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Kultur
Musikfest auf Schloss und Gut Liebenberg widmet sich Fontane

Heike Weißapfel / 17.08.2019, 10:00 Uhr
Liebenberg (MOZ) Ein weites Feld – die berühmten letzten Worte aus Theodor Fontanes Roman "Effi Briest" geben dem Musikfest 2019 auf Schloss & Gut Liebenberg seinen Titel. Und um Effi Briest geht es auch, zumindest indirekt, um die Themen, die Fontane in seinem Gesellschaftsroman gesetzt hat: Freiheit, Verführung, Musik, Unfreiheit.

Klassische Musik genießen, ohne die ganze Zeit mucksmäuschenstill und ohne zu hüsteln auf einem Stuhl im Konzertsaal zu sitzen? Das geht nicht nur, sondern ist auch eine wunderbar sinnliche Erfahrung, die Elina Albach und Steven Walter vermitteln wollen. Die beiden Künstler von Podium Esslingen kuratieren das Musikprogramm des Festes, das im vergangenen Jahr erstmals den Kulturereignissen in Liebenberg eine neue Ausrichtung gab und diesmal am 24. und 25. August stattfindet. Erneut ist Podium Esslingen damit Partner der DKB-Stiftung.

Zehn junge Künstlerinnen und Künstler aus ganz Europa verbinden den Klang ihrer Instrumente mit den idyllischen, geheimnisvollen und lauschigen Ecken des Schlossparks zu einem einzigartigen Gesamtkunstwerk, einem Genuss für Ohren und Augen. Sie spielen für Erwachsene und für Kinder, und wenn jemand zwischendurch klatschen oder tanzen möchte, soll er sich ruhig auch trauen.

Wandeln, sitzen, liegen

Der Park wird buchstäblich "bespielt". Es gibt Hängematten und eine Schaukelstation. Wer sich in der Mitte des Klangkreises aufhält, stehend oder auf einem Strohballen sitzend, auf dem Liegestuhl oder im Sitzsack, hört die Musik als 360-Grad-Erlebnis.

Effi Briest ist von fern präsent: beim Wandelkonzert mit vier Stationen, unter hohen Baumkronen und im idyllischen Garten. Viele Verknüpfungen zu anderen Frauen entstehen über die dargebotene Musik und Literatur. Denn in ihrer jeweiligen Gesellschaft waren viele ein bisschen Effi. Elina Albach nennt Barbara Strozzi, eine Komponistin im Barock, als eine Vorreiterin. Der Schriftstellerin Virginia Woolf gilt unter anderem das Konzert "Frei und allein", am Sonnabend um 19 Uhr, das mit Robert Schumanns Liedzyklus "Dichterliebe" von Liebe, Freiheit und Sehnsucht handelt. Überall dabei zu sein, ist an beiden Tagen kaum möglich, denn das Rahmenprogramm ist umfangreich, dafür aber so breit gefächert, dass für jeden kulturellen Geschmack etwas dabei sein dürfte. Am Sonntag laden die "Rebel Girls" um 13.30 Uhr Familien zu Musik und Kindergeschichten mit Heldinnen in den Schlosssaal ein. Von barocken Klängen bis zur Trommelmusik reicht die Bandbreite um 15 Uhr in der Feldsteinkirche, wenn drei Musiker das Konzert "Ein weiter Klang" präsentieren. Der isländische Tenor Benedikt Kristjansson, der Südtiroler Schlagzeuger Philipp Lamprecht und Elina Albach nehmen ihre Zuhörer mit in ein musikalisches Spannungsfeld zwischen Freiheit und Zwang, rhythmischem Schlagwerk, anrührenden Volksliedern und barocker Cembalomusik. "Das wird ein sehr besonderes, intimes Konzert", sagt die Cembalistin, der es ohnehin stets musikalisches Anliegen ist, ihr Instrument aus der staubigen Ecke des vermeintlich historischen Klangs zu holen und dafür zu sorgen, dass barocke Musik als lebensnah und -froh erfahren wird.

"Effi Briest Passion" ist das Konzert in der Musikscheune um 17 Uhr überschrieben, in dem es um das Leben, die Liebe und eben die Passion, den Leidensweg, geht. Dabei trifft die Musik von Johann Sebastian Bach und dem zeitgenössischen amerikanischen Komponisten Andy Akiho auf Texte von Effi Briest. Der ganze Raum wird für die Aufführung genutzt – und am Ende stehen Transzendenz und Erlösung.

Vier Poeten von Havel Slam sorgen am Sonnabend für einen raschen dichterischen Schlagabtausch. Für Lesungen am Sonntag haben sich die Kuratoren das Rote Sofa aus der Himmelpforter Mühle ausgeliehen. Dort nehmen die Autoren Rolf Hochhuth und Cornelius Pollmer Platz. Bei einem Sensibilisierungsparcours kann jeder mal kurz seine Wahrnehmung verändern, indem er zum Beispiel eine Schlafbrille oder Lärmschutzkopfhörer aufsetzt. In einem Workshop für die Braille-Blindenschrift lassen sich Zeichen haptisch erfahren.

Kapitel einer Grafic Novel

Alle, die sich von so viel Kunstgenuss einmal erholen wollen, finden leicht und unmittelbar Zugang zu Pénélope Bagieus Grafic Novel "Unerschrocken", lädt Ulrike Eichentopf von der DKB-Stiftung ein. Einige Kapitel des aus dem Französischen übersetzten Comics sind als Ausstellung zu sehen. Auch hier geht es um Träume und Wünsche von Frauen, um Emanzipation und Pioniergeist.

"Die Künstlerinnen und Künstler brennen für das, was sie machen", sagt Elina Albach. "Wir versuchen, die Begeisterung, die wir für die Musik und die Texte haben, rüberzubringen." Den beiden Kuratoren ist ihre eigene Leidenschaft für dieses Musikfest eindeutig vom Gesicht abzulesen. Dass der Funke der Begeisterung beim Musikfest überspringt, davon ist auf jeden Fall auszugehen. Das Publikum sollte vor allem etwas mitbringen, und davon möglichst viel: Zeit.

Kunst in vielen Facetten

Das Musikfest Liebenberg findet am 24. August um 15 Uhr und am 25. August um 11 Uhr auf Schloss & Gut Liebenberg statt. Es richtet sich an die ganze Familie. Konzerte und Klangdarbietungen finden in Sälen und unter freiem Himmel im Schlosspark statt. Die Gäste können sich setzen, hinlegen, schaukeln oder über die Anlage wandeln. Vor, nach und neben der Musik gibt es ein umfangreiches Rahmenprogramm, das sich mit dem gesprochenen Wort ebenso beschäftigt wie mit dem geschriebenen. Zeichen wie die Brailleschrift und Zeichnungen der Grafic Novel runden das Spektrum ab.

Die DKB-Stiftung folgt dabei ihrem Gedanken von kultureller Bildung und Nachwuchsförderung. Die Musikerinnen und Musiker von Podium Esslingen sind: Elina Albach (Cembalo), Martin Klett (Klavier), Diamanda La Berge Dramm (Violine), Johanna Ruppert (Violine), Friedemann Slenczka (Viola), Simone Drescher (Violoncello), Romina Lischka (Viola da Gamba), Philipp Lamprecht (Schlagwerk), Benedikt Kristjansson (Tenor), Marie Luise Werneburg (Sopran), Clara-Marie Pazzini (Sprecherin) und Thomas Halle (Sprecher).

Vieles kann an beiden Tagen bei freiem Eintritt erlebt werden und lädt zum Mitmachen ein. Vier Konzerte sind kostenpflichtig. Wer mehrere besuchen will, zahlt fürs erste 15 Euro, für jedes weitere 5 Euro. Lediglich das Konzert "Ein weiter Klang" in der Feldsteinkirche ist nicht barrierefrei zu erreichen.

Da die Platzzahl in Räumen begrenzt ist, empfiehlt es sich, Tickets im Vorverkauf zu sichern: www.podiumfestival.reservix.de. ⇥hw

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