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Freiwillige Feuerwehren
Kameraden geht’s um mehr als ums Geld

Tag und Nacht schnell zur Stelle sind Veltens Brandlöscher. Tagsüber wird aber häufig die benötigte Einsatzstärke nicht erreicht. Das Bild zeigt den Einsatz beim Brand eines Wohnhauses im Januar 2016 in der Rosa-Luxemburg-Straße.
Tag und Nacht schnell zur Stelle sind Veltens Brandlöscher. Tagsüber wird aber häufig die benötigte Einsatzstärke nicht erreicht. Das Bild zeigt den Einsatz beim Brand eines Wohnhauses im Januar 2016 in der Rosa-Luxemburg-Straße. © Foto: Feuerwehr Velten
Roland Becker / 06.06.2019, 19:00 Uhr
Velten (MOZ) Bei einem Treffen in der Veltener Wache wird die neue Entschädigungssatzung gelobt. Doch das Innenministerium wird für fehlendes Engagement an anderer Stelle auch kritisiert.

Wenn es um den Innenminister geht, wird es in Veltens Feuerwehr familiär. "Ich habe noch ein Foto gefunden, als Kalle 2011 zum Tag der offenen Tür hier war", erinnert sich Frank Steinbock, Vorsitzender des Veltener Feuerwehrvereins Florian. Eigentlich sollte Kalle, den andere als Karl-Heinz Schröter kennen, an diesem Mittwochabend wieder in der Feuerwehr sitzen. Steinbock und der SPD-Landtagskandidat Andreas Noack hatten den Minister eingeladen, um praktisch über das zu reden, was im Landtags-Deutsch unter "Die Retterprämie – Ehrenamt stärken" verkauft wird. Wenige Stunden vor dem Treffen musste Schröter allerdings wegen der brenzligen Lage im Waldbrandgebiet bei Jüterbog absagen. Bei den Feuerwehrleuten trifft das an diesem Abend auf vollstes Verständnis.

Dennoch nutzen die wenigen, die die Absage nicht mehr erreichte, die Möglichkeit, darüber zu diskutieren, wie das Ehrenamt in der Feuerwehr gestärkt werden kann. Dabei stellte sich heraus, dass diese, unter den Kameraden Blaulichtprämie genannte, einmalige Jahreszahlung von 200 Euro zwar eine Anerkennung ihrer Leistungen sei. Doch André Haack, Gemeindebrandmeister im Löwenberger Land, wünscht sich mehr: "Ob Geld das Richtige ist? Es geht nicht nur darum, sondern ums Helfen." Im Gespräch stellten sich zwei Probleme heraus, bei denen das Land gefordert sei.

Das Erste: Die freiwilligen Feuerwehren haben massive Probleme, die Tagesbereitschaft zu sichern. Viele Unternehmer seien wenig begeistert, wenn ihre Mitarbeiter vom Dienst zum Einsatz gerufen werden. "Hier müsste die Entschädigung geändert werden", fordert Noack. Bislang sei es so, dass die Kommune dem Arbeitgeber den finanziellen Ausfall erstattet. Bei der steigenden Zahl von Einsätzen seien die Gemeinden aber überfordert, das Land solle einspringen und unbürokratisch für längere Ausfallzeiten entschädigen.

Haack sieht zudem für bestimmte Einsätze andere Institutionen in der Pflicht: "Zum Beseitigen von Ölspuren müsste es eine Straßenbereitschaft geben." Sprich: Die Straßenmeistereien des Landesbetriebs Straßenwesen zum Beispiel sollten diese Aufgabe übernehmen. "Andere kleinere Probleme könnten auch die kommunalen Bauhöfe erledigen", meint Haack.

Es beunruhigt die Kameraden, dass das Land 2018 nach dem Dürresommer und den extremen Waldbränden dahingehend noch nicht reagiert habe, spezielle Technik anzuschaffen. Die jetzigen Brände zeigten, wie unverzichtbar das sei. "Wir brauchen keine 100 Räumpanzer, wir wollen ja nicht in den Krieg ziehen", scherzt Steinbock. Dass aber der einzige erreichbare Panzer dieser Art aus Sachsen-Anhalt angefordert werden müsse und in Privathand sei, stößt auf Unverständnis.

Zur Sprache kommt an diesem Abend zudem der Wunsch, dass hauptamtliche Mitarbeiter der Feuerwehr verbeamtet oder einem Beamtenverhältnis gleichgestellt werden sollten.

Die technische Ausstattung der freiwilligen Wehren wird hingegen durchweg gelobt. "Die ist bei uns eins a und auf dem neuesten Stand", lobt Steinbock.

Was die Veltener Feuerwehr noch nötig hat, wird derzeit gerade untersucht. Für Kosten von knapp 20 000 Euro wird sowohl die technische als auch personelle Ausstattung für die Zukunft auf Herz und Nieren geprüft. Ausgangspunkt dafür waren im vorigen Jahr konträre Meinungen darüber, ob Velten einen vierten Hauptamtlichen in der Feuerwache benötigt. Der damals gefasste Beschluss, die vierte Stelle nur befristet zu besetzen, dürfte bald eine Änderung erfahren. Nach Informationen dieser Zeitung liegt ein fundierter Zwischenbericht vor. Darin soll es heißen, dass diese Stelle in ein dauerhaftes Arbeitsverhältnis umgewandelt werden soll.

Darüber ist vielleicht schon mehr bekannt, wenn Innenminister Schröter dann wirklich in Velten erscheint. Noack verspricht, dass der Termin nur verschoben, nicht aufgehoben sei.

Land will Ehrenamtler entlasten

Mit einem neuen Prämiengesetz will das Land Brandenburg das ehrenamtliche und oft gefährliche Engagement der Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren stärken. Einerseits soll jedes aktive Mitglied pro Jahr eine steuerfreie Aufwandsentschädigung von 200 Euro erhalten. Andererseits soll es zu Jubiläen ab dem zehnten Dienstjahr alle zehn Jahre 500 Euro geben. Stimmt der Landtag dem vom Landeskabinett befürworteten Gesetz zu, soll es rückwirkend zum 1. Januar 2019 gelten.

Novelliert wird auch der Brand- und Katastrophenschutz. Ein im Februar vom Landeskabinett befürworteter Gesetzesentwurf sieht eine Entlastung der Feuerwehren vor. Für technische Hilfeleistungen sollen sie nicht mehr zuständig sein. Dazu zählen das Entfernen von Ölspuren oder das Notöffnen von Türen.

2018 musste Veltens Wehr 34 Ölspuren beseitigen, für die Hennigsdorfer waren es im vorigen Jahr 18 solcher Einsätze. Diese wurden zudem 62 Mal zu Notöffnungen von Türen gerufen. ⇥rol

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