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Technische Akademie Hennigsdorf
Ausbildung in familiärem Umfeld

Pausieren in nostalgischem Ambiente: Thomas Buschner hat ehemalige Flugzeugsessel der Air Berlin ersteigert, in denen er gern mal mit seiner Frau Tanja Platz nimmt.
Pausieren in nostalgischem Ambiente: Thomas Buschner hat ehemalige Flugzeugsessel der Air Berlin ersteigert, in denen er gern mal mit seiner Frau Tanja Platz nimmt. © Foto: Roland Becker
Roland Becker / 27.05.2020, 05:45 Uhr
Hennigsdorf (MOZ) Thomas und Tanja Buschner lassen sich nicht lange bitten und nehmen in zwei Sitzen Platz, die einst in einem Flugzeug der zur Legende gewordenen Fluggesellschaft Air Berlin installiert waren. Das Getränkewägelchen daneben ist allerdings nicht mehr mit Erfrischungen gefüllt. Die aus der Insolvenzmasse von Air Berlin ersteigerten Stücke haben für den Kremmener Erinnerungswert. Einst hat er als Fluggeräte-Elektroniker deren Maschinen betankt, die Technik kontrolliert und Fehler ausgemerzt. Jetzt bildet Buschner selbst Spezialisten für die Luftfahrtechnik aus.

2014 hat sich der gebürtige Berliner, der zuvor schon freiberuflich in der Weiterbildung tätig war, einen "lang gehegten Traum erfüllt": Er gründete die Technische Akademie Hennigsdorf (TAH), die seit 2016 im Blauen Wunder beheimatet ist. Seither ist das Angebot ständig gewachsen. Ob Weiterbildungen, Meisterkurse, Fachseminare, ob Theorie-Ausbildung für Lehrlinge oder Sicherheitsschulungen: Buschner hat sein Ausbildungszentrum für Elektrotechnik, Elektronik und Luftfahrttechnik auf breite Füße gestellt.

Die Schüler werden vom Jobcenter, von Firmen und Ausbildungsbetriebe geschickt. "Es geht familiär bei uns zu. Hier ist niemand eine Nummer", beschreibt die fürs Kaufmännische zuständige Tanja Buschner den Vorteil einer solchen kleinen Ausbildungsstätte. Die vier festen Trainer und ein Pool freiberuflicher Dozenten unterrichten in Klassen mit fünf bis acht Teilnehmern. "Diese Zahl hilft uns jetzt, die Hygienevorschriften einzuhalten", kann der Firmenchef der familiären Atmosphäre in Corona-Zeiten einen weiteren Vorteil abgewinnen. Dieser Tage wird der Präsenzunterricht wieder starten. Buschner ahnt: "Nach acht Wochen freuen sich alle, wieder als Klasse zusammenzukommen."

Selbst wenn Online-Unterricht an der TAH vor dem Lockdown kein Fremdwort war, spielten Webinare – also die Seminare via Internet – keine herausragende Rolle. "Arbeitsagenturen haben das gar nicht zugelassen. Und von vielen Kunden wurde diese Form der Wissensvermittlung stiefmütterlich behandelt", schaut 47-Jährige zurück und räumt selbst ein: "Wir hatten es auch vor uns hergeschoben, den Online-Bereich auszubauen. Immer gab es etwas Wichtigeres."

Das änderte sich mit dem 16. März. Plötzlich gab es nichts Wichtigeres, als online präsent zu sein. Gut zwei Monate später kann Buschner konstatieren, dass sich dieser Sprung ins kalte Wasser gelohnt hat. Dabei stellte der Online-Unterricht die Dozenten durchaus vor neue Probleme. Buschner hat ein Beispiel parat: "Mit der Webcam sieht man nur den Oberkörper der Schüler. Ob seine Hände gerade ratlos oder abgelenkt auf dem Papier vor ihm herummalen, sieht man nicht." Deshalb werde versucht, weniger zu dozieren als Fragen zu stellen: "Damit alle motiviert sind, etwas zu sagen."

Stundenpläne und Unterlagen auf Papier, das wird es künftig nicht mehr geben. Ein in der Corona-Krise spontan entstandenes Projekt soll ebenfalls weitergeführt werden: "Wir bauen jetzt ein eigenes Wiki auf." An dem sich am Online-Lexikon Wikipedia orientierenden Nachschlagewerk kann jeder Kursant mitschreiben. Buschner ist sich sicher, dass dieses Online-Wissen nicht nur den Lernenden der nächsten Jahrgänge etwas bringen wird, sondern auch denen, die es jetzt verfassen: "Man lernt wesentlich besser, wenn man selbst etwas schreibt."

Info:www.tah.education

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