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Alstom
Sorge in Hennigsdorf um Bombardier

Im Hennigsdorfer Bombardier-Werk wird unter anderem die S-Bahn für Hamburg gebaut (Archivbild).
Im Hennigsdorfer Bombardier-Werk wird unter anderem die S-Bahn für Hamburg gebaut (Archivbild). © Foto: Bernd Settnik
Roland Becker / 13.02.2020, 09:26 Uhr - Aktualisiert 13.02.2020, 17:20
Hennigsdorf (MOZ) Der französische Konzern Alstom will die weltweite Bahnsparte von Bombardier kaufen. Nach einem Bericht des Handelsblatts sollte das Geschäft am Donnerstag bekanntgegeben werden. Die beiden Konzerne schwiegen sich dazu allerdings aus. Bombardier betreibt auch ein Werk in Hennigsdorf (Land Brandenburg).

Ein Bombardier-Aufsichtsratsmitglied sagte dem Hennigsdorfer Generalanzeiger am Donnerstagmorgen, dass der Verkauf bereits verkündet worden sei. Allerdings bezog sich das Mitglied wohl eher auf die Presseberichte als auf ein offizielles Statement des Konzerns. Auch Volkmar Pohl, Vorsitzender des Hennigsdorfer Betriebsrats und Mitglied im deutschen Gesamtbetriebsrat von Bombardier, konnte die Meldungen über den anstehenden Verkauf nicht bestätigen. Er sprach von einer "absoluten Gerüchteküche". Von Unternehmensseite gebe es noch nichts Offizielles. Allerdings erwartet er sehr zeitnah eine klare Aussage aus der kanadischen Konzernzentrale: "Das Unternehmen muss ja mal was sagen." Bislang aber habe die Konzernspitze in Kanada dichtgehalten. Auch die Aufsichtsratsmitglieder würden hinsichtlich eines Verkaufs der Bahnsparte von Bombardier bislang keinerlei Informationen besitzen.

Sollte das Geschäft zustande kommen, könnte der europäische Schienenfahrzeugmarkt gegenüber dem auf den Weltmarkt drängenden chinesischen Staatskonzerns CRRC gestärkt werden. Bombardier schwächelt seit Jahren und hat zuletzt immer wieder Großkunden wie die Deutsche Bahn verärgert, indem Züge unpünktlich und mit mangelnder Qualität geliefert wurden.

Laut Handelsblatt will Alstom das weltweite Eisenbahngeschäft von Bombardier für sieben Milliarden Euro übernehmen. Allerdings müsste dem Geschäft noch die EU-Wettbewerbskommission zustimmen. Diese hatte vor Jahresfrist einen Zusammenschluss der Bahnsparten von Siemens und Alstom verhindert.

Mit großer Aufmerksamkeit wurde am Donnerstagmittag die Telefonkonferenz aus dem kanadischen Hauptquartier erwartet, in der die Geschäftszahlen für 2019 bekanntgegeben wurden. Vor einem vor allem von Bankern verfolgten Teilnehmerkreis äußerten sich weder Bombardier-Präsident Alain Bellemare noch Vize-Präsident John di Bert zu den Gerüchten über die Verkaufsabsichten der Bahnsparte. Eingeräumt wurde, dass die Zugsparte 2019 nicht die Erwartungen erfüllt habe. "Transportation hat im vierten Quartal 2019 nicht die Erwartungen erfüllt, aber die Produktion stabilisiert", verkündete Bellemare. Die Zahlen verraten: Im vierten Quartal wurde ein Verlust erwirtschaftet. Fürs Gesamtjahr brachen die Gewinne gegenüber 2018 massiv ein. Die Prioritäten im deutschen Management liegen demnach klar auf "Zuverlässigkeit". Zuletzt gab es von mehreren großen Kunden Kritik an fehlerhaft oder zu spät ausgelieferten Zügen. Bei einer die Schweizer Bahnen betreffenden Bestellung wird von dem Bemühen um "Schadensregulierung und Akzeptanz" gesprochen. Bellemare sprach mehrfach davon, "nach Optionen zu schauen, wie wir die Sparten Luftfahrt und Bahn weiter wachsen lassen können".

Hennigsdorfs Bürgermeister Thomas Günther (SPD) äußerte sich am Donnerstag besorgt wegen der seit mehreren Jahren kursierenden und nun erneut angeheizten Gerüchte um den Verkauf von Bombardiers Bahnsparte sowie um die vom Betriebsrat angeprangerte Konzeptlosigkeit hinsichtlich einer Zukunftsstrategie. Bezüglich eines möglichen Verkaufs sagte er: "Wenn sich die Meldungen über Verkauf oder Fusion bewahrheiten und die Kartellbehörden dem zustimmen, dann kann ich nur hoffen, dass verantwortungsvoll gehandelt wird und die Standort in Deutschland und natürlich der Standort Hennigsdorf erhalten bleiben."

Das sagt der Betriebsrat von Bombardier in Hennigsdorf. 

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