerspitzen. Das Kaminer-Buch wurde dafür extra in Leipzig in Braille-Buchstaben ins Papier gedrückt. Zwei dicke Bände umfasst das eigentlich 253 Seiten starke Buch. „Das ist Kurzschrift. In Vollschrift wäre das Buch noch umfangreicher“, sagte Thomas Schmidt.

Der Oranienburger liest am liebsten Horrorgeschichten. Seine Favoriten von Stephen King sind in Brailleschrift zu haben. Viele Sehbehinderte, die ihr Augenlicht erst im Laufe des Lebens verloren, würden aber nur schwer den notwendigen Tastsinn für die Brailleschrift erlernen können. Für sie gibt es Hörbücher, deren Auswahl auch viel größer ist. Extra für Sehbehinderte gibt es zudem das Vorlesegerät Daisy, das ebenfalls in der Bibliothek entliehen werden kann. Daisy gibt es aber auch als Kassenleistung, sagte Jeanette Borowski. Und wem das Gerät in der Größe eines alten Kassettenrekorders zu groß ist, bekommt Daisy auch im Handyformat.

Andere Sinne

In Oberhavel leben nach Angaben des Blinden- und Sehbehindertenverbandes etwa 550 Menschen, die das Merkzeichen BL (Blind) in Ihrem Schwerbehindertenausweis tragen. Sie versuchen, ihre Wahrnehmung durch die anderen Sinne zu verbessern. Denn über die Augen werden etwa 80 Prozent der Umwelt wahrgenommen, teilt der Verband mit. Ein Blinder könne zwar nicht besser hören oder tasten, er könne die anderen Sinne aber trainieren, um die fehlende Sehkraft zu kompensieren.

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