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Zahlreiche Leser identifizieren Pflanze eines Mühlenbeckers

Giftige Kermesbeere ist gar nicht so selten

Zierde oder Last? Ralf Herrmann aus Hennigsdorf hat dieses Exemplar bei einem Ausflug in Lübbenau entdeckt.
Zierde oder Last? Ralf Herrmann aus Hennigsdorf hat dieses Exemplar bei einem Ausflug in Lübbenau entdeckt. © Foto: MZV
Jürgen Liebezeit / 17.09.2014, 06:46 Uhr
und Petra Wolf Oberhavel (MZV) Schneller als erwartet bekam Ullrich Pietermann das Rätsel seiner unbekannten Pflanze im Garten gelöst. Morgens um 8.33 Uhr riefKlaus Sapiha bei ihm an, um ihm zu berichten, dass es sich bei dem Gewächs um die "Asiatische Kermesbeere", auch "Essbare Kermesbeere" genannt, handelt. Der Name ist eigentlich irreführend, denn alle Pflanzenteile sind schwach giftig. Sie kommt offenbar häufiger in unseren Breitengeraden vor, als der Name es vermuten lässt. Mehr als 50 Mails und Anrufe bekamen wir mit der Lösung, die meisten Antworten kamen aus Oberhavel, entdeckt wurde die Pflanze aber auch in Bremerhaven und in Süddeutschland. Anderen Lesern erging es wie den Pietermanns aus Mühlenbeck. Sie kannten die attraktive Pflanze nicht.

Einige Leser hatten ein paar Tipps parat. "Man sollte sehr zurückhaltend sein mit dem Bestreben, ein solches Exemplar im Garten zu haben. Denn die Vögel verbreiten den Samen durch ihren Kot, so dass es gut sein kann, dass im nächsten Jahr eine schöne Reihe Pflanzen entlang des Zauns wächst", warnt Dörte Jahn aus Oranienburg. Michael Wichmann berichtet Ähnliches: "Das kann eine richtige Plage werden." Jola Friecke aus Quedlinburg buddelt die Pflanze nur mit Handschuhen aus. Sie rät, dabei sehr tief zu graben. Die Pflanze entsorgt sie über den Hausmüll. Ursula Fischer aus Leegebruch warnt ausdrücklich vor der Kermesbeere. "Selbst nach Berührungen der Pflanze sollte man sich die Hände waschen, ehe man mit anderen Dingen in Kontakt kommt." Sie will die Kermesbeere jetzt für einige Jahre aus dem Garten verbannen, weil sie "für meine kleinen Enkel zu gefährlich ist".

Insgesamt wird die Pflanze von den meisten Lesern nicht als Unkraut, sondern als schön anzusehende Staude geachtet. Sie ist allerdings eine Einwanderin, nicht bei uns heimisch. Wie viele Neophyten breitet sie sich sehr schnell aus, da sie keine natürlichen Feinde hat, und verdrängt andere Arten. Die Samen und abgekochte Wurzeln sollen gegen Schnecken im Garten helfen. In China werden die weißen Blüten sogar zur Schlaganfall-Verhütung eingesetzt.

Ermutigt durch den Erfolg bei der Suche nach dem Namen der Pflanzen starten wir nun eine neue Reihe. Unter dem Stichwort "Leser helfen Lesern" veröffentlichen wir in loser Folge Fotos von unbekannten Tieren und Pflanzen aus der Region. Wenn Sie also ein markantes Gewächs im Garten pflegen, sich aber seit Jahren schon fragen, wie die Pflanze denn heißt, schicken Sie uns ein Bild. Unsere Leser bekommen bestimmt heraus. Ähnliches gilt für Fotos von Tieren aus Oberhavel. Die Bilder senden Sie mit dem Betreff "Leser helfen Lesern" an unsere Lokalredaktionen.

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bbiwu 17.09.2014 - 08:35:06

Es kommt auf die Dosierung an!

Wohl dosiert ein Segen, falsch dosiert eine Qual. Anderes Beispiel für die richtige Dosierung, der Verzehr des Kugelfisches. Ausserdem, jeder reagiert eben auf seine Weise. Grundsätzlich etwas zu verdammen, das ist falsch. Auszug siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Kermesbeeren Nutzung Für Säugetiere sind sie aufgrund der Triterpensaponine (Phytolaccagenin) und Lectine gering giftig bis giftig. Die Konzentration der giftigen Inhaltsstoffe nimmt wie folgt ab: Wurzel, Blatt, Stamm, Frucht unreif, Frucht reif. In der Homöopathie werden Extrakte aus der Wurzel bei Grippe, Angina und (Gelenk-)Rheumatismus, sowie bei Milchstau oder Mastitis eingesetzt. Wegen der Giftstoffe müssen nahrungsmitteltaugliche Produkte der Kermesbeeren behandelt oder entsprechend zubereitet werden. Die Beeren enthalten dunkelroten bis schwarzen Farbstoff, der als Nahrungsmittelfarbe verwendet werden kann. Nach verschiedenen Quellen wurde in Frankreich zur Zeit Ludwig XIV. das Nachfärben von Rotwein mit dem Saft von Kermesbeeren mit der Todesstrafe bedroht. Die nordamerikanischen Indianer verwendeten den Saft zum Einfärben von Korbwaren. Um Wolle fuchsinrot zu färben, wird die mit Alaun oder Weinstein vorgebeizte Wolle in einen mit Essig gesäuerten Extrakt des Farbstoffes getaucht. Die Blätter haben eine elliptische Form. In Amerika werden junge Blätter der Kermesbeeren (engl. pokeweed) ähnlich wie Spinat zubereitet. Pokeweed wird in den USA auch als polk salad bezeichnet und spielte in der Küche Louisianas früher eine wichtige Rolle. Tony Joe White schrieb darüber den Song Polk Salad Annie, der auch von Elvis Presley gecovert wurde. Die Sprossen haben spargelähnlichen Geschmack. Im Jahr 1989 erhielten Aklilu Lemma und Legesse Wolde-Yohannes für ihre profunde Erforschung der Eigenschaften der Endod-Pflanze (Phytolacca dodecandra) als preiswertes Vorbeugungsmittel gegen Bilharziose sowie für ihren Kampf zur Überwindung der Voreingenommenheit der westlichen Medizin gegenüber der Forschung der Dritten Welt den Right Livelihood Award. - - - - - - - - - - - - - - - Problematisch ist für unsere heimischen Wälder Folgendes, kann man auch dort lesen Invasive Art Keine der Arten ist in Mitteleuropa heimisch, sondern sie zählen in Mitteleuropa zu den Neophyten. Ob eine schädliche Wirkung auf die einheimische Flora vorliegt, war 2002 noch nicht bekannt. Die Landauer Geoökologin Constanze Buhk warnt, „nach neueren Studien hätten selbst Buchen Schwierigkeiten, auf dem Boden, der von Phytolacca spec. belastet ist, überhaupt keimen zu können. Das mache sie dann entsprechend so konkurrenzstark und damit gefährlich, weil sie dann wirklich alles platt machen könne“. „In vielen Gärten Süddeutschlands findet man sie inzwischen als ‚Dauer-Gast‘.“

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