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Rekordjahr
Woba investiert 26 Millionen Euro

Friedhelm Brennecke / 22.01.2019, 13:30 Uhr
Oranienburg (MOZ) Es ist das bisher größte Wohnungsbauvorhaben, mit dem die Woba dieses Jahr in der Weißen Stadt beginnt. Rund 70 Millionen Euro will die städtische Gesellschaft dort investieren. 26 Millionen Euro steckt das Unternehmen allein 2019 in Neubau und Bestandssanierung .

Im März sollen die Tiefbauarbeiten für den ersten Gebäudekomplex mit 80 Wohneinheiten an der Emil-Büge-Straße, die parallel zur Walther-Bothe-Straße verläuft, starten. Das Projekt wird vom Land mit rund 14 Millionen Euro gefördert. Danach stellt sie der soziale Wohnungsbau wie folgt dar: Für 30 Wohnungen ist die Miete mit 5,50 Euro und für weitere 30 mit sieben Euro pro Quadratmeter festgeschrieben. Der Rest ist freifinanziert. Mieter der verbleibenden 20 Wohnungen müssen also tiefer in die Tasche greifen.

„Bei den heutigen Standards ist es praktisch unmöglich, für zehn Euro/ pro Quadratmeter zu bauen“, sagt Woba-Geschäftsführer Bernd Jarczewski. Deswegen ist er froh, dass die Kredite des Landes in Höhe von 12,1 Millionen Euro für 25 Jahre zinsfrei sind und weitere 1,9 Millionen Euro als Zuschuss für den sozialen Wohnungsbau bereitgestellt wurden. Ein ganz erheblicher Teil der Investitionssumme stammt überdies aus Eigenmitteln der Woba.

Auf allein 19 Millionen Euro ist der erste Abschnitt des größten Bauvorhabens in der Geschichte der Woba kalkuliert. Rund eine Million Euro sind davon für die Beseitigung von Altlasten auf dem ehemaligen Kasernengelände der Roten Armee sowie für die Bodenverdichtung vorgesehen. Das Gelände gleicht nach der Bombensuche derzeit einem Schweizer Käse. Um die nötige Standfestigkeit für die Neubauten zu gewährleisten, kommt unter anderem ein Rüttelstopfverfahren zum Einsatz, das die Tragfähigkeit des Bodens erhöht. Die Neubauten haben in Richtung Walther-Bothe-Straße vier und in Richtung Einfamilienhaussiedlung an der Johannes-Rau-Straße drei Geschosse.

Rund 1,5 Millionen Euro plant die Woba außerdem für den Ausbau der Stichstraßen ein, die von Emil-Büge-Straße direkt vor die Neubauten führen. Auch diese Stichstraßen tragen den Namen Erich Büges. Büge war KZ-Häftling in Sachsenhausen und dort als Hilfskraft in der Kommandantur beschäftigt. Dabei fertigte er heimlich Abschriften von Akten an, die die Willkür und Brutalität der SS und Gestapo dokumentieren.

„Es ist sehr sportlich. Unser Ziel bleibt es aber, dass die ersten Mieter Weihnachten 2020 in ihre neuen Wohnungen einziehen können“, sagen Bernd Jarczewski und Woba-Prokuristin Birgit Wehner. Nächstes Jahr soll auch der zweite Bauabschnitt mit 60 weiteren neuen Wohnungen in Angriff genommen werden. Der dritte Bauabschnitt folgt dann ein Jahr später wiederum mit 80 neuen Wohnungen und schließlich der vierte Abschnitt mit nochmals voraussichtlich ebenfalls 80 Wohneinheiten.

Die Weiße Stadt ist dieses Jahr nicht das einzige Areal in Oranienburg, auf dem die Woba Baupläne hat. Nachdem auf dem Grundstück Gartenstraße 4 das Integrationshaus entstanden ist, alle 22 Wohnungen vermietet sind und es durch den Märkischen Sozialverein dort Betreuungs- und Beratungsangebote gibt, nimmt die Woba nun das gegenüberliegende Grundstück Gartenstraße 14 ins Visier. „Dort wollen wir zwei weitgehend energieautarke Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 17 Wohnungen errichten“, kündigt Jarczewski an. Strom und Wärme sollen dabei zu 70 Prozent aus Sonnenenergie gewonnen werden.

„Mit dem ,Sonnenhaus’ wollen wir zeigen, dass uns Klimaschutz und Energieeinsparung am Herzen liegen und wir wollen damit Vorreiter in der Region werden“, sagt der Woba-Chef. Die Energiekosten des „Sonnenhauses“ sollen rund 60 Prozent unter denen eines Hauses mit Passiv-Standard liegen. Baubeginn für das 3,5-Millionen-Euro-Vorhaben wird noch in diesem Frühjahr sein. Ein Jahr später sollen die Wohnungen bezugsfertig sein.

Bei allen Neubauvorhaben kommt aber auch die Bestandssanierung bei der Woba nicht zu kurz. Größter Brocken war dabei im vorigen Jahr der Block in den Gartenstraße 2a bis 3c. Vor allem die neuen, knapp zehn Quadratmeter großen Balkone sind nicht nur ein Hingucker auf der Südseite des Gebäuderiegels. „Damit und mit den Aufzügen für alle Aufgänge haben wir die Lebensqualität deutlich erhöht“, ist Birgit Wehner überzeugt. Natürlich gab es auch Veränderungen  bei einigen Wohnungszuschnitten, sind Fassaden gedämmt, Versorgungsstränge erneuert worden. Rund sechs Millionen Euro wandte die Woba dafür auf. Restarbeiten finden dort ebenso noch statt wie in der Kanalstraße 54 bis 57, wo sich die Anbauten der neuen Balkone länger als geplant hingezogen haben.

In der Altstadt nimmt sich die Woba dieses Jahr den Block an der Kremmener Straße  1 bis 1f vor. Die Gespräche mit den Mietern haben bereits stattgefunden. Auch dort werden Auszüge eingebaut und Grundrisse verändert. Bunte Fassaden wie schon in der Erich-Mühsam-Straße erhalten unter anderem die Woba-Häuser in der Rudolf-Grosse-Straße in diesem Jahr.

Wohnungsbaugesellschaft Oranienburg

■ 3 665 Wohn- und 75 Gewerbeeinheiten nennt die Woba derzeit ihr eigen. 70 Wohneinheiten verwaltet das städtische Unternehmen für andere Eigentümer.

■  Zu Jahresbeginn hat die Woba die Mieten in ihren Häusern seit zehn Jahren erstmals flächendeckend zwischen fünf und 15 Prozent erhöht. Grund sind die gestiegenen Instandsetzungs- und Baukosten.

■ Selbst danach ist die Durchschnittsmiete mit 5,25 Euro noch immer recht moderat. Sie liegt in der Region bereits bei 5,60 Euro. Die höchsten Mieten von zwölf Euro fallen in den Woba-Stadtvillen an der Havel an.

■  Das Durchschnittsalter der Woba-Mieter beträgt 55 Jahre. Nur elf Prozent der Mieter sind jünger als 30 Jahre, 70 Prozent aber älter als 40 Jahre.⇥(bren)

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