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Konzert
Dr. Heilmann spielt im Stadtklubhaus Gitarre

Katja Schrader / 04.03.2019, 06:22 Uhr
Hennigsdorf Die „Sugar-Man“ -Version von Thomas Rühmann klingt nach dem Konzert noch lange nach. Es ist das Finale eines unvergesslichen Samstagabends im Hennigsdorfer Stadtklubhaus. Der Schauspieler, bekannt durch seine Rolle in der MDR-Serie „In aller Freundschaft“, zeigt sich von einer ganz anderen Seite.

„Den Doktor im weißen Kittel werden die Leute hier nicht finden“, sagt Besucherin Astrid aus Berlin.  Sie ist langjähriger Fan des Schauspielers und der Aufführungen des von Rühmann und Tobias Morgenstern gegründeten „Theater am Rand“. Die Gitarre steht dem Vollblutmusiker gut. Mit musikalischer Begleitung von Monika Herold am Bass und Jürgen Ehle von der Band Pankow an der Gitarre erzählt Thomas Rühmann die beeindruckende Geschichte des Musikers Sixto Rodriguez. Lange Zeit hatte man geglaubt, dass der aus Detroit stammende Folkmusiker gestorben sei. Zwei Alben hatte er in den 1970er-Jahren aufgenommen, beide blieben in den USA erfolglos. Doch Rodriguez lebt. Er wohnt in einfachen Verhältnissen und hält seine Familie mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Er ahnt nicht, dass er in Südafrika ein Star ist, seine Musik dort für den Widerstand gegen die Apartheid steht. Populär wurde er dort durch Raubkopien seiner Alben.  Zwei Rodriguez-Fans machen sich in den späten 1990er-Jahren auf die Suche nach dem totgesagten Idol und finden ihn in Detroit. „Sie hatten einen Toten gesucht und einen Lebenden gefunden“, sagt Thomas Rühmann. 1998 tritt Rodriguez in einer Reihe von Konzerten vor tausenden Fans auf. Noch immer lebe er in dem selben Haus wie vor 40 Jahren. „Die Geschichte ist wahr, fast wahr“, klärt Rühmann auf. Der Besuch von Rodriguez in der Oderberger Straße und bei Wolf Biermann sei natürlich erfunden.

Dieser Abend ist mehr als ein Konzert. Ein Monolog, der unter die Haut geht, und Musik voller Energie, Kraft und Melancholie macht ihn zu einer dramaturgisch ausgefeilten Inszenierung. Bilder entstehen und während der gekonnt interpretierten Stücke will man aufstehen und sich bewegen, tanzen. Folk trifft auf Blues, Liedermacherpoesie auf Ostrock.

Rühmann teilt die Musik in zwei Kategorien. Vor der Pause gibt es „Falsche Lieder“:  Texte bekannter deutscher Dichter werden mit der Musik von Rodriguez auf gekonnte Weise verwoben. „Wir bringen zusammen, was nicht zusammen gehört“, sagt Rühmann.  Nach der Pause spielt das Trio die sogenannten „Richtigen Lieder“. Poetische Stücke um Liebe und Leben,  komponiert von Rühmann und Band mit Songtexten befreundeter Dichter.

„Was man hier sieht, ist so inspirierend. Er macht es auf eine ganz eigene Art und Weise, und er nimmt mich so mit“, sagt Astrid aus Berlin. Die Fernsehserie habe sie nie gesehen. Für sie ist Rühmann Musiker und Bühnenschauspieler. Die Freundinnen Sabine, Carola und Ingrid aus Velten sind dagegen gekommen, weil sie sich auch auf ihren Dr. Heilmann aus der Sachsenklinik gefreut haben. „Ich finde es interessant, was für eine andere Seite er hat“, sagt Ingrid. Ihr gefallen die fantasievollen, kritischen Texte. „Der Mann ist nicht unattraktiv“, schwärmt sie noch und erhält die Zustimmung ihrer Freundinnen.

Dass es schade wäre, die musikalische Seite des TV-bekannten Schauspielers nicht kennenzulernen, darüber scheint sich das Publikum einig zu sein. Am Ende bedankt es sich bei Thomas Rühmann mit stehenden Ovationen. Und dennoch freut sich Ingrid schon, ihm wie jeden Dienstagabend im weißen Kittel als Dr. Heilmann im Fernseher ihres Wohnzimmers zu begegnen.

Theaterleiter

■ Thomas Rühmann wurde 1955 in Osterburg (Altmark) geboren. Er studierte zunächst Journalistik in Leipzig, als ihn ein Freund zu einer Theatervorstellung mitnahm. Das gefiel ihm offenbar so sehr, dass er selber spielen wollte. An der Leipziger Studentenbühne übernahm er die erste Rolle. Darauf folgte eine dreijährige Ausbildung an der Hochschule „Ernst-Busch“. Während des Studiums spielte Rühmann am Berliner Ensemble. 1982 bekam er ein Engagement im Maxim-Gorki-Theater, wo er zwölf Jahre lang spielte.

■ Seit 1995 arbeitet Rühmann freischaffend, vor allem für das Fernsehen. Seit Beginn der erfolgreichen MDR-Serie „In aller Freundschaft“ im Jahr 1998 spielt er dort die Rolle des Dr. Roland Heilmann. Mit Akkordeonist Tobias Morgenstern betreibt Rühmann das „Theater am Rand“ in Zollbrücke im Oderbruch. Ein wichtiger Teil seines künstlerischen Schaffens ist die Arbeit als Sänger und Gitarrist in verschiedenen musikalischen Projekten.

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