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Nach Absage
Hafenfest-Veranstalter möchte 2021 eine größere Party

Roland Becker / 20.05.2020, 05:15 Uhr - Aktualisiert 20.05.2020, 07:32
Velten (MOZ) Sie waren längst gebucht, Stars wie Kerstin Ott. "Die immer lacht" ist deren wohl bekanntester Song. Doch dem Anlass, zu Pfingsten in Velten drei Tage lachen, Freude haben und feiern zu können, machte das Coronavirus schon frühzeitig einen Strich durch die Rechnung.

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Bereits am 12. März, und damit vor dem Lockdown, sagte Velten alle Großveranstaltungen ab. Damit war das diesjährige Hafenfest ins Wasser gefallen. Und eben auch Shows wie die von Kerstin Ott und dem sächsischen DJ-Duo Anstandslos & Durchgeknallt.

Frühzeitige Absage

"Damals habe ich das erst nicht verstanden. Jetzt bin ich froh darüber. Sonst wäre es teurer geworden", sagt Denny Pude. Der Veltener Gastronom und Hotelier ist sozusagen der Vater des Hafenfestes. Seit Jahren richtet er Veltens größte Party aus, die erstmals 2011 zum 100. Hafengeburtstag gefeiert wurde. Sein derzeit gültiger Vertrag für das drei­tägige Pfingstspektakel endet in diesem Jahr.

Die frühzeitige Absage hat den Unternehmer vor ausufernden Kosten bewahrt. "Ende März oder Anfang April wären alle Zahlungen fällig gewesen", schaut er auf das, was ihm erspart geblieben ist. Gänzlich ungeschoren kommt der Veltener dennoch nicht davon. Allein die Vorbereitungen, die bereits im Dezember vorigen Jahres angelaufen seien, hätten Hunderte Arbeitsstunden gekostet. Zählt er die Kosten dafür zusammen, muss er konstatieren: "Mit zwei Monatsgehältern kommt man da nicht hin."

Futsch ist auch einiges an Geld. Pude spricht von Verlusten "im mittleren vierstelligen Bereich". Einige bereits getätigte Anzahlungen bekommt er nicht zurück, auch Stornierungsgebühren wurden fällig. Hingegen habe er die Verträge mit den Künstlern auflösen können. "Für die ist es natürlich ganz blöd, wenn sie kein Geld verdienen", fühlt er mit all denen mit, denen nicht nur in Velten, sondern landauf landab die Einnahmen weggebrochen sind.

Jährlicher Zuschuss von 15.000 Euro kam nicht

Der Vertrag mit der städtischen Regionalen Entwicklungsgesellschaft (REG) sieht vor, dass Pude zur Ausrichtung des Hafenfests jährlich einen Zuschuss von 15.000 Euro erhält. Davon ist bis jetzt trotz der Vorbereitungen und entstandenen Kosten nichts geflossen, sagt Pude auf Nach­frage. Im Rathaus wollte sich dazu niemand äußern. Am Tag nach der entsprechenden An­frage hieß es, dass dafür die REG zuständig sei. Dort aber war ab dem frühen Nachmittag niemand mehr erreichbar.

Denny Pude, der in Velten auch ein Fitnessstudio betreibt, geht mit dem Verlust sportlich um: "Das ist unternehmerisches Risiko. Ich gucke mal, ob das noch was kommt." Offenbar hat er aber nicht vor, von sich aus die REG um einen Teilzuschuss für die ihm entstandenen Kosten zu bitten. Und der ehemalige Stadtverordnete hat einen Grund dafür: "Ich denke, ich sollte die Stadt nicht weiter belasten. Für die sieht es ja in den nächsten Jahren nicht gerade rosig aus."

Bei allen finanziellen Sorgen, die die derzeitige Lage mit sich bringt und die noch folgen werden; auch ein Unternehmer darf ein bisschen träumen. Pudes Traum oder besser Wunsch sieht so aus: "Ich würde gern mit der Stadt einen Konsens finden, dass wir im nächsten Jahre eine richtige Sause machen, eine größere Party feiern. Das in diesem Jahr gesparte Geld kann die Stadt dann noch draufpacken."

Pude will weitermachen

Dafür müsste der Geschäftsmann allerdings wiederum die Ausschreibung für das Ausrichten der nächsten Hafenfest-Generation gewinnen. Von seiner Seite aus stünde dem nichts entgegen: "Ich würde gern weiter­machen." Er habe seit 2011 jedes dieser Feste begleitet. "Jedes Jahr hat sich das Hafenfest weiterentwickelt, ist es größer geworden, sind mehr Leute gekommen. Da steckt einfach jede Menge Herzblut von mir drin."

Statt dem diesjährigen Hafenfest hinterher zu trauern, konzentriert sich Denny Pude lieber auf seine Standbeine, die ihm das ganze Jahr über Geld einbringen sollen, und die seit März natürlich extrem schwächeln: Gastronomie und Hotellerie. "Verhalten läuft es wieder an", antwortet er auf die Frage, wie sich die Lockerungen auf sein Unternehmen auswirken. Nach und nach könne er einige seiner Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zurückholen.

Ab dem 25. Mai dürfte sich die Lage weiter verbessern. Ab diesem Tag­ ­– und damit pünktlich zu Pfingsten – dürfen Hoteliers wieder Touristen beherbergen. Nun ist Velten zwar kein Urlauber-Hotspot. "Aber einige Reservierungen, etwa von Radtouristen, habe ich schon", freut sich Pude. Vielleicht ist dieser Hoffnungsschimmer der Grund, weshalb er zum Schluss sagt: "Ich bin vorsichtig optimistisch."

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