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Neujahrsempfang in der Ofen-Stadt-Halle
Ein Abend gegen die Spaltung

Die "BANDe" eröffnete den Veltener Neujahrsempfang in der Ofen-Stadt-Halle musikalisch.
Die "BANDe" eröffnete den Veltener Neujahrsempfang in der Ofen-Stadt-Halle musikalisch. © Foto: Roland Becker
Roland Becker / 10.01.2020, 19:31 Uhr - Aktualisiert 10.01.2020, 21:50
Velten (MOZ) Er war etwas Besonderes, der Veltener Neujahrsempfang 2020. Auf den ersten Eindruck wirkte alles wie seit Jahren eingeübt: Reden, Auszeichnungen, Musik und ein üppiges Büfett. Wer aber genau zuhörte und hinsah, der konnte über einiges staunen. Das begann schon an der Tür zur Ofen-Stadt-Halle. Neben Bürgermeisterin Ines Hübner (SPD) begrüßte Veltens neuer Stadtverordnetenvorsteher die Gäste. Marcel Siegert (Pro Velten) gehörte über Jahre zu den stärksten Kritikern des von ihm als elitär empfundenen Empfangs und boykottierte ihn einige Jahre. Nun schüttelte er hunderte Hände. Und er konnte das mit der Gewissheit tun, dass er dafür nicht als Wendehals angesehen wird. Denn Pro Velten gab mit den Anstoß dafür, dass sich erstmals alle Veltener um eine Eintrittskarte bewerben konnten. Es ist nun nicht mehr nötig, als Ticket Engagement in Politik, Vereinen oder der Wirtschaft nachweisen zu müssen. Elf Veltener nutzten das Angebot, bewarben sich um eine Eintrittskarte und erhielten somit Zutritt zum Empfang.

Erstmals eine Feier für alle

In ihrer Rede fühlte sich die Bürgermeisterin veranlasst, die rhetorische Frage zu stellen, ob solche Jahresempfänge ihre Berechtigung haben. Und sie lieferte sofort die Antwort: "Ja, unbedingt!" Für Hübner "sind sie eine gute, vielleicht sogar die beste Gelegenheit, all jenen zu danken, die sich kontinuierlich für unsere Stadt einsetzen".

Die zu ehren, die seit Jahren ihre Freizeit für die Stadt und deren Bewohner opfern, obliegt dem Chef des Stadtparlaments. Siegert nahm diese Ehrung zum Anlass, die Bedeutung von Vereinen für das Klima in der Stadt zu unterstreichen. Selbst seit Jahren als Fußballnachwuchstrainer beim SC Oberhavel aktiv, weiß er, dass es dort nicht nur um den Ball geht: "Es geht immer mehr um Grundlegendes und die Vermittlung von Werten: eine kurze Begrüßung, das Nutzen von Worten wie danke und bitte." Im Verein lerne man, sich trotz differierender politischer Ansichten zu respektieren und zu unterstützen.

An dieser Stelle ging Siegert auch auf die politische Spaltung der Stadt ein. Wer eine Meinung äußere und dafür einstehe, dürfe deshalb nicht benachteiligt oder ausgegrenzt werden. "Es gibt keine Elite, die besser ist oder es besser weiß", sagte er und fügte hinzu: "Hören wir auf, von Spaltung und Hass zu sprechen." Dieser Satz dürfte manchen Zuhörer überrascht haben. Hört man doch immer wieder von Veltenern, dass sie es kaum für möglich halten, diese Spaltung zu überwinden. Noch nicht alle haben das Hassvideo vergessen, mit dem im Frühjahr 2018 gegen die Bürgermeisterin sowie sechs Politiker von SPD und CDU gehetzt wurde. Damals tauchte ein Screenshot auf, der nahelegte, dass das in Horror-Manier fabrizierte Video auch in einer Whatsapp-Gruppe namens "Pro Velten Info" zu sehen gewesen sein soll.

Der gestrige Abend aber wurde von diesen tiefen Gräben nicht dominiert. Im Gegenteil. Zumindest die Entscheidung für die Vergabe eines der beiden Ehrenpreise zeigt, dass sich im Veltener Stadtparlament Mehrheiten für eine Auszeichnung finden lassen, die heutzutage nicht mehr selbstverständlich sind. Mit Gabriele Engelschalt wird eine Veltenerin geehrt, die sich seit 2015 in der Flüchtlingshilfe engagiert und jetzt bereits im fünften Jahr einer syrischen Familie hilft, sich im Dschungel der deutschen Bürokratie und im Alltag zurechtzufinden.

Dieselbe Ehrung erfuhr auch Sabine Tesmer. Als Vorsitzende der Sportgemeinschaft Gymnastik Velten organisiert sie seit zehn Jahren ein Fitnessprogramm, das an vier Tagen in der Woche von Tanz bis Nordic Walking reicht.

Im Rhythmus der Musik

Traditionell sind es Künstler aus Velten und Oberhavel, die den musikalischen Part des Empfangs liefern.

Rockige Töne lieferte die Bigband der Kreismusikschule Oberhavel namens BANDe. Später übernahm Strings & Swings, zu denen Walter Erbe und Hagen Pietrzak gehören. Letzterer gibt Gitarrenunterricht im Jugendclub Oase.

Die Ausstellung gestalteteMartin Gietz. Der Heiligenseer hat in Velten ein Atelier.⇥rol

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