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Sonntagsausflügler in Nassenheide kurzfristig aus dem Verkehr gezogen

Auf heißen Reifen

Lieber mal nachfragen: Die Art des Auspuffs ist den Polizeibeamten nicht bekannt und daher erstmal einmal eine Kontrolle wert. Fachmann Ingo Friedrich von der Dekra (rechts) konnte aushelfen.
Lieber mal nachfragen: Die Art des Auspuffs ist den Polizeibeamten nicht bekannt und daher erstmal einmal eine Kontrolle wert. Fachmann Ingo Friedrich von der Dekra (rechts) konnte aushelfen. © Foto: MZV
Heike Weißapfel / 21.07.2014, 08:12 Uhr
Nassenheide (MZV) Heißes Wochenend und praller Sonnenschein: Einen unfreiwilligen kurzen Zwischenstopp auf dem Weg zum Badesee legten am Sonntag viele Auto- und Motorradfahrer bei der Straßenmeisterei in Nassenheide ein. Dort kontrollierte die Polizei.

"Es gibt einen leichten Rückstau auf der B 96 am Ortseingang Nassenheide", ertönt eine Stimme aus dem Funkgerät. "Und die Ursache?", fragt Polizeimeisterin Marina Kura zurück. Kurzes Zögern am anderen Ende. "Naja. Wir."

Wer am Sonntag auf der Bundesstraße 96 aus Richtung Oranienburg nach Nassenheide zu schnell unterwegs ist, kann sicher sein, dass das nicht unbemerkt bleibt. Zudem werden fast alle vorbeikommenden Motorradfahrer auf den Hof der Straßenmeisterei an der Berliner Chaussee gewinkt.

"Sie halten mich doch nur an, um meine schöne Maschine zu bewundern", sagt Egon Guthörl, steigt von der blendend weißen Moto Guzzi, nimmt den Helm ab und lächelt die ihn umstehenden Polizeibeamten gewinnend an. "Das erlebe ich öfter." Der Berliner hat gut Lachen. Sein 45 Jahre altes Zweirad, das sogar einmal in Diensten der italienischen Polizei gestanden habe, wie er nebenbei erzählt, scheint tiptop in Schuss. "Schön, schlicht und elegant" sagt Egon Guthörl - aber keineswegs zu schnell. Nur eine Kontrolle, nichts ist dem Berliner vorzuwerfen, und so setzt Egon Guthörl knapp zehn Minuten später seinen Ausflug nach Löwenberg fort.

Zum Betrachten von gut gepflegten Motorrädern haben die Beamten an diesem Sonntag reichlich Gelegenheit. Viele Berliner sind in kleinen Gruppen unterwegs, machen eine Tour rund um die Stadt oder wollen weiter bis an die Mecklenburgische Seenplatte.

"Wir haben aber nicht alle so viel Ahnung davon, ob die technischen Bedingungen erfüllt sind", sagt der Einsatzleiter, Erster Polizeihauptkommissar Michael Rittmüller, der mit 20 Kräften im Einsatz ist, gleich dazu. Für Zweifelsfälle haben sich die Polizeibeamten der Unterstützung Ingo Friedrichs von der Dekra versichert, der jeweils herbeigerufen wird, wenn geklärt werden soll, ob angebaute Teile genehmigt sind oder nicht. Der Berliner BMW-Fahrer lässt die Rückseite seines Gefährts entspannt betrachten. Mit dem Akrapovic-Auspuff ist alles in Ordnung, bestätigt Ingo Friedrich. Auf den Rollenprüfstand muss die Simson zweier junger Leute auf dem Weg zur Ostsee. Aber das Moped erweist sich als nicht getunt.

Ein Zweiradfahrer aus dem Kreis Neustrelitz zeigt seine Papiere weniger erfolgreich vor. Der Nachweis auf die Zulässigkeit der Auspuffanlage fehlt, und Ingo Friedrich hat noch ein paar weitere Beanstandungen an seinem Krad. Der Mängelschein weist aus, was er in sieben bis zehn Tagen abgearbeitet haben muss. Aber erstmal darf der Fahrer weiter. Drei Autofahrer und einem Kradfahrer ergeht es allerdings im Laufe des Tages anders: Wegen Drogen und Alkohol beziehungsweise Verdacht auf Urkundenfälschung in Zusammenhang mit den Kennzeichen dürfen sie nicht mehr motorisiert vom Hof.

Vor allem am Vormittag ist der Verkehr lebhaft. Schon nach anderthalb Stunden haben die Beamten nahezu 100 Fahrzeuge abgefertigt. Ein wenig früher an sein Ziel kommen wollte sicher der Fahrer eines voll besetzten Reisebusses aus Mecklenburg-Vorpommern. Stattdessen dauert es für die Fahrgäste nun ein wenig länger. Mit 99 anstelle der für dieses Gefährt erlaubten 80 Stundenkilometer ist er auf dem Abschnitt gelasert worden. Es ergeht ihm wie einem Kollegen, der seinen Bus mit Tempo 98 lenkt sowie einem Quadfahrer und den Besitzern mehrere Gespanne, die für ihre Tonnage zu schnell sind. Neben 46 Temposünden werden 40 sonstige Verstöße geahndet. Möchten sie gleich per Online-Überweisung zahlen oder die Zahlkarte mitnehmen?

Ordnungswidrigkeiten können an Ort und Stelle beglichen werden. Bis zu 55 Euro können die Beamten vor Ort einnehmen. 24 Fahrzeugführer machen an diesem Sonntag davon Gebrauch, mehr als 800 Euro kommen zusammen, berichtet Polizeipressesprecher Toralf Reinhardt anschließend.

"Die meisten Leute sind ja einsichtig und wissen schon selbst, was sie falsch gemacht haben", sagt Reinhardt. Wohl auch deshalb blieben die meisten Verkehrsteilnehmer freundlich und ließen mit sich reden. Das war aufseiten der Polizeibeamten auch der Sinn des Ganzen - viele Gespräche zu führen, um die Sicherheit aller zu erhöhen.

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