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Trotz Protesten
Hausmeister vor die Tür gesetzt

Auch Solidaritätsbekundungen halfen nicht: Dirk Piepenhagen wurde nach zwei Jahren als Hausmeister der Albert-Schweitzer-Oberschule nicht in eine Festanstellung übernommen. Daran änderten auch Unterschriftenlisten von Lehrern und Schülern nichts.
Auch Solidaritätsbekundungen halfen nicht: Dirk Piepenhagen wurde nach zwei Jahren als Hausmeister der Albert-Schweitzer-Oberschule nicht in eine Festanstellung übernommen. Daran änderten auch Unterschriftenlisten von Lehrern und Schülern nichts. © Foto: Roland Becker
Roland Becker / 12.03.2019, 11:30 Uhr
Hennigsdorf (MOZ) "Die Arbeit der Hausmeister ist eine verantwortungsvolle Tätigkeit, für die es gilt, auf einem durch Mangel gekennzeichneten Fachkräftemarkt entsprechende Mitarbeiter zu finden", meint Bürgermeister Thomas Günther (SPD). Dennoch wurde einem Hausmeister die Festanstellung verweigert.

Dirk Piepenhagen hat genau diese Arbeit in der Albert-Schweitzer-Oberschule gern gemacht. Und glaubt man ihm, dann auch zur Zufriedenheit. Der Bürgermeister möchte dem nicht widersprechen. Und dennoch endete Piepenhagens Anstellung nach zwei Jahren.

Zum 1. November 2016 hatte Piepenhagen den Job angetreten, offiziell als Technischer Mitarbeiter. Obwohl der Bürgermeister die schwierige Suche nach Fachkräften erwähnt, wurden zumindest bis dato Hausmeister für zwei Jahre befristet eingestellt. Die Stadt begründet dies damit, dass "eine längere Einarbeitungszeit" erforderlich ist. Dabei ist im Arbeitsvertrag ohnehin eine Probezeit von sechs Monaten vereinbart. Piepenhagen sagt, ihm sei bei der Einstellung mündlich zugesichert worden, nach zwei Jahren fest angestellt zu werden. Dieser Eindruck bestätigte sich beim Mitarbeitergespräch ein Jahr später, als die für Schulen zuständige Fachdienstleiterin Angela Minge keinerlei Kritik geäußert habe. Als ihm mit Minges Unterschrift auch zwei Urlaubstage gewährt wurden, die nach dem Ende des zweijährigen Vertrags lagen, ging er von der Übernahme fest aus.

Diese Sicherheit wischte die Fachdienstleiterin mit einem Satz weg. Das nächste Mitarbeitergespräch am 17. Juli 2018 soll Minge mit dem Satz beendet haben: "Ich möchte Ihren Arbeitsvertrag nicht verlängern." Gründe dafür, so Piepenhagen, habe sie nicht genannt. Dem widerspricht der Bürgermeister; allerdings erst auf Nachfrage, da im ersten Antwortschreiben die Frage unbeantwortet geblieben war: "Die Gründe wurden in diesem Gespräch benannt." Obwohl Piepenhagen Günther die Erlaubnis erteilt hatte, gegenüber dieser Zeitung zu den Umständen der verweigerten Übernahme detailliert zu sprechen, lehnte dieser das ab: "Verständlich ist sicher auch, dass die Stadt Hennigsdorf (...) persönliche Belange nicht in der Öffentlichkeit auswerten kann und will." Damit entspreche man dem Datenschutz und dem Schutz auch ehemaliger Beschäftigter. Das hindert Günther in seinem Antwortschreiben allerdings nicht, einen Piepenhagens Privatleben betreffenden Umstand zu verkünden: "Herr Piepenhagen befindet sich wieder in einem neuen beruflichen Umfeld." Dieser bestätigt, seit Januar die Cafeteria des Puschkin-Gymnasiums zu betreiben. Im Gegensatz zum Mitarbeitergespräch 2017 sei ihm das Protokoll des zweiten Gesprächs nicht ausgehändigt worden

Bis heute grübelt Piepenhagen, weshalb ihm die Übernahme verweigert wurde. Liegt der Grund im Arbeitsunfall vom 26. April 2018? Damals habe er sich einen Armmuskel gerissen, als er mit einem Ein-Euro-Jobber einen Kühlschrank schleppte. Dadurch sei er mehrere Monate krank geschrieben gewesen.

Er erinnert sich auch daran, dass Minge im Sommer 2017 einmal gesagt habe: "Sind Sie überfordert? Der Rasen ist ganz schön hoch!" Das sei zu der Zeit gewesen, als er nach dem Jahrhundert-Regen helfen musste, das Kellergeschoss der Biber-Grundschule auszupumpen.

Dass Piepenhagen nicht weiter in der Schweitzer-Schule arbeiten durfte, rief Lehrer und Schüler auf den Plan. Ein Lehrer verfasste einen Brief, den 28 Kollegen unterzeichneten. Im Protest der Lehrer heißt es: "Er hat stets für jedes Problem, die Schule betreffend, ein offenes Ohr und findet eine Lösung! (...) Die Entscheidung der Stadt ist völlig unverständlich und nicht nachvollziehbar. Wir wollen ihn weiterhin als Hausmeister behalten." Auch Schüler sammelten in zwei Tagen 127 Unterschriften.

Laut Piepenhagen habe ein Lehrer den Brief mit den Listen und einem Anschreiben an den Bürgermeister im Rathaus mit der Bitte abgegeben, ihn dem Rathaus-Chef zuzuleiten. Laut Günther habe das Schreiben im Hausbriefkasten gesteckt. "Die Unterschriftenliste enthielt weder Absender noch Anschreiben und wurde entsprechend zur Kenntnis genommen", schreibt er. Und er bezweifelt den Sinn solcher Aktionen: "Zudem stellt sich die Frage, ob es im Interesse von Beschäftigten und Arbeitgeber sein kann, den Abschluss von Arbeitsverhältnissen durch Dritte wesentlich beeinflussen beziehungsweise entscheiden zu lassen?"

Piepenhagen erzählt, dass  Schüler, die ihn treffen, noch immer fragen, wann er wiederkäme. Das würde er liebend gern tun. Doch der Weg zurück scheint abgeschnitten. Der Bürgermeister formuliert es so: "Sollte Herr Piepenhagen nochmaligen Gesprächsbedarf haben, stehen die zuständigen Mitarbeiter (...) für ein persönliches Gespräch zur Verfügung." Gesprächsbereitschaft seinerseits erwähnt er nicht.

Einzelentscheidung

■ Die Stadt Hennigsdorf beschäftigt derzeit 23 Hausmeister, davon sind 21 fest angestellt.

■ "Die Ausschlussgründe für die Nichtübernahme in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis sind daher vielfältig und individuell. Es ist in jedem Fall immer eine verantwortungsvolle Einzelentscheidung", erläuterte der Bürgermeister auf Nachfrage.⇥(rol)

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