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Polizei warnt
Mit neuem Betrugstrick Hennigsdorfer Renter bestohlen

Der Schreck kommt danach: Rentner fallen auf immer wieder neu erdachte Tricks herein.
Der Schreck kommt danach: Rentner fallen auf immer wieder neu erdachte Tricks herein. © Foto: dpa
Roland Becker / 07.02.2019, 19:01 Uhr - Aktualisiert 08.02.2019, 13:10
Hennigsdorf (MOZ) Zwei dieser Zeitung bekannte Fälle deuten darauf hin, dass bislang Unbekannte mit einem neuen Trick versuchen, das Vertrauen älterer Menschen zu gewinnen, um sie dann zu betrügen oder zu bestehlen.

Jürgen Eibisch wollte am Montag dieser Woche gerade sein Fahrrad in Höhe der Sparkasse über die Fontanestraße schieben, als ein Wagen neben ihm hielt und ihm jemand aus dem Fenster zurief: „Wir kennen uns doch! Wie geht es dir?“ Der 78-Jährige reagierte intuitiv richtig. „Nein, ich kenne dich nicht“, sagte er. Nach einigen unverbindlichen Sätzen habe der Mann einen „Schönen Tag!“ gewünscht und sei weitergefahren. Dem Hennigsdorfer wäre diese kleine Episode vielleicht gar nicht verdächtig vorgekommen, wenn dasselbe Auto nicht zwei Stunden später, gegen 13.15 Uhr, wieder neben ihm gehalten hätte. Diesmal im Bereich Watt-/Voltastraße. „Der Mann war wohl von der Sonne geblendet. Jedenfalls hat er erst etwas gesagt, mich dann wohl erkannt, hat gegrüßt und ist dann weitergefahren.“

Jetzt kam dem 78-Jährigen die Episode doch etwas seltsam vor. Er konnte sich merken, dass der Unbekannte in einem silberfarbenen Audi Quatro 3 gesessen habe, der ein italienisches Kennzeichen trug. Teile davon konnte er sich notieren. Nachdenklich gemacht hat ihn die Begegnung deshalb, weil einem Bekannten Ähnliches vor etwa zwei Wochen passiert sei, ebenfalls in Hennigsdorf. Allerdings mit Folgen.

Der 90-jährige Hennigsdorfer bestätigt, ebenfalls aus einem Auto heraus von einem Mann angesprochen worden zu sein. Seinen Namen, der der Redaktion bekannt ist, möchte er nicht in der Zeitung lesen. „Ich habe mich zu sehr geärgert, darauf hereingefallen zu sein“, sagt er zur Begründung.

Auch er habe mit seinem Fahrrad an einer Kreuzung gestanden, in diesem Fall war es die Ecke Park-/Fontanestraße. „Plötzlich steht jemand mit seinem Auto neben mir und spricht mich an, dass wir uns lange nicht gesehen hätten.“ Er habe sich in ein Gespräch verwickeln lassen und sogar zugestimmt, den Mann mit in seine Wohnung zu nehmen. „Ich hätte nie gedacht, dass mir so etwas passiert“, ärgert sich der Hennigsdorfer nachträglich über seine Gutgläubigkeit. Der Unbekannte sei mit seinem Auto hinter ihm hergefahren. Auf dem Rad habe er bereits fieberhaft darüber nachgedacht, wie er den Fremden wieder loswerden könne. Doch statt eine Ausrede zu finden, nahm er den Mann mit in die Wohnung. „Dort hat er aus einer großen Tasche mehrere Jacken ausgepackt und gesagt, dass er Probleme mit dem Zoll bekommen könne und mir deshalb alle Jacken für den Preis von einer verkaufen würde.“ An dieser Stelle wurde es dem Hennigsdorfer doch zu bunt. Auf die Aufforderung „Raus hier!“ habe der Gauner bereitwillig und schnell die Wohnung verlassen.

Dass dieser dabei etwas hat mitgehen lassen, stellte sich erst heraus, als die Ehefrau nach Hause kam. „Ihre Armbanduhr, die zuvor auf einer Kommode gelegen hatte, war nicht mehr da“, berichtet ihr Mann. Die Uhr habe einen Wert von 200 bis 300 Euro. Beschreiben könne er den Mann nicht mehr. Er habe aber sehr gutes Deutsch gesprochen, das nur einen leichten Akzent gehabt hat.

Zur Polizei sei er nicht gegangen. Er habe sich für seine Gutgläubigkeit zu sehr geschämt. Und die Uhr bekomme seine Frau ohnehin nicht zurück.

Bei der Polizei ist diese Betrugsmasche für den Hennigsdorfer Raum und für Oberhavel noch unbekannt, sagte Stefan Rannefeld. Der Sprecher der Polizeidirektion Nord empfiehlt Geschädigten auf jeden Fall, Anzeige zu erstatten. Aber auch ein missglückter Versuch mit dieser Masche könne der Polizei bei ihrer Arbeit helfen und sollte gemeldet werden.

Tipps der Polizei

Polizeisprecher Stefan Rannefeld gibt Tipps zum Umgang mit der neuen Masche:

■ Man solle sich beim plötzlichen Ansprechen nicht aus der Ruhe bringen lassen und nicht zu Kurzschlussreaktionen neigen.

■ Fremde nicht in die Wohnung mitnehmen. Wenn, dann das Gespräch an einem neutralen Ort wie ein Café führen.

■ Gegenfragen stellen: nach gemeinsamen Bekannten, Herkunft oder Schulzeit⇥(rol)

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