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Sportgeschichte
"Motor Hennigsdorf ist weltberühmt"

Matthias Senger, Geschäftsführer des Kreissportbundes, in der Wanderausstellung in Rostow mit der Tafel von Marian Plachetko, der einst für Motor Hennigsdorf spielte.
Matthias Senger, Geschäftsführer des Kreissportbundes, in der Wanderausstellung in Rostow mit der Tafel von Marian Plachetko, der einst für Motor Hennigsdorf spielte. © Foto: privat
Stefan Zwahr / 03.10.2019, 14:55 Uhr
Hennigsdorf (MOZ) Der Hennigsdorfer Matthias Senger weilte fernab seines Wohnortes, als ihn Heimatgefühle übermannten. Der Geschäftsführer des Kreissportbundes hatte Herzchen in den Augen, als er im russischen Rostow das Vereinslogo seines Jugendvereins erblickte. "Das traf mich unvorbereitet. Aber es war eine positive Überraschung."

Im 1 977 Kilometer Luftlinie entfernten Rostow am Don gehörte Senger einer  Delegation der Brandenburgischen Sportjugend an, die zu einem Fachkräfteaustausch in Russland weilte. "Im Rahmen der Fußball-WM im vergangenen Jahr war in der Region ein Straßenfußball-Projekt gestartet worden. Nun sollten die Kontakte vertieft werden", berichtet der Funktionär.

Zum Programm gehörte auch der Besuch der Ausstellung "Russkij Futbol" in der Stadtbibliothek – und da traute Senger seinen Augen nicht. Auf elf Plakaten waren Fußball-Stars und Fußball-Enthusiasten der früheren Sowjetunion und von Russland zu sehen.

An Lew Jaschin wurde erinnert, an Andrey Arshavin auch. Dazu gab es begleitende Informationen in Text und Bild. Eine dieser Tafeln fiel dem KSB-Offiziellen sofort auf. "Es war unglaublich. Da hing ein Mannschaftsfoto von Motor Hennigsdorf aus dem Jahr 1979." Ein Bild von dem Verein, dem Matthias Senger 1978 als Sechsjähriger beigetreten war.

In die Wanderausstellung, die vor einem Jahr auch in Hennigsdorf zu sehen war, schaffte es der Verein aus der Stahlstadt, weil ein gewisser Marian Plachetko einst das Motor-Trikot trug. "Der war mir kein Begriff", räumt Senger ein – und fügt entschuldigend hinzu, dass er damals zu jung gewesen sei. Nun kenne er die Geschichte des kopfballstarken Innenverteidigers (Jahrgang 1945), der bis 1980 fünf Jahre für die BSG Motor spielte – und das auch in der zweitklassigen DDR-Liga. "Motor Hennigsdorf ist weltberühmt", scherzt Senger.

Dietmar Schiewe spielte mit dem Russen-Star

An Marian Plachetko kann sich Dietmar Schewe noch genau erinnern. "Das war ein Libero aus Russland. Ein Topmann. Im Nachhinein kann ich sagen: Er war eine Koryphäe."

Bei Motor Hennigsdorf lernten sich beide in den 1970-er Jahre kennen. Schiewe musste auf der Libero-Position für den zweimaligen Nationalspieler, der mit ZSKA Moskau Meister wurde, Platz machen. "Ich habe viel von ihm gelernt. Zig Jahre später habe ich davon profitiert, dass ich zu seiner Zeit auf anderen Positionen eingesetzt wurde. Ich musste manchmal sogar in den Sturm ausweichen, was für mich eine tolle Erfahrung war."

Wie viele seiner Landsleute war Plachetko nach dem Ende seiner Laufbahn 1975 zur "Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland" (GSSD) versetzt worden. Von Elstal verschlug es ihn dann für fünf Jahre nach Hennigsdorf.

Für die damalige Liga habe er über den Dingen gestanden, betont Schiewe – und erinnert daran, dass viele Kicker aus der UdSSR in der zweitklassigen DDR-Liga spielten. "Drei durften in jeder Mannschaft ran. Sie hoben uns auf ein anderes Level." Motor spielte letztmalig von 1979 (mit dem damals 26-jährigen Schiewe) bis 1982 in der zweithöchsten DDR-Liga. "Allein bei uns waren über die Jahre bestimmt 20 Leute im Einsatz."

Tolle Resultate waren die Folge. "Wir spielten mal im Stadion der Weltjugend 0:0 gegen Union. Da war Plachetko nicht bei. Aber die anderen Russen sorgten für Ordnung im Spiel."

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