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Baumschutz
Philipp Niepalla ist Oberkrämers erster Baumbeauftragter

Marco Winkler / 15.04.2019, 18:38 Uhr - Aktualisiert 16.04.2019, 11:39
Oberkrämer (MOZ) Selbst im Urlaub, beim Radfahren, Kajaken oder Wandern, muss er manchmal anhalten und einen Baum umkreisen, gedanklich die Daten über seinen Zustand notieren. "Ich kann einfach nicht wegschauen", sagt Philipp Niepalla. Der 28-jährige ist Oberkrämers erster Baumbeauftragter. Seine offizielle Bezeichnung: Sachbearbeiter für Baumschutz.

Einen Vorgänger gab es nicht. Verwaltungsmitarbeiter hätten nebenbei ein Auge auf den Baumbestand der Gemeinde und dessen Zustand geworfen. Als der Gemeinde klar wurde, dass ein umfangreiches Baumkataster nötig ist, arbeitete der gelernte Forstwirt Philipp Niepalla im Bauhof. Als die neue Stelle ausgeschrieben wurde, bewarb er sich. Im September 2018 trat er die Arbeit an. "Oberste Priorität hat, dass alle Bäume verkehrssicher sind", erklärt er. Um seinen Job ausführen zu können, hat er sich als Baumkontrolleur und Sachkundiger für Baum-Habitatsstrukturen zertifizieren lassen. Sein Ziel ist, den Baumbestand nachhaltig zu pflegen. "Jeder Baum ist artspezifisch einmalig und braucht eine individuelle Pflege."

Ultraschall fürs Gehölz

Er nimmt sämtliche Bäume der Gemeinde auf. Seit Anfang des Jahres werden sie in ein elektronisches Kataster eingetragen: Art, Ort mit GPS-Daten, Ergebnisse der systematischen Baumkontrolle. Fachbegriff dafür: VTA-Methode. Das "Visual Tree Assessment" ist die Begutachtung mit dem Auge. "Nur wenn es explizite Verdachtsmomente gibt, kommt ein Ultraschall zum Einsatz, oder es wird mit einem Widerstandsmessgerät in den Baum gebohrt." Meistens reiche aber sein fachkundiger Blick. Er klopft jeden Stamm mit dem Hammer nach hohlen Stellen oder Innenschäden ab, schneidet nach einem Verkehrsunfall zerstörte Rinde mit dem Splintmesser glatt, damit der Baum diese Wunden besser heilen (Fachwort: überwallen) kann, sucht die Krone nach Pilzen ab. Alle Auffälligkeiten werden eingestuft. "Ich lege dann fest, ob Handlungsbedarf besteht", sagt Philipp Niepalla. Er ist dafür zuständig, dass die Baumkletterer – externe Firmen – totes Geäst entfernen oder den Baumschnitt vornehmen. Die Gemeinde hat für Baumpflege und Fällungen in diesem Jahr 50 000 Euro eingestellt, für Baumpflanzungen 20 000 Euro und für weiterführende Untersuchungen durch Sachverständige 3 500 Euro. Damit sei die Gemeinde auf einem guten Weg, so Niepalla.

Seine Arbeit ist zeitintensiv. Bis auf die Sprechzeiten sei er meist unterwegs und begutachte systematisch die Bäume. "Vehlefanz und Neu-Vehlefanz sind komplett erfasst", sagt er. Fünf Ortsteile liegen noch vor ihm. Pro Baum brauche er rund zehn Minuten. Die meist noch kahlen Bäumen bieten einen Vorteil: "Man sieht Höhlungen und Astausbrüche besser." Wenn das Laub in voller Pracht an den Gewächsen zu sehen ist, würden dafür Stellen mit Totholz eher ins Auge springen. "Ich habe mir vorgenommen, jeden Baum einmal belaubt und einmal ohne Laub anzusehen."

Wenn Philipp Niepalla mit seinen Gerätschaften unterwegs ist, kommt er ins Gespräch. Häufige Frage: "Warum wollen Sie diesen Baum fällen?" Doch der Forstwirt kann meist schnell Entwarnung geben. "Bisher ist die Resonanz sehr positiv", sagt er über seine Arbeit. In der Gemeinde gebe es wunderschöne alte Bäume. Einige wenige sind sogar Naturdenkmäler. "Den alten Bestand in der Gemeinde möchte ich so lange wie möglich erhalten." Akute Entscheidungen musste er bisher nicht treffen. Aber das Alter der Bäume hin oder her – "Wenn die Verkehrssicherheit bedroht ist, muss der Baum leider weg."

Geschätzte 5000 Bäume

Philipp Niepalla, der grob schätzt, dass im Kataster vielleicht einmal um die 5 000.Exemplare gelistet sein werden, betrachtet vor allem Nadel- und Laubbäume. Obstbäume gehören meist nicht dazu. "Es sei denn, sie stehen direkt am Straßenrand. Ansonsten sind sie nicht verkehrssicherheitsrelevant." Ein bisschen Detektivarbeit gehört zu seinem Job in der Natur dazu. So sind zwar Kreis und Land für ihre Bäume verantwortlich. Aber im Wald ist wegen eher schlechter Luftbilder nicht immer ersichtlich, ob die Bäume der Gemeinde oder der Forst gehören.

Eine andere Zuständigkeit ist klar geregelt: Bäume auf Privatgrundstücken sind Angelegenheit der Eigentümer. Allerdings bescheinigt der junge Baumbeauftragte aus Dallgow-Döberitz die Fällanträge. "Vorher fahre ich aber noch einmal raus und gucke mir den Baum genau an", sagt er. Er kann einfach nicht wegschauen. Philipp Niepalla hat seine Berufung gefunden.

Von der Ostsee über Velten, Hennigsdorf und Schwante bis ins Havelland

Die Sprechstunden von Philipp Niepalla sind immer dienstags von 9 bis 12 sowie von 13 bis 18 Uhr und jeden Donnerstag von 9 bis 12 Uhr.

Seinen Arbeitsplatz hat Oberkrämers Baumbeauftragten in der Gemeindeverwaltung, Perwenitzer Weg 2, in Eichstädt. Zu erreichen ist er unter der Nummer 03304 393223 oder per E-Mail: philipp.niepalla@oberkraemer.de.

An der Ostsee verbrachte Niepalla seine ersten Lebensjahre. Aufgewachsen ist er jedoch nach dem Umzug seiner Eltern in Velten. Dort besuchte er von der dritten bis zur sechsten Klasse die Grundschule Velten-Süd. Anschließend ging er bis zur zehnten Klasse auf die Albert-Schweitzer-Oberschule in Hennigsdorf.

In Neuruppin machte er schließlich sein Fachabitur, in Königs-Wusterhausen ließ er sich zum Forstwirt ausbilden.

Der Stellenabbau in der Forstwirtschaft traf auch ihn. Die Jobsuche gestaltete sich äußerst schwierig. "Also bin ich in die Baumpflege gegangen", sagt der heute 28-Jährige, der 2012 seine Stelle im Bauhof der Gemeinde antrat.

In Schwante wohnte er noch bis 2017. Heute lebt er im Nachbarkreis Havelland in der Gemeinde Dallgow-Döberitz.⇥win

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