Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Wirtschaft
Übernahme der Bombardier-Zugsparte in Hennigsdorf ist perfekt

Der Schriftzug des Unternehmens Bombardier auf dem Firmengelände der Bombardier Transportation GmbH in Hennigsdorf.
Der Schriftzug des Unternehmens Bombardier auf dem Firmengelände der Bombardier Transportation GmbH in Hennigsdorf. © Foto: Rainer Jensen/dpa
Stefan Zwahr / 31.07.2020, 10:27 Uhr - Aktualisiert 31.07.2020, 19:39
Hennigsdorf (MOZ) Viele Menschen aus der Region warteten am Freitag gespannt auf eine Nachricht aus Brüssel. Diese kam am Nachmittag: Der französische Bahntechnik-Konzern Alstom hat von den EU-Wettbewerbshütern die Erlaubnis zur Übernahme der Zugsparte des kanadischen Unternehmens Bombardier erhalten.

„Diese Entscheidung ist ein wichtiger und notwendiger Schritt für die Zukunft des Schienenfahrzeugstandortes in Hennigsdorf“, so Bürgermeister Thomas Günther (SPD). Alstom und Bombardier gehören zu den Weltmarktführern im Schienenverkehr und stellen zusammen die globale Nummer zwei dar. „Ich bin froh, dass durch die EU-Wettbewerbskommission jetzt grünes Licht für den Zusammenschluss von Bombardier und Alstom gegeben wurde“, lautete der Kommentar des Bürgermeisters.

Der milliardenschwere Zusammenschluss hat Folgen für das Werk in Oberhavel, denn das „grüne Licht“ aus Brüssel ist an Auflagen gekoppelt. Um Bedenken der EU-Kommission gegen die knapp sechs Milliarden Euro schwere Übernahme auszuräumen, hatten die beteiligten Unternehmen vor einigen Wochen angekündigt, die Produktion von „Talent 3“-Nahverkehrszügen in Hennigsdorf abzugeben. Davon wären 200 Mitarbeiter betroffen.

Aus Sicht von Günther sei die Ausgliederung von Produktionskapazitäten an einen Dritten „offenbar notwendig, um die Zustimmung zu erhalten. Dies ist und bleibt eine bittere Pille für unseren traditionsreichen Standort“. Firmensprecher Jörn Bischoff zeigte sich dennoch zufrieden: „Wir unterstützen die Pläne und sind froh über dieses Ergebnis.“ Mit Blick auf die künftigen Aussichten für die Bahnbranche „halten wir es für einen sinnvollen Schritt“.

Unterstützung sei auch von Seiten der Konzernmutter aus Kanada vorhanden. Bischoff betont, dass es missverständliche Pressemitteilungen gegeben habe, wonach der ganze Standort vom Verkauf betroffen sei. „Wie zuvor kommuniziert, ist aber nur der Teil betroffen, der für Fertigung von ,Talent 3‘ genutzt wird.“ Die Entwicklungen in Hennigsdorf will Stefanie Jahn, Erste Bevollmächtigte der IG Metall Oranienburg-Potsdam, genau verfolgen. „Grundsätzlich sind wir froh, dass die Übernahme genehmigt wurde. Wichtig ist, dass wir nun Regelungen finden, was mit den Arbeitsplätzen passiert.“

Laut Günther muss es nun darum gehen, „klare und verbindliche Konzepte, die den Standort und die Arbeitsplätze der Mitarbeiter langfristig sichern“, von Alstom sowie dem weiteren Käufer zu bekommen. Die Beschäftigten in Hennigsdorf würden über jahrelange Erfahrung und hohe Fachkompetenz im Bereich Schienenverkehrstechnik verfügen. „Sie verdienen verlässliche Aussagen zur Zukunft ihrer Arbeitsplätze. Frühzeitig und klar müssen deshalb die Perspektiven für sie und damit auch ihre Familien benannt und kommuniziert werden.“

Die Zustimmung aus Brüssel kam am Freitag nicht unerwartet. Dennoch sind die Erinnerungen an 2019 noch frisch. Damals war der ICE-Hersteller Siemens mit dem Vorhaben gescheitert, den TGV-Hersteller Alstom zu übernehmen. Nach Angaben der EU-Behörde wäre auch der aktuelle Zusammenschluss ohne die Zusagen nicht genehmigt worden, weil die Dominanz des fusionierten Unternehmens zu groß geworden wäre.

Optimistisch stimmt Bürgermeister Thomas Günther, „dass Alstom erneut den Kontakt mit der Stadt aufgenommen hat, um über die nächsten Schritte zu informieren“. Der Konzern habe sich „uns gegenüber ausdrücklich zum Standort Hennigsdorf, den hier vorhandenen Produktionskapazitäten und den qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern positiv geäußert“. Günther weiter: „Diese positiven Zeichen nehmen wir gerne auf und sind jederzeit zu Gesprächen über die weitere Entwicklung bereit.“

Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) sieht eine gute Perspektive für das Werk und zeigte sich zuversichtlich, dass das Gros der Arbeitsplätze erhalten werden kann. „Wir haben klare Zusagen von Alstom, dass sie die zusätzliche Produktionskapazität dringend benötigen und damit auch den großen Teil der Beschäftigten in Hennigsdorf halten werden.“ Der Verkaufsprozess müsse zügig über die Bühne gehen.  „Wir erwarten, dass nach einem Verkauf weiterhin Talent 3-Züge ,made in Hennigsdorf‘ aus den Werkshallen rollen und setzen darauf“, sagte Steinbach.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG