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"Beim Joggen höre ich Heavy-Metal" - Sänger Peter Orloff über den Schwarzmeer-Kosakenchor, seine Beziehung zur Musik und zu Russland

Hat keine Berührungsängste: Wer glaubt Peter Orloff hört privat nur Kosakenlieder, der irrt. Zu seinen Favoriten gehört auch die Musik der 2011 verstorbenen Sängerin Amy Winehouse.Foto: Manfred Esser
Hat keine Berührungsängste: Wer glaubt Peter Orloff hört privat nur Kosakenlieder, der irrt. Zu seinen Favoriten gehört auch die Musik der 2011 verstorbenen Sängerin Amy Winehouse.Foto: Manfred Esser © Foto: privat
Ulrike Kirsten / 19.01.2013, 08:00 Uhr
Oranienburg (MZV) Als Jugendlicher begann er seine Karriere im Schwarzmeer-Kosakenchor. Heute ist Peter Orloff der künstlerische Leiter des Ensembles, das zurzeit auf Jubiläumstour ist. Redakteurin Ulrike Kirsten sprach mit dem 68-Jährigen über seine Beziehung zu dem berühmten Chor, der vor 75 Jahren gegründet wurde.

Herr Orloff, Sie sind kommende Woche mit Ihrem Chor in Oranienburg. Waren Sie schon einmal hier?

Peter Orloff: In Oranienburg waren wir schon einmal vor ein paar Jahren. Ich kann mich daran sehr genau erinnern, weil es ein sehr schönes Konzert gewesen ist. Oranienburg ist ja ein Ort mit viel Geschichte. In der Kürze der Zeit haben wir uns aber leider nicht viel ansehen können. Vielleicht gibt es dieses Mal die Gelegenheit dazu.

Was erwartet die Besucher, wenn Sie mit dem Schwarzmeer-Kosakenchor in der Nicolaikirche auftreten?

Orloff: Wir bringen die schönsten Highlights aus unserem Programm, Klassiker wie den "Gefangenenchor", das "Ave Maria", "Das Ständchen" oder die Toccata in d-Moll, Werke aus der Liturgie wie "Ich bete an die Macht der Liebe" und die schönsten Kosakenlieder wie "Das einsame Glöckchen", "Die 12 Räuber", "Kalinka" und "Abendglocken". Außerdem haben wir drei wunderbare Instrumental-Virtuosen dabei, die früher schon mit Ivan Rebroff auf Konzert-Tour waren. Mit ihm habe ich in den 50er-Jahren im Schwarzmeer-Kosakenchor angefangen. Wir wollen den Menschen präsentieren, was sie von uns erwarten, haben aber viele zusätzliche Überraschungen parat.

Was ist denn Ihr persönliches Lieblingsstück des Programms?

Orloff: Gute Frage. Für mich ist jedes Lied wichtig und hat eine besondere Bedeutung. Ich versuche, unsere Stücke mit Liebe und Leben zu erfüllen. Insofern ist jedes Lied, was man gerade singt, das wichtigste.

Russisch ist gewissermaßen Ihre Muttersprache. Viele Lieder, die Sie mit dem Chor singen, sind in russischer Sprache.

Orloff: Genau genommen ist Russisch meine Vatersprache. Mein Vater ist Russe, meine Mutter Deutsche. Zu Hause bin ich russischsprachig aufgewachsen. Russisch ist mir also sehr vertraut.

Sie haben aber auch Schlager auf Deutsch gesungen und für andere Künstler deutsche Texte geschrieben.

Orloff: Ich habe mit 14 Jahren als jüngster Sänger im Schwarzmeer-Kosakenchor angefangen. Die Lieder kannte ich aber schon als kleines Kind, noch bevor ich in die Schule kam. Die Sprache und die Lieder sind sozusagen in meine Seele übergegangen. Erst viel später habe ich begonnen, auf Deutsch zu singen. Das Sprachgefühl hat sich über die Jahre weiter entwickelt, sonst hätte ich gar keine Texte schreiben können. Thematisch ist der Chor natürlich ein Kontrastprogramm zu meiner Schlagerzeit, die ich nicht missen möchte. Der Schlager ist ein Teil meiner Karriere, auch wenn wir mit dem Chor eher ernste Musik machen, aber die kann ja auch heiter sein.

Was hören Sie eigentlich privat für Musik?

Orloff: Beim Joggen höre ich Volbeat, eine dänische Heavy-Metal-Band. Das ist schon ein bisschen heftiger. Ich mag Rockmusik, aber auch Opern. Erst kürzlich war ich in Wagners "Tristan", ein sehr intensives Erlebnis. Ich mochte Amy Winehouse, höre aber auch durchaus Schlager, wenn sie gut sind. Ich habe da keine Berührungsängste.

Was bedeutet es Ihnen, als musikalischer Leiter mit dem Chor unterwegs zu sein, den Ihr Vater einst mitbegründet hat?

Orloff: Das ist immer wieder ein berührendes Erlebnis, weil ich mit der Musik und dem Chor aufgewachsen bin. Die Aufgabe als musikalischer Leiter bestimmt derzeit mein künstlerisches Leben und ist eine Herausforderung - wir geben um die 200 Konzerte im Jahr - aber eine wunderbare Aufgabe. Ich bin sehr glücklich, dass ich diesen Weg mit tollen, außergewöhnlichen Kollegen gehen kann. Wir haben beispielsweise einen Tenor, den man tatsächlich als Kosaken-Pavarotti bezeichnen kann. Wir haben eben einfach die tiefsten Bässe und die höchsten Tenöre.

Apropos, tiefste Bässe, höchste Tenöre: Was unterscheidet denn Ihren Chor von den vielen anderen Kosakenchören, die durch die Lande ziehen?

Orloff: Wir sind einer der ältesten Chöre, wurden 1938 gegründet. Historisch betrachtet gehören wir zu den bedeutendsten Chören des vergangenen Jahrhunderts. Die Geschichte ist die eine Seite. Entscheidend ist aber, was wir heute in einem Konzert zeigen. Da stelle ich den Anspruch, jeden Abend das Beste auf die Bühne zu bringen, um den Menschen etwas Besonderen zu geben. Ich möchte ganz oben dabei sein, sozusagen in der Champions-League der Kosakenchöre mitsingen. Dort zu stehen, treibt uns immer wieder zu neuen Höchstleistungen. Für die Menschen soll es ein unvergessliches Konzerterlebnis werden. Wir wollen Spuren in den Herzen unserer Besucher hinterlassen.

Sie haben bereits erwähnt, was Ihre Sänger alles zu Gehör bringen. Auch Kalinka wird zu hören sein. Tanzen Sie auch dazu?

Orloff (lacht): Nein. In einer Kirche zu tanzen, wäre vermutlich unangemessen. In den 50er-Jahren haben wir noch Tänzer gehabt. Gelegentlich habe ich selbst den Kasatschok getanzt, aber das ist lange her, zuletzt 1974, als ich die ZDF-Hitparade gewonnen habe. Das hat geklappt, zu meiner eigenen Überraschung. Damals in den 50er-Jahren hatten wir schon typisch russische Instrumente dabei, die wir nun auch in den Kirchen dabei haben. Das ist sicherlich eine Entwicklung, die eine Erweiterung unseres Repertoires bedeutet. Ich habe mir viele Gedanken gemacht, dass wir uns mit unserem Programm von allen anderen Kosakenchören abheben. Sicherlich gibt es welche, die sich an uns orientieren. Den Eindruck habe ich zumindestens manchmal, wenn man deren Ankündigungen liest. Das, was in der Werbung steht, ist aber das eine. Ich möchte die Erwartungen der Menschen noch übertreffen.

Beschäftigen Sie sich mit der Geschichte der Kosaken?

Orloff: Meine Familie ist eine der bekanntesten russischen Adelsgeschlechter und hat in der russischen Geschichte Spuren hinterlassen. Kosaken waren Elitekrieger, die die Grenzen Russlands mit gesichert haben, darunter legendäre Atamane. Ich bin ja selbst von meiner Truppe als Ataman, also zum Kosakenführer, gewählt worden. Es gibt eine Reihe hochspannender Kosakenführer, die die russische Geschichte mitgeschrieben haben. Meine eigene Familie hat auch Anteil daran. Einer meiner Vorfahren soll sogar der heimliche Geliebte von Katharina der Großen gewesen sein.

Sind Sie denn regelmäßig in Russland unterwegs?

Orloff: Regelmäßig nicht, aber gern. Wir waren schon mehrfach in Russland, sind einmal im russischen Fernsehen aufgetreten. Ein in Europa oder Deutschland tätiger Chor ist für die Russen noch immer etwas ganz Besonderes. An sich haben die Russen ja auch ein Menge ausgezeichnete Ensembles.

Wenn Sie eine Konzert beendet haben, gibt es danach für alle Chormitglieder einen Wodka?

Orloff (lacht): Wir harmonieren als Gemeinschaft so gut miteinander, da liegt das nahe und ist im Grunde nicht abwegig. Ab und zu machen wir das tatsächlich. Das ist immer abhängig von Zeit und Tourneeplanung.

Das Konzert findet am Donnerstag, 24. Januar, um 19.30 Uhr statt. Karten kosten 21 Euro und sind unter anderem im Tourismusbüro, Bernauer Straße 52, erhältlich.

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