Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Bombardier
Stellt China die Weichen?

Wohin steuert Bombardier? Der Einstieg des chinesischen Staatskonzerns könnte das Unternehmen mittelfristig aufs Nebengleis rangieren. Das Foto zeigte einen  Twindexx-Zug von Bombardier.
Wohin steuert Bombardier? Der Einstieg des chinesischen Staatskonzerns könnte das Unternehmen mittelfristig aufs Nebengleis rangieren. Das Foto zeigte einen Twindexx-Zug von Bombardier. © Foto: Klaus D. Grote
Roland Becker / 11.09.2019, 04:15 Uhr
Hennigsdorf (MOZ) Es waren damals mehr als Gerüchte. Im Frühjahr 2014 tauchten Informationen auf, dass Bombardier mit einem chinesischen Staatskonzern über den Verkauf seiner Bahnsparte verhandele. Auf der Mai-Kundgebung 2014 hatte der Hennigsdorfer Michael Wobst, damals Vorsitzender des deutschlandweiten Gesamtbetriebsrats von Bombardier, diese Gefahr direkt angesprochen. Die damaligen chinesischen Unternehmen CNR und CSR stünden in Verhandlungen mit Bombardier. Im Sommer 2014 meldeten Medien, dass vom chinesischer Seite 7,2 Milliarden Euro geboten worden seien. Doch die Gespräche seien gescheitert.

Danach war es offiziell ruhig geworden um den Einstieg der Chinesen in den europäischen Schienenfahrzeug-Markt. Allerdings gab es immer wieder Anzeichen dafür, dass das nur eine Ruhe vor dem Sturm sein könnte. Vor allem vor dem Hintergrund, dass die beiden chinesischen Unternehmen Mitte 2015 zum Staatskonzern CRRC zusammengeschlossen wurden, rechnete die hiesige Konkurrenz seither mit dem Sprung auf den deutschen Markt. Der ist dem in der Branche weltweit größten Unternehmen nun gelungen. Vorbehaltlich kartellrechtlicher Genehmigungen hat CRRC in Kiel das auf Spezialloks ausgerichtete Werk von Vossloh gekauft.

Unter Beobachtung

Sowohl Bombardier als auch die Gewerkschaft IG Metall verhalten sich hinsichtlich dieser Nachricht auffällig zurückhaltend. CRRC hat ein Umsatzvolumen, dass deutlich über der Gesamtsumme der drei größten europäischen Anbieter – Siemens, Alstom und Bombardier – liegt. "Insofern beobachten wir die Aktivitäten sehr sorgfältig", sagte Olivier Höbel, Bezirksleiter der IG Metall. Und er fügte am Dienstag noch hinzu: "Wir sind nicht gegen Wettbewerb, aber er muss auf Augenhöhe unter Wahrung der Arbeitnehmerinteressen stattfinden."

Ein Branchenkenner aus Oberhavel, der namentlich nicht genannt werden möchte, hält den CRRC-Einstieg "natürlich für problematisch für die deutsche Bahnindustrie". CRRC sei auf dem Weltmarkt sehr aggressiv aufgetreten und habe dank "sehr starker staatlicher Subventionen" finanziell den Rücken frei.

Im Kauf des im Verhältnis kleinen Lokwerks von Vossloh sieht der Experte erst einmal keine Gefahr für Bombardier. Doch dieser so harmlos wirkende Einstieg, so vermutet auch die Fachzeitung Wirtschaftswoche, könne ein ganz bewusst gesetzter Schritt sein, um zu testen, ob man reif ist für den deutschen und europäischen Markt. In dieses Konzept passt, dass CRRC jüngst erstmals einen Auftrag der Deutschen Bahn erhielt. Dabei geht es ausgerechnet um vier Rangierloks. Ein Zufall, dass dessen Bau die Kieler Vossloh-Spezialität ist?

"CRRC geht es weniger um den Umsatz, den dieser Deal mit sich bringt, sondern um die Chance, der Bahnbranche in Deutschland und Europa zu zeigen, dass das Unternehmen Eisenbahntechnik beherrscht", schreibt die Wirtschaftswoche. Um die Loks auf die deutsche Schiene zu bekommen, muss CRRC nämlich eine Genehmigung des als penibel geltenden Eisenbahnbundesamts erhalten. An dieser Einrichtung hat sich auch Bombardier schon oft die Zähne ausgebissen. Nimmt das chinesische Unternehmen diese Hürde, ist ihm die deutsche Feuertaufe gelungen. Und dann dürfte man auch bei Bombardier unruhiger werden. Noch heißt es aus dessen Pressestelle, dass sich "nicht ausgereifte Player" bislang dabei "disqualifiziert" hätten, die hiesigen Qualitätsansprüche zu erfüllen. Damit seien sie am Versuch gescheitert, "direkt oder über Übernahmen in den europäischen Markt einzusteigen".

Dem steht entgegen, dass die chinesische Konkurrenz von Konzernen wie Bombardier viel hat lernen können. Der oben zitierte Experte erinnert daran, dass sich Bombardier bei Geschäftsabschlüssen mit China nicht nur zur Lieferung der Züge, sondern auch des Knowhows verpflichten musste. "Das war eines der Grundübel. So wurde die chinesische Bahnindustrie maßgeblich von allen deutschen Herstellern groß gemacht", schlussfolgert er.

"Geld regiert die Welt", meint Hennigsdorfs Bombardier-Betriebsrat Dieter Schöning. Er verweist darauf, dass Bombardiers Geschäftsführung noch immer nicht klar dargelegt hat, wie der Transformationsprozess für alle deutschen Standorte, der Ende 2019 abgeschlossen sein soll, konkret ausgeht. "Das eine oder andere kann da noch überraschen." Ohne konkrete Anhaltspunkte zu haben, will er nicht ausschließen, dass in der Konzernzentrale "nachgedacht wird, das eine oder andere zu verkaufen".

Umsätze derBahn-Giganten

Schon 2016 war der chinesische Staatskonzern CRRC der umsatzstärkste Schienenfahrzeugbauer der Welt. Damals betrug der Umsatz 30,5 Milliarden Euro.

Auf Platz zwei folgten Siemens und Alstom mit gemeinsam 15,2 Millionen Euro. Erst dahinter platzierte sich Bombardier mit 7,5 Millionen Euro.⇥rol

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Paul Müller 11.09.2019 - 15:47:28

Jaja, wir wollen uns ja sowieso CO2 neutral fortbewegen ...

... da ist dann eher das afghanische KnowHow zu Eselkarren unserer Gäste gefragt, nicht dieses Teufelszeug da ...

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG