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Erste Infektion in Heim in Kremmen
Jetzt 68 mit Corona infizierte Geflüchtete in Stolpe-Süd

Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete in Kremmen: Auch hier gibt es jetzt einen Coronafall.
Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete in Kremmen: Auch hier gibt es jetzt einen Coronafall. © Foto: Jürgen Liebezeit
Klaus D. Grote / 23.04.2020, 21:11 Uhr - Aktualisiert 24.04.2020, 07:15
Hennigsdorf/Kremmen (MOZ) Die Zahl der positiv auf das Corona-Virus getesteten Bewohner der Hennigsdorfer Gemeinschaftsunterkunft ist auf 68 Personen gestiegen (Stand Donnerstag). Der Landkreis kündigte für Freitag Umzüge an, um positiv und negativ getestete Personen räumlich voneinander zu trennen. Dazu würden Umzüge innerhalb der fünf Häuser organisiert. Eine dezentrale Unterbringung von Infizierten oder Risikogruppen lehnt die Kreisverwaltung ab, weil dann die Versorgung erschwert werde. Neu gemeldet wurde ein mit Corona infizierter Bewohner des Asylheims in Kremmen. Insgesamt gibt es jetzt 129 Erkrankte in Oberhavel.

Auf Anordnung des Gesundheitsamtes stehen jetzt alle fünf belegten Häuser der Unterkunft Stolpe-Süd unter Quarantäne. In allen Häusern gibt es positiv auf das Coronavirus getestete Personen. Testergebnisse für die Häuser 1 und 4 stehen noch aus. Haus 3 der Unterkunft sei wegen Sanierungsarbeiten nicht nutzbar, sagte Kreissprecherin Ivonne Pelz.

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"Unser Ziel ist es, alle positiv auf das Coronavirus getesteten Personen in einem Haus der Unterkunft Stolpe-Süd unterzubringen", sagte Sozialdezernent Matthias Kahl.. Dafür müssten zunächst die negativ getesteten Personen aus diesem Haus ausziehen. Sie würden für wenige Nächte an einem anderen Ort untergebracht. Danach könnten die positiv getesteten Bewohner der anderen Häuser in das für alle Positivfälle festgelegte Haus umziehen. Anschließend würden die in der Zwischenunterkunft Untergebrachten auf die anderen Häuser in der Gemeinschaftsunterkunft Stolpe-Süd verteilt. Vor dem Neubezug würden die einzelnen Zimmer gereinigt und desinfiziert. Auch für die nicht mit dem Virus Infizierten gelte als Kontaktpersonen die 14-tägige Quarantäne, sagte Kahl. Derzeit würde alle Bewohner über die Maßnahmen informiert.

Der betroffene Bewohner des Kremmener Heims war bei einer Untersuchung in einer Berliner Klinik positiv auf das Virus getestet worden. In der Kremmener Unterkunft leben insgesamt 115 Menschen in sieben Häusern, zwei Häuser nicht belegt. Für den Erkrankten und seine beiden direkten Kontaktpersonen wurde noch am Mittwochabend Quarantäne angeordnet, sie sind in einem der derzeit nicht belegten Häuser in Einzelzimmern untergebracht, so die Kreissprecherin. Die Versorgung der Bewohner sei sichergestellt.

Am Vorgehen des Landkreises gab es massive Kritik. Simone Tetzlaff, Asylberaterin des Kirchenkreises, berichtete von Heimbewohnern, die ihre Informationen lediglich aus der Zeitung hätten. Ein Krankenpfleger, der bis Sonnabend noch im Dienst war und nun unter Quarantäne steht, warte seit Dienstag auf sein Testergebnis. Fällt es positiv aus, müsse auch dringend das Altenpflegeheim, in dem er arbeitet, informiert werden. Zuvor hatte ein in Stolpe-Süd lebender Mann berichtet, dass er negativ getestet worden sei, sein Zimmer aber weiterhin mit drei Erkrankten teilen müsse.

Der Kreistagsabgeordnete Ralf Wunderlich (Linke) sprach von Körperverletzung durch den Landkreis. "Das Verhalten des Landkreises ist völlig unverständlich und lässt jede Empathie für die Betroffenen vermissen", sagte der Landtagsabgeordnete Andreas Büttner (Linke).  Wenigstens Menschen aus den Covid-19-Risikogruppen, Familien und Beschäftigte in Pflegeberufen sollten sofort aus der Unterkunft herausgeholt werden. Auch für ausreichend Schutzmaterial, Lebensmittel, ärztliche Betreuung und Ansprechpersonen müsse unverzüglich gesorgt werden. Der Schutz dieser Personengruppe gebiete die Menschlichkeit, sagt der Linke-Kreistagsfraktionschef Vadim Reimer. "Es geht hier schließlich um Menschen, die auf den besonderen Schutz der Gesellschaft angewiesen sind."

Der Flüchtlingsrat Brandenburg, die Grünen und Hilfsorganisationen hatten wiederholt die Unterbringung dieser Gruppen in Ferienwohnungen und Pensionen gefordert. Ferienwohnungen sind frei. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hat das in der Eindämmungsverordnung Brandenburgs zeitweilig verhängte Vermietungsverbot zu touristischen Zwecken in einem Urteil am Donnerstag bestätigt.

Die Kreisverwaltung teilte am Freitagabend auch die aktuellen Fallzahlen mit. Die Zahl der Infizierten in den Kommunen: Hennigsdorf (101), Oranienburg (36), Hohen Neuendorf (30), Velten (18), Glienicke (18), Oberkrämer (12), Mühlenbecker Land (10), Birkenwerder (6), Löwenberger Land (6), Leegebruch (6), Liebenwalde (5), Zehdenick (5), Amt Gransee (2) und Kremmen (3). In Fürstenberg gibt es keinen gemeldeten Covid-19-Fall.

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