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Schienenverkehr
S-Bahn nach Velten kostet 115 Millionen Euro

Blick in Richtung Bahnhof Velten: Noch ist keine S-Bahn zu sehen. Erst muss ein weiteres Gleis gebaut werden.
Blick in Richtung Bahnhof Velten: Noch ist keine S-Bahn zu sehen. Erst muss ein weiteres Gleis gebaut werden. © Foto: Wiebke Wollek
Wiebke Wollek / 03.10.2019, 17:17 Uhr
Velten/Hennigsdorf Die Planungen für den S-Bahnanschluss nach Velten gehen in die nächste Runde. Kürzlich hatte die zuständige Arbeitsgruppe des Infrastruktur-Projekts i2030 in Velten getagt und war zu dem Ergebnis gekommen, dass für den Lückenschluss der S-Bahn zwischen Hennigsdorf und Velten ein weiteres Gleis gebaut werden muss. Zusätzlich zum Bombardier-Prüfgleis wird es dann zwei Gleise mit sogenanntem Mischverkehr geben, der vom Regionalverkehr und von der S-Bahn befahren werden kann.

Zusätzlich zum weiteren Gleis wird es große Umbauarbeiten an den Bahnhöfen Hennigsdorf und Velten geben. Dazu gehört die Errichtung eines elektronischen Stellwerkes in Velten, denn das Regionalbahn-Gleis ist nicht elektrifiziert. Für die S-Bahn aber ist der Strom an der Schiene notwendig. Alles zusammen soll Baukosten von 115 Millionen Euro verursachen – achtmal soviel, wie die Stadt Velten im Rahmen einer Untersuchung im Jahr 2010 ermittelt hatte. Damals ging man von 14 Millionen aus. Der Bau eines zweiten Gleises war nicht vorgesehen. Stattdessen war geplant, das bestehende Gleis der Regionalbahn mit einer Stromschiene zu versehen, auf dem dann die S-Bahn und der Diesel-RE6 gemeinsam fahren. Von dieser Planung ist die Bahn inzwischen abgewichen, da der Ausbau der Infrastruktur noch weitere Verdichtungen vorsieht, zum Beispiel den 30-Minuten-Takt nach Neuruppin. 2010 wurde weiterhin von einem stündlichen Takt des RE6 ausgegangen.

Die nächsten Schritte auf dem Weg zum Wiederanschluss der S-Bahn nach Velten ist die Einleitung des Planfeststellungsverfahrens. "Wir erwarten, dass dieses Verfahren jetzt zügig begonnen wird. Das Land Brandenburg haben wir im Nachgang des Treffens bereits angeschrieben und um einen verbindlichen Zeitplan für die nächsten Schritte gebeten. Dieser Punkt blieb bei der Vorstellung der Arbeitsergebnisse offen", erklärt Bürgermeisterin Ines Hübner (SPD) in einer Pressemitteilung der Stadt. "Es ist wichtig, dass es hier endlich zügig vorangeht. Denn die Geschwindigkeit des Ausbaus des ÖPNVs hält mit dem Wachstum unserer Region längst nicht mehr Schritt. Das muss sich dringend ändern."

Der Zeitpunkt für die erste Veltener S-Bahn nach mindestens 40 Jahren ist also noch nicht sicher. Klar ist aber: Wenn sie irgendwann rollt, dann wird sie auch über die Brücke an der Marwitzer Straße in Hennigsdorf fahren. Diese wird zwischen 2022 und 2025 abgerissen und neu gebaut. In einem Bürgergespräch hatten Mitarbeiter der DB Netz AG vergangene Woche Fragen der Hennigsdorfer beantwortet. Sehr verwundert nahmen diese die Information des Projektleiters Alexander Altmeyer auf: "Ein S-Bahngleis ist nicht in unserem Planungsauftrag enthalten." Es stand die Befürchtung im Raum, dass die neue Brücke dann zu schmal für ein weiteres Gleis sei. Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärte Bahn-Sprecher Gisbert Gahler jedoch am Mittwoch, dass eine Erweiterung der Brücke auch nachträglich möglich sei. Gebaut werde sie aller Voraussicht nach vorerst ohne S-Bahn-Gleis.

Erste Fahrt vor fast 100 Jahren

Von 1927 bis 1983 ist die S-Bahn nach Velten gefahren. Der Haltepunkt Hohenschöpping entstand 1938 für die in der Nähe ansässigen Rüstungsbetriebe. 1958 kam der Umsteigebahnhof Hennigsdorf-Nord am neugebauten Außenring hinzu. Seit dem Mauerbau 1961 fuhr die S-Bahn jedoch nur noch als Inselbetrieb nach Hennigsdorf.  Seit der Wende hoffen die Veltener wieder auf die S-Bahn. ⇥wol

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