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Naturschutz
Nabu kritisiert Laubaktion

Roland Becker / 09.01.2019, 18:33 Uhr
Hennigsdorf (MOZ) Sauber wirken Hennigsdorfs Parkanlagen. Zu sauber für den Naturschutzbund (Nabu). Deren Vertreter kritisieren, dass der Stadtservice zu gründlich ist. Das Laub in den Grünanlagen werde benötigt, um neuen Humus bilden zu können. Zudem bietet es Unterschlupf und Nahrung.

Nachdem der Stadtservice schon im Herbst ganze Arbeit geleistet hatte, um das Laub von Straßen und Wegen zu beseitigen, legen die Mitarbeiter jetzt noch eine Schippe drauf. Nun werden mit Laubpustern in den Parks die letzten Blätter unter den Büschen hervorgeholt. Anfang der Woche war der Rathenaupark dran.

Man kann sich über so viel Ordnung und Sauberkeit freuen. Die Mitglieder des Nabu Oberhavel tun das nicht. „Es ist sinnvoll, die Blätter unter Büschen liegen zu lassen“, rät Hans-Werner Schmidt, der die Hennigsdorfer Nabu-Gruppe leitet. Kleinlebewesen biete der Blätterteppich Schutz vor Kälte. Deren Verstecke wüssten wiederum Vögel wie die Amsel zu schätzen. „Die drehen die Blätter auf der Suche nach Nahrung um“, weiß er. Käfer und Regenwürmer würden zudem den Zersetzungsprozess des Laubs befördern und damit einen Beitrag leisten, dass sich daraus neuer Humus bildet.

„Das haben wir schon in der Schule gelernt, dass unter Hecken und Bäumen das Laub liegenbleiben soll“, unterstützt ihn Nabu-Mitstreiterin Irmtraud Pelzl. Die Hennigsdorferin verweist darauf, dass die Laubschicht nicht nur im Winter ihre Dienste leistet, sondern auch im Frühling: „Wenn Amseln und andere Vögel ihren Nachwuchs aufziehen, brauchen sie die dort zu findende tierische Nahrung als Einweißquelle.“ Das Laub beherberge Bakterien und Pilze, die den Zersetzungsprozess anstoßen. „Mit der Lupe kann man da Milben und Springschwänze finden“, sagt sie. Schnecken, Asseln und Tausendfüßler fressen Löcher in die Blätter, um deren Zerfall zu beschleunigen. Bis sie im Schnabel eines Vogels landen. Lasse man dem Blätter-Dschungel genügend Zeit, „entwickelt sich daraus guter krümeliger Boden“, weiß sie. Wenn Pelzl über die Stadtservice-Truppe sagt, „Ich sehe, wie fleißig die sind“, schwingt darin etwas Ironie mit. Ihr Rat an die Stadt: „Das muss liegenbleiben! Ich weiß aber nicht, ob man sich dort was sagen lässt.“ Getestet hat sie das noch nicht.

Sylvia Schubert ist beim Stadtservice die Chefin für Grünflächen. Sie bestätigt, dass in diesen Wochen in einigen Parks gründlich geputzt wurde. Im Gegensatz zu den Nabu-Experten argumentiert sie, dass sich das Laub nicht völlig zersetzt. „Alle drei Jahre holen wir das mal raus“, erläutert sie den Turnus für den Rathenaupark. In anderen Anlagen wie am Kapp-Putsch-Denkmal nahe des Rathauses sei das sogar häufiger der Fall. Und sie hat noch ein Argument bei der Hand: „Das Laub weht hin und her und landet nach einem Sturm wieder auf den Gehwegen.“ Außerdem handele der Stadtservice genau nach den Vorgaben des Auftragsgebers, also der Stadt. In einem Leistungsverzeichnis sei genau festgelegt, in welchem Rhythmus wo welche Arbeiten zu erledigen sind.

Nicht jeder Hennigsdorfer hat dafür Verständnis. Zum Beispiel Andreas Schilling. Der meint, dass es wichtiger sei, zum Beispiel endlich das nasse Laub in der Karl-Marx-Straße zu kehren. Beim Stadtservice sei seine Bitte ignoriert worden. Erst nach einem Hinweis ans Rathaus kündeten nun Halteverbotsschilder von einer anstehenden Putzaktion.

Amsel-Bestand

■ Bei der „Stunde der Wintervögel“ am vorigen Wochenende rangierte die Amsel deutschlandweit, aber auch in Brandenburg und Oberhavel auf Platz 5. Während in Deutschland der gezählte Bestand um 13 Prozent zurückgegangen ist, legte er in Brandenburg und Oberhavel um je vier Prozent zu. Die Zählrekorde von 2015 bis 2017 wurden aber nicht erreicht.

■ In Brandenburg zählten die Vogelfreunde 8 154 Amseln, in Oberhavel kamen sie auf 966 Exemplare.⇥(rol)

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