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Mord ohne Leiche
TV-Sender auf Spurensuche im Fall Maike Thiel

Markus Kluge / 02.12.2019, 18:02 Uhr
Neuruppin (MOZ) Für eine Spezialsendung von "Täter, Opfer, Polizei" drehte der rbb mit Uwe Madel am Neuruppiner Landgericht. Unter anderem wird es um Maike Thiel gehen.

Drei Namen: Maike Thiel, Georgine Krüger und Rebecca Reusch. Es sind drei junge Mädchen, die von einem auf den anderen Tag spurlos verschwunden sind. Das rbb-Magazin "Täter, Opfer, Polizei" widmet diesen Kriminalfällen im Dezember eine Sondersendung. Gedreht wurde dafür im November mit Moderator Uwe Madel auch am Neuruppiner Landgericht. Dort fiel im Sommer vor fünf Jahren das Urteil gegen Maike Thiels Mörder Michael Sch. und dessen Mutter, die ihn nach Einschätzung der Kammer zur Tat angestiftet hat. Beide mussten lebenslänglich ins Gefängnis.

"Wenn sich da jetzt noch Zeugen finden, wäre das ein Wunder", sagt Gert Wegner. Er war seinerzeit der Vorsitzende Richter und stand jetzt in seinem Ruhestand für die Sendung trotzdem vor der Kamera, um noch einmal über den Prozess zu sprechen. Bekannt wurde der Kriminalfall weit über die Grenzen Brandenburgs hinaus als "Mord ohne Leiche". Denn die schwangere Maike Thiel aus Leegebruch verschwand am 3. Juli 1997. Ihr Freund und mutmaßliche Vater des Babys gestand den Mord später zwei Frauen, die ihr Wissen nur sehr zaghaft preisgaben, was 2012 zu der Verhaftung des damals 33-Jährigen führte. "So einen Fall hatte ich nur einmal in meiner Laufbahn, und es war einer meiner letzten großen Prozesse", so Wegner. An 45 Verhandlungstagen verteilt über 14 Monate wurde das Geschehen aufgearbeitet, das bis zum Schluss ein Rätsel in sich barg: Maike Thiels Leiche, nach der auch in Rüthnick gesucht worden war, ist bis heute nicht gefunden worden.

Der gesamte Prozess, der sehr intensiv war, stützte sich damals auf Indizien, die das Gericht dennoch überzeugten, wie Wegner heute noch betont. Dass durch den TV-Beitrag neue Erkenntnisse ans Tageslicht gefördert werden, glaubt er nicht. Mit Manfred S., einem Bekannten der Verurteilten, habe es seinerzeit einen mutmaßlichen Komplizen und Mitwisser gegeben, der allerdings schon bei der Urteilsverkündung 80 Jahre alt und geistig gebrechlich war. Aktiv beschäftigt sich Wegner heute nicht mehr diesem Fall oder anderen Prozessen. "Aber wenn was kommt, höre ich schon genauer hin", so der ehemalige Richter.

Zwei weitere vermisste Mädchen

Nicht ganz so lange wie das Verschwinden von Maike Thiel liegt der zweite Fall zurück, der in "Täter, Opfer, Polizei" beleuchtet wird. Die damals 14-jährige Georgine Krüger verschwand im Jahr 2006 in Berlin. Seit August wird gegen ihren mutmaßlichen Mörder vor dem Landgericht Berlin verhandelt. Er soll das Mädchen vergewaltigt, ermordet und ihre Leiche beseitigt haben – womöglich in einer Müllverbrennungsanlage. Das Urteil soll im Dezember gesprochen werden. Fall Nummer drei ist der jüngste: Am 18. Februar dieses Jahres verschwand Rebecca Reusch aus Berlin. Von ihr fehlt seither jedes Lebenszeichen. Trotz intensiver Suche wurde bisher auch keine Leiche gefunden. Die Polizei geht davon aus, dass die Schülerin nicht mehr am Leben ist. Die Ermittlungen dauern an.

Das Spezial von "Täter, Opfer, Polizei" wird am Mittwoch, 4. Dezember, um 21 Uhr ausgestrahlt.

Vermisste in Deutschland

Zum 1. April 2019 waren laut dem Bundeskriminalamt (BKA) 12 000 Vermisstenfälle gespeichert. In dieser Zahl sind sowohl Fälle enthalten, die sich innerhalb weniger Tage aufklären, als auch Vermisste, die bis zu 30 Jahren verschwunden sind. Täglich werden bis zu 300 Fahndungen neu erfasst und gelöscht. Denn seit 2018 werden alle Fälle registriert, in denen jemand länger als vier Stunden vermisst war. Laut dem BKA erledigen sich etwa die Hälfte der Fälle innerhalb der ersten Woche. Innerhalb eines Monats klären sich 80 Prozent der Fälle. Drei Prozent der Vermissten sind länger als ein Jahr verschwunden. ⇥red

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