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Für mehr Sauberkeit
Stadt kauft noch mehr Papierkörbe

Roland Becker / 08.01.2019, 19:55 Uhr - Aktualisiert 09.01.2019, 10:55
Hennigsdorf (MOZ) Mehr Sauberkeit in Hennigsdorf: Die im vorigen Mai gestartete Aktion, mehr Papierkörbe im Stadtgebiet samt Ortsteilen zu installieren, wird 2019 fortgesetzt. Außerdem wird das Vorhaben noch erweitert.

Als die Stadtverwaltung im Mai 2018 in Stolpe-Süd Alan vorstellte, brach ein neues Sauberkeits-Zeitalter für Hennigsdorf an. Alan ist der Chef der fünfköpfigen Papierkorb-Truppe. Das Vorhaben, mehr Müllbehälter in der Stadt aufzustellen, wurde mit einer großen Werbekampagne verbunden. Die Abfalleimer haben fünf verschiedene abstrakte Gesichter und jeweils einen Namen bekommen. In der Adventszeit bekamen sie auf Plakaten in den Buswartehäuschen sogar rot-weiße Mützen aufgesetzt; sozusagen als sehr speziellen Gruß zur Weihnachtszeit.

„Wir haben seit Mai jede Menge Reaktionen bekommen“, weiß Stadtmarketingchef Christoph Schneider, der mit seiner Idee sozusagen zum Vater von Alan & Co. wurde. Die Hennigsdorfer seien begeistert von der neuen Sauberkeits-Truppe. So begeistert, dass bereits einige der buntbedruckten Papierkörbe gestohlen wurden. „Manche möchten die wohl zuhause stehen haben“, mutmaßt Schneider.

Auch wenn bereits eine Reihe der Saubermänner und -frauen aufgestellt wurden, entsteht der Eindruck, dass ein Ziel noch immer nicht erreicht wurde: Auf jedem Weg in Hennigsdorf soll alle 250 Meter ein Papierkorb zu finden sein. „Das ist die Theorie, in der Praxis kann das schon mal abweichen“, erläutert Schneider. Im vorigen Jahr sind 100 Abfallbehälter angeschafft worden. 25 wurden gegen alte Papierkörbe ausgetauscht, mit den anderen 75 wurden Lücken im Abfall-Netz geschlossen.

Vorrangig bedacht wurden die Bereiche in der Stadt, die neu gestaltet wurden. Dazu zählt Schneider die Marwitzer Straße und den Heideweg. Auch der Postplatz wurde neu mit Papierkörben bestückt. Allerdings halten sich hier hartnäckig einige Relikte, die mehr als unansehnlich sind. An den Haltestellen des Busbahnhofs befinden sich auch nach dessen Umbau noch immer Metallbehälter, die extrem abgenutzt und schmutzig wirken. Der Stadtmarketing-Chef verspricht: „Deren Standorte sind im Austauschprogramm mit drin.“

Im Januar und Februar werden weitere 100 Papierkörbe geliefert, jeder vierte erhält einen neuen Standort. Doch die Stadt lässt sich die Sauberkeits-Kampagne noch mehr kosten. „Eigentlich wollten wir die vorhandenen 300 Müllbehälter nur reparieren und mit den neuen Aufdrucken versehen lassen. Aber der Aufwand dafür ist viel zu teuer“, musste der Marketing-Experte feststellen. „Die Papierkörbe sind eingebeult oder zerkratzt, oft sind die Schlösser kaputt. Außerdem sind viele schon über 20 Jahre alt“, begründet Schneider die Entscheidung, alle Behälter durch neue zu ersetzen. Geschehen soll das sukzessive bis 2021. Dafür muss natürlich auch das Budget aufgestockt werden. Für je 100 Abfallkörbe sind rund 20 000 Euro nötig. Dazu kommen noch die Kosten für die Leerung der Behälter und die Entsorgung des Mülls, die pro Standort jährlich etwa 100 Euro betragen. Viel Geld, könnte mancher meinen. Andererseits: Die Stadt könnte dadurch erheblich sauberer werden. Irmtraud Pelzl, die sich in der Hennigsdorfer Ortsgruppe des Naturschutzbundes engagiert, weiß das Engagement der Mitarbeiter des Stadtservices sehr zu schätzen: „Ich bin vor fünf Jahren von Berlin hierher gezogen. Ich bin sehr glücklich darüber, wie sauber die Stadt gehalten wird. Die dafür zuständigen Mitarbeiter geben sich die allergrößte Mühe.“

Die Idee, den Papierkörben Gesichter und eine Story zu geben, hat sich die Stadt Hennigsdorf übrigens beim in München ansässigen Deutschen Marken- und Patentamt patentieren lassen. Bisher gibt es allerdings noch keine Nachahmer. Lediglich im Regionalen Wachstumskern OHV haben die beteiligten Städte Velten und Oranienburg das Projekt mit Interesse verfolgt, sagt Schneider. Er räumt allerdings auch ein: „Es klang aber nicht so, als ob dort die Idee kopiert werden soll.“

Gegen den Müll

■ Die Antimüll-Kampagne wurde im Mai 2018 gestartet. Schon zwei Jahre zuvor war bei einer Umfrage auf der Facebook-Seite „Hennigsdorf verbindet“ die Kritik an zu wenig Papierkörben aufgekommen.

■ Anfangs sahen die Verwaltung und die Mehrheit der Abgeordneten keinen Grund zu handeln. Das hat sich geändert. Jetzt wird das Budget für neue Papierkörbe und mehr Standorte sogar aufgestockt.⇥(rol)

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