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Krise
Geldsorgen, Gerüchte, Lagerbildung – der FC 98 bangt um seine Zukunft

Steffen Kretschmer / 17.05.2019, 13:48 Uhr
Hennigsdorf (Moz) Es fiel ihnen schwer, die richtigen Worte zu finden. Sichtlich ergriffen und mit Tränen in den Augen gab Bastian Klebauschke, Präsident des FC 98 Hennigsdorf, am Donnerstag bekannt, dass die Zukunft der ersten Männermannschaft mehr denn je in den Sternen steht. "Anfang März habe ich mich in einer Mannschaftssitzung gestellt und gesagt, dass wir derzeit ein Defizit im Haushalt haben", sagte Klebauschke. Kurzum: Der Verein kann sich das Landesliga-Team nicht mehr leisten und die Aufwandsentschädigungen für die Spieler nicht zahlen.

Die Finanzlücke klafft dabei schon sehr lange in der Kasse.  "Seit August hat der Präsident wie ein Löwe gekämpft. Deshalb habe ich ein zinsloses Darlehen gegeben, damit die erste Halbserie überbrückt werden konnte. Sonst hätten wir da auch schon nicht zahlen können", sagte Landesliga-Trainer Hans Oertwig. Dafür sei er sehr dankbar, betonte Klebauschke.

Unvorhergesehene Kosten

Dass der FC 98 überhaupt erst in finanzielle Schieflage geraten konnte, begründet der Chef des Vereins mit unvorhergesehenen Kosten und eingeplanten, aber letztlich ausgebliebenen Sponsorengeldern. "Man ist auf Worte und Zusagen, die einem gegeben wurden, angewiesen, bei denen man traurigerweise feststellen musste, dass sie nicht eingehalten wurden."

Die Probleme betreffen den gesamten Verein. Zu spüren bekommt es jedoch nur die erste Männer-Mannschaft. Woanders entsprechende Zahlungen zu kürzen, sei in einem Club mit fast 430 Mitgliedern nicht gewollt. Bastian Klebauschke: "Wenn man auf dieser Ebene ist, wo sich der FC 98 befindet, geht es um Aufwandsentschädigungen der ersten Männer. Wenn man nicht zahlen kann, erhält die erste Mannschaft ihre Entschädigungen nicht, weil der Grundstock und das Gerüst des  Vereins erhalten werden müssen. Dass wir uns dieses Niveau nur zum Teil leisten können, mussten wir nun klar erkennen. Am 9. Februar dieses Jahres saßen wir in einem entscheidenden Gremium zusammen, in dem wir darüber gesprochen haben, dass wir die Erste, so wie gewünscht, nicht mehr bezahlen können. Das war eine sehr unangenehme Situation."

Nöte zermürben Präsidenten

Der Schritt, mit diesem Thema an die Öffentlichkeit zu gehen, war für Bastian Klebauschke kein einfacher. Jedoch der für ihn notwendige und absolut richtige. Denn der Präsident sah darin auch die Chance, entstandenen Gerüchten entgegenzutreten. Denn zuletzt sei es immer wieder zu Aussagen gekommen, dass der Verein auch seinen Jugendtrainer entsprechende Entschädigungen nicht bezahlen könne. Dies sei falsch, so Klebauschke. "Das kränkt mich zutiefst. Sie bekommen ihr Geld." Ebenso sei es zwar einfach, gleichwohl aber auch falsch, dass nun alles auf den Präsidenten zurückfalle. Denn "wir haben im vergangenen Jahr als Vorstand einen Finanzplan für den Verein aufgestellt und diesen gemeinsam beschlossen. Dann mussten wir Anfang dieses Jahres leider feststellen, dass unerwartete Kosten auf uns zukamen und die Zusagen von einigen Sponsoren bisher nicht eingehalten wurden."

Verein ein Haifischbecken

Bastian Klebauschke sprach von einem Haifischbecken FC 98. Als junger Präsident, der er mit 31 Jahren nun mal sei, sei es schwer, zu bestehen. "Jeder kennt Hennigsdorf mit seinen zahlreichen Meinungen und Leuten, die auch hinter dem Rücken ihre Meinungen kundtun. Es gibt hier so viele Gerüchte. Dass diese auf dieser Ebene dazugehören, ist mir völlig bewusst. Sie rauben mir aber die Kraft. Der Verein besteht aus zwei Lagern, und das ist unerträglich. Im Sommer stehen Vorstandswahlen an und es gibt Zankereien. Ich dachte, dass es im Fußball nicht nur auf dem Platz sondern auch neben dem Platz ein Team gibt. Das Gefühl habe ich hier aber überhaupt nicht. Die Situation im Club hängt am seidenen Faden."

Und damit ist nicht nur das Stimmungsbild innerhalb des FC 98, sondern auch die sportliche Zukunft der ersten Mannschaft gemeint. Denn ob es auch weiterhin einen Spielbetrieb in der Fußball-Landesliga geben wird, ist völlig offen. Gespräche mit Spielern wurden noch nicht geführt und eine Entscheidung über die Spielklasse in der Saison 2019/2020 noch nicht gefällt. Trainer Hans Oertwig sagte aber, "dass man manchmal auch einen Schritt zurück machen muss, um vielleicht einen nach vorne gehen zu können. Wenn wir aber jetzt schon sagen, dass wir sowieso zurückziehen, sind dann noch alle zu 100 Prozent dabei?"

Spielklasse ungewiss

Der FC 98 muss sich entscheiden, wo die Reise hingeht. Es ist nicht auszuschließen, dass Hennigsdorf schon bald den tatsächlich von Oertwig angesprochenen Weg nach unten antritt. "Darüber kann ich noch keine Auskunft geben", sagte Klebauschke. "Das wird ein richtungsweisender Sommer für den Verein. Es kann durchaus der Fall sein, dass wir aus der Landesliga zurückziehen."

Schon in den vergangenen Wochen und Monaten veränderte sich der Kader stetig. An die teils starken Leistungen aus der Vorrunde konnte das Team nicht mehr anknüpfen. "Wir mussten mit Sebastian May einen sehr wichtigen Fußballer verkaufen. Damit ging es los", sagte Oertwig am Donnerstag. "Eine solche Situation hatte ich noch nicht in meinem Trainerleben. Es waren harte Monate."

Mannschaft zeigt sich unbeeindruckt

Toni Dietrich trägt in der vierten Saison des FC  98 Hennigsdorf. Dass der ersten Männermannschaft nun bereits der dritte Umbruch in diesem Zeitraum drohe, "ist nicht so schön".

Die Probleme des Vereins waren dem Kapitän und seinen Mitspielern "schon länger bekannt". Kommentieren wolle er diese aber nicht.

Mit der neuen Situation sei die Mannschaft professionell umgegangen. "Wenngleich die jüngsten Ergebnisse nicht dafür sprechen, war die Trainingsbeteiligung immer gut. In den Spielen haben wir alles gegeben."

Vollen Einsatz verspricht der Spielführer auch für die kommenden Wochen. "Wir werden die Saison ganz normal zu Ende spielen. Ich denke, dass alle am Ball bleiben."

Und dann? "Ich hoffe, dass die handelnden Personen die richtigen Schlüsse ziehen."

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