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OVG-Chef Fischer soll sich bei der Gedenkstättenleitung entschuldigen

Übergabe: Dik de Boef, Horst Seferens und Günter Morsch (v.l.) brachten der OVG 14 127 Unterschriften. Kurz darauf öffnete sich die Bürotür von OVG-Chef Klaus-Peter Fischer.
Übergabe: Dik de Boef, Horst Seferens und Günter Morsch (v.l.) brachten der OVG 14 127 Unterschriften. Kurz darauf öffnete sich die Bürotür von OVG-Chef Klaus-Peter Fischer. © Foto: MZV
Klaus d. Grote / 29.11.2016, 22:15 Uhr
Oranienburg (OGA) Großes Unverständnis löste am Dienstag das Verhalten von Klaus-Peter Fischer, Chef der kreiseigenen Oberhavel Holding und der dazu gehörenden Oberhavel Verkehrsgesellschaft (OVG) gegenüber Vertretern der Gedenkstätte Sachsenhausen aus. Die Landtagsabgeordnete Gerrit Große (Linke) bezeichnete Fischers Verhalten als "völlig inakzeptabel" und forderte eine Entschuldigung. Der Grünen-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Thomas von Gizycki, sprach von einem Imageschaden für die Region und die Stadt Oranienburg. Was Fischer dazu brachte, derart brüsk zu reagieren, bleibe auch nach der Erklärung von Landrat Ludger Weskamp (SPD) völlig unklar, so von Gizycki.

Fischer telefonierte zwar am Dienstag mit Morsch. Eine Entschuldigung blieb jedoch aus. Fischer bat lediglich um einen Gesprächstermin, nachdem er von Weskamp dazu aufgefordert worden war. Der Landrat verlangte, die "aufgeworfenen Fragestellungen" mit der Gedenkstättenleitung "eingehend zu besprechen".Weskamp sagte außerdem: "Fischer hat mir glaubhaft vermitteln können, dass er zu keiner Zeit beabsichtigt hat, die Gefühle des Stiftungsdirektors und des Generalsekretärs zu verletzen".

Gedenkstättenleiter Günter Morsch, sein Sprecher Horst Seferens und der Generalsekretär des Internationalen Sachsenhausen Komitees, der extra aus Amsterdam angereiste Dik de Boef, hatten am Montag 14 127 Unterschriften von Besuchern, die eine bessere Busanbindung der Gedenkstätte fordern, überreichen wollen. Fischer wollte sie nicht empfangen. Er habe keine Zeit, ließ er mitteilen. Als die drei Männer in seinem Vorzimmer standen, öffnete Fischer kurz seine Bürotür und sagte in unfreundlichem Ton: "Ich freue mich nicht über ihren Besuch."

Nach der Berichterstattung fragten Leser am Dienstag, ob man bei einem solchen Verhalten des Geschäftsführers überhaupt Freundlichkeit von dessen Busfahrern erwarten dürfe. Andere holten gleich zu einer Generalkritik aus, bezeichneten die OVG als "unflexibel" und wenig an Kundeninteressen interessiert oder forderten den Rücktritt Fischers, um einen " fälligen Neustart" bei der OVG zu ermöglichen.

Der Landkreis hielt dagegen an seiner Auffassung fest, dass ein erhöhter Bedarf für die Buslinie 804 nicht ermittelt worden sei. Durchschnittlich würden nicht mehr als zehn Personen die Linie nutzen. Die überfüllten Busse vormittags und nachmittags, in denen ein Zustieg an den Haltestellen zwischen Bahnhof und Gedenkstätte oft nicht möglich ist, sprechen dagegen eine andere Sprache.

Oberhavels SPD-Vorsitzende Andrea Suhr kritisierte das Verhalten Fischers ebenfalls, sagte aber auch, dass eine Veränderung der Taktzeiten bei der OVG anzumelden sei, die dann einen Probebetrieb durchführen könne. "Wenn die Fahrgastzahlen belegen, dass tatsächlich ein Bedarf besteht, wird die Taktzeit entsprechend angepasst und in den Nahverkehrsplan aufgenommen", sagte Suhr.

Der gerade verabschiedete Nahverkehrsplan für die kommenden fünf Jahre sieht keine Taktverdichtung vor. Die Gedenkstätte startete deshalb im Mai die Unterschriftenaktion. Viele ältere Besucher, aber auch Oranienburger, fordern in Kommentaren einen besseren Service der OVG. Direktor Morsch will, dass zu den Spitzenzeiten zwischen 10 und 13 Uhr sowie zwischen 14 und 17 Uhr mehr Busse fahren sollten, um die großen Besucherströme zu bewältigen.

Die Fraktionsvorsitzende der Linken im Kreistag, Elke Bär, erinnerte an ihre Anfrage im Kreistag für eine bessere Busanbindung der Gedenkstätte. "Die Mehrheit aus CDU und SPD sah dafür jedoch keine Notwendigkeit", so Bär. Gerrit Große sagte, "wo ein Wille ist, ist auch ein Weg". Zumindest in der Kreisverwaltung und bei der Mehrheit im Kreistag ist dieser Wille trotz jahrelanger Forderungen der Gedenkstätte und trotz der nun vorliegenden 14 127 Unterschriften bislang nicht zu erkennen.

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