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Wohnungsbau der Zukunft
Hennigsdorfer Wachstums-Chancen

Roland Becker / 09.09.2019, 22:00 Uhr
Hennigsdorf (MOZ) Es wird ein langer Weg sein, das mit dem jetzt vorliegenden "Masterplan Wohnungsbau Hennigsdorf" gehobene Potenzial Wirklichkeit werden zu lassen. Und vielleicht werden einige der darin aufgeführten Flächen für Mietwohnungen auch nie bebaut werden. Erstmals aber liegt für Hennigsdorf sozusagen eine Art Kataster vor, wie viele Wohnungen an welchen Orten in der Stadt noch entstehen könnten. Dabei erwähnen die Verfasser  – der Masterplan entstand im Rathaus – ausdrücklich, dass die Bebauung einiger Areale unter anderem wegen privater Besitzverhältnisse schwierig und langwierig werden könnte.

Unterm Strich aber handelt es sich um ein ungeahntes Potenzial. Noch Ende 2018 hatte die Stadtverwaltung auf eine Anfrage der SPD nur von etwa einem halben Dutzend potenzieller Flächen mit zusammen nur mehreren hundert Wohnungen gesprochen. Daraufhin regte die SPD im Parlament an, den jetzt vorliegenden Masterplan zu erstellen. Nach gut einem halben Jahr legt die Stadtverwaltung jetzt den im eigenen Haus erarbeiteten Plan vor. Darin heißt es  nun: Hennigsdorf bietet auf 13 Arealen Platz für 1 681 Wohnungen im Geschossbau und drei Gebiete, die den Bau von 105 Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäusern erlauben würden.

Bewertung der Areale

Berücksichtigung fanden nur Flächen, die Platz für mehr als 25 Wohnungen bieten. In jeweils vier Kategorien konnten bis zu zehn Punkte vergeben werden. 1.: Eigentumsverhältnisse, Anzahl der Wohnungen, Art der Bebauung. 2.: Planungs- und Baurecht, Einordnung ins städtebauliche Konzept, 3.: Altlasten, Lärmschutz, Einschränkungen durch Natur und Landschaft. 4.: Entfernungen zu Bahnhof, Zentrum, Bus sowie Kita und Grundschule. Da diese Komplexe eine unterschiedlich schwere Bedeutung haben, wurde die jeweils erreichte Punktzahl verschieden gewichtet. Daraus ergibt sich die Rangfolge.

Die Rangfolge

Die höchste Punktzahl erhält die Wiese an den Hochhäusern mit 8,75 von 10. Es folgen Reinickendorfer Straße (8,7) und August-Burg-Straße (7,25). Am schlechtesten mit 4,45 Punkten schneidet Neubrück ab.

Potenziale für Mietwohnungen

Folgende Freiflächen gibt es: Neubrück 470 Wohnungen, Hochhaus-Wiese (260), Garagenkomplex Parkstraße (180), Garagenkomplex Hradeker Straße (150), Am Rathenaupark (130), Reinickendorfer Straße und Innehof Cohnsches Viertel (je 100), Feld-/Krumme Straße (80), August-Burg- sowie Fabrikstraße 11/Schweitzerstraße 8 (je 60), Garagenkomplex Amper-/Hertzstraße (40), Fontane-/Marwitzer Straße (26) und Am Bahndamm (25).

Wie geht es weiter?

Die Autoren des Masterplans wollen diese Reihenfolge nicht als eine Liste verstanden wissen, die Punkt für Punkt abzuarbeiten ist. Sie weisen aber darauf hin, dass "die hohe Anzahl der Wohneinheiten durchaus die Anstrengungen der Stadt rechtfertigen, diese Flächen als Wohnbauflächen zu entwickeln". Als nächster Schritt wird empfohlen, eine Wohnungsmarktprognose zu erarbeiten. Damit soll geklärt werden, welche Marktsegemente (Größe, Preissegment, Sozialwohnungen, altersgerechter Wohnraum etc.) vor allem fehlen. Damit Hennigsdorf keine Wachstumsschmerzen erleidet, wird empfohlen, den Bedarf an Kita- und Hortplätzen zu ermitteln und Vorsorge zu treffen. Erst danach soll eine Prioritätenliste zur Wohnbebauung aufgestellt werden. Danach können dem Stadtparlament einzelne Bebauungspläne zur Beschlussfassung vorlegen.

Was sagt der Bürgermeister?

"Ich halte den Masterplan Wohnungsbau für eine der wichtigsten Beschlussvorlagen für die weitere Entwicklung der Stadt", unterstrich Thomas Günther (SPD) die Bedeutung des Papiers am Montag gegenüber dieser Zeitung. Ihm sei daran gelegen gewesen, alle größeren Wohnungsbauflächen aufzunehmen, die ohne eine Änderung des Flächennutzungsplanes für eine Bebauung mobilisiert werden können. Zugleich stellte er klar, dass es nicht darum gehe, diese Liste so schnell wie möglich abzuarbeiten: "Das heißt nicht, dass überall gebaut werden muss. Aber in diesen Bereichen bestehen die Voraussetzungen dafür." Auch mit Blick auf die Hochhaus-Wiesen oder die Freifläche der Projektfördergesellschaft PuR (Festwiese an der August-Burg-Straße) unterstrich er: "Ich gehe nicht davon aus, dass alle Potenziale ausgeschöpft werden. Ich hielte das auch nicht für klug."

Wie wird die Politik einbezogen?

Am Donnerstag (öffentliche Sitzung ab 17.30 Uhr im Ratssaal) wird der Bauausschuss den Masterplan diskutieren. Am 24. September soll das Stadtparlament den Plan beschließen. Gibt es dafür eine Mehrheit, wird die Verwaltung die oben skizzierten Schritte in Angriff nehmen. Nur für das Gebiet Rathenaupark existiert bereits ein B-Plan.

Mehr Eigenheime als Mietwohnungen errichtet

Dass Hennigsdorf erheblichen Nachholbedarf beim Angebot von Mietwohnungen hat, beweist der Vollvermietungsstand bei der Genossenschaft WGH und der Wohnungsbaugesellschaft HWB.

Zudem wurde lange Zeit fast ausschließlich auf den Bau von Eigenheimen gesetzt. Zwischen 2014 und 2019 entstanden  oder entstehen gerade 670 Wohnungen. Diese teilen sich in 263 Eigenheime und 407 Mietwohnungen auf. Auf den ersten Blick kommen damit 60 Prozent der Wohnungen der Vermietung zugute, nur 40 Prozent den Eigenheimen.

Die Zahl relativiert sich allerdings, wenn die beiden im Entstehen befindlichen Wohngebiete Fontanehöfe und Schweitzer-Quartier mit 226 Wohnungen herausgerechnet werden. Dann sind seit 2014 erst 251 Mietwohnungen auf den Markt gekommen, und damit weniger als im Eigenheim-Sektor.⇥rol

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