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Erfolg für Foodsaver
Hennigsdorf richtet Verteiler für kostenlose Lebensmittel ein

Lebensmittelretterin Tina Witte (links) freut sich, jetzt auch in Hennigsdorf und Velten Kooperationspartner gefunden zu haben. Eine davon ist Mandy Habersaat, die am Hennigsdorfer Postplatz die Subway-Filiale leitet.
Lebensmittelretterin Tina Witte (links) freut sich, jetzt auch in Hennigsdorf und Velten Kooperationspartner gefunden zu haben. Eine davon ist Mandy Habersaat, die am Hennigsdorfer Postplatz die Subway-Filiale leitet. © Foto: Roland Becker
Roland Becker / 29.07.2020, 05:15 Uhr
Hennigsdorf (MOZ) Als Tina Witte Anfang Februar in dieser Zeitung von ihrem Engagement erzählte, Lebensmittel zu retten, hatte sie zwei Wünsche. Sie hoffte, dass sich auch Firmen aus der Umgebung an der Aktion beteiligen. Außerdem wollte sie eine öffentliche Verteilstation einrichten. Beide Wünsche scheinen sich nun zu erfüllen.

Vor mehr als drei Jahren begann Wittes ehrenamtliches Engagement als Foodsaver, wie das Retten von Lebensmitteln vor der Mülltonne fachmännisch genannt wird. Mittlerweile in Nieder Neuendorf wohnend, hat sie sich per WhatsApp-Gruppe einen Stamm von 40 Familien aufgebaut. Die bekommen eine Nachricht, wenn Witte Lebensmittel bekommen hat, die bislang bei ihr auf dem Grundstück abgeholt werden konnten.

Künftig ist dieser Aufwand nicht mehr nötig. Denn im Hennigsdorfer Rathauses ist man seit Monaten dabei, im Gemeinschaftszentrum Konradsberg die Voraussetzungen für eine Ausgabestation zu schaffen. "Eigentlich war bereits für den 9. Mai eine kleine Einweihung vorgesehen", erinnert sich die Nieder Neuendorferin. Es war natürlich das Coronavirus, dass dieser Hoffnung einen Strich durch die Rechnung machte. Einerseits hatten die beauftragte Fachdienstleiterin Jennifer Burczyk sowie Jugendkoordinator Johannes Otto pandemiebedingt plötzlich wichtigere Aufgaben zu erledigen. Andererseits hätte niemand den neuen Kostenlos-Dienst nutzen können. Das Gemeinschaftszentrum wurde geschlossen.

Lebensmittel für alle

"Anfang nächsten Monats wird alles da sein", verspricht Burczyk jetzt. Alles, das sind Kühlschrank, Regale und Kühlboxen. Spätestens im September wird es dann jedem Hennigsdorfer möglich sein, sich dort kostenlos mit Lebensmitteln einzudecken. Geöffnet sein wird an Werktagen von 8 bis 16 Uhr. Jene, die die Regale mit Waren bestücken, haben sogar rund um die Uhr Zugang zu diesem Raum.

Foodsaverin Tina Witte hofft, dass mit diesem öffentlichen Angebot die Idee der Lebensmittelrettung weiter verbreitet wird. Das bezieht sich nicht nur auf die, die sich mit Waren eindecken wollen. Sie wünscht sich, dass der in Oberhavel bereits auf 70 aktive Foodsaver angewachsene Kreis weiter wächst.

Dass die junge Mutter in der Hinsicht guter Dinge sein kann, belegen jüngste Erfahrungen. Noch im Februar sprach sie davon, die vor der Mülltonne zu rettenden Lebensmittel ausschließlich in Berlin abzuholen. Jetzt hat sie erste Kooperationspartner vor Ort gewonnen. Eine davon ist Mandy Habersaat. "Wir sind eine kleine Filiale, die aber dennoch alle Zutaten vorrätig haben muss", erläutert die Chefin des Subway-Imbisses am Postplatz. Am Abend bleibe dann manches übrig, was es nicht zwischen zwei Sandwich-Hälften geschafft hat. "Es wäre doch schade, das alles wegzuschmeißen. Da geben wir es lieber weiter", begründet Habersaat ihr Engagement für die Lebensmittelretter.

Sehr offen zeige sich auch die Luisenhof-Biomolkerei in Velten. "In der nächsten Woche habe ich dort wieder einen Termin. Ich bin sehr zuversichtlich", freut sich Witte über die bereits avisierte Unterstützung. Im nächsten Jahr will auch Malte Voigts vom Spargelhof Kremmen einsteigen. Auch einige Supermärkte haben –  bislang eher vorsichtig – Sympathien für das Projekt geäußert.

Unterm Strich zieht Tina Witte ein positives Fazit. Binnen zwölf Monaten habe sie bereits zwei Tonnen Lebensmittel vor dem Wegwerfen gerettet. "Und das, obwohl ich nicht die Aktivste unter uns Foodsavern bin." Von dem, was sie zum Verteilen bekommt, werde fast alles weitergegeben. Ladenhüter sind bei ihr eher die Ausnahme.

Der Weg, Lebensmittel zu retten

Foodsaver, zu Deutsch Lebensmittelretter, schließen Kooperationen mit Geschäften und Restaurants ab. Die melden, teils spontan, wenn Lebensmittel aus dem Verkauf genommen werden. Ein Foodsaver holt die Ware ab und stellt das Angebot in eine Whatsapp-Gruppe. Deren Mitglieder können die Ware dann am vereinbarten Treffpunkt abholen.

Im Gegensatz zu den Tafeln kann hier jeder unabhängig von der Bedürftigkeit Lebensmittel abholen. Einziges Ziel: Die Ware soll nicht in der Tonne landen.

In Hennigsdorf soll es ab September einen öffentlichen Fair-Teiler im Konradsberg geben. Dort kann sich jeder bedienen. Wer die Foodsaver unterstützen will, kann sich melden unter t.witte@foodsharing.network. Gesucht werden Firmen und ehrenamtliche Foodsaver.⇥rol

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