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Nach Besucherbefragung hält Pirat Axel Heidkamp eine Taktverdichtung zur Gedenkstätte für unzureichend

Bus zur Gedenkstätte Sachsenhausen - komplexes Problem

Besucher der Gedenkstätte im März: Viele würden gerne mit dem Bus fahren, wenn sie nicht so lange warten müssten.
Besucher der Gedenkstätte im März: Viele würden gerne mit dem Bus fahren, wenn sie nicht so lange warten müssten. © Foto: MZV
Klaus D. Grote / 14.03.2017, 08:49 Uhr
(OGA) Oranienburg (OGA) Der Pirat Axel Heidkamp hat die erste Befragung von Besuchern der Gedenkstätte zum bestehenden Busangebot hinter sich. Innerhalb von zwei Tagen hat er ganz alleine die Meinung von 682 Personen eingefangen.

Zwei Tage lang harrte Axel Heidkamp für jeweils sechs Stunden an der Bushaltestelle in der Straße der Nationen, in Sichtweite zur Gedenkstätte, aus. Er zählte die Besucher, die aus den Bussen ausstiegen oder zu Fuß kamen und verteilte Kärtchen mit Fragen, die auf vier Sprachen formuliert waren.

381 der Befragungsteilnehmer antworteten auf die Frage, warum sie nicht mit dem Bus zur Gedenkstätte fahren, ihnen sei die Wartezeit zu lang. Weitere 107 Personen gaben an, dass ihnen der Bus zu voll gewesen sei. 194 Besucher erklärten, gerne zu Fuß zu gehen. 488 Personen seien also potenzielle zusätzliche Fahrgäste, so Heidkamp. Von ihm gezählt wurden 428 Menschen, die aus dem vom Bahnhof kommenden Bus ausstiegen.

Nur vier Besucher in zwei Tagen stiegen aus dem Bus aus, der aus Malz kommend in der Gegenrichtung unterwegs war. 325 Besucher stiegen an der Gedenkstätte in den Bus zum Bahnhof, niemand in den Bus nach Malz. In den Bussen wurden 273 weitere Fahrgäste, die keine Gedenkstättenbesucher waren, in Richtung Bahnhof sowie 154 Fahrgäste in Richtung Malz gezählt. Da er allein und ohne technische Hilfe gezählt habe, könnten die tatsächlichen Werte von der Zählung leicht abweichen. "An der Tendenz ändert das aber nichts", sagte Heidkamp.

Die Gedenkstättenleitung fühlt sich durch die Zählung bestätigt. "Hunderte von Besuchern aus aller Welt gehen notgedrungen den Weg zwischen Gedenkstätte und Bahnhof zu Fuß, weil es kein Busangebot gibt. Der Bedarf liegt auf der Hand, jetzt sind schnelle Lösungen gefordert", sagte Sprecher Horst Seferens.

Die Befragung sei wegen der Methodik zwar nicht repräsentativ, sagte Kreissprecher Ronny Wappler, "die Ergebnisse sind aber interessant". Immerhin würden viele Besucher auch gerne zu Fuß gehen. Heidkamp habe weitere interessante Erkenntnisse geliefert, die zu erörtern seien. Wappler verwies auf den am Donnerstag tagenden Nahverkehrsbeirat. Für eine Verbesserung der Situation seien Zahlen wichtig, sagte Wappler, "nicht nur Gefühle".

Für ein anberaumtes Gespräch zwischen Kreisverwaltung und Gedenkstättenleitung gebe es noch keinen Termin. Der Kreis will erneut eine Fahrgastzählung in der Buslinie 804 durchführen. Landrat Ludger Weskamp (SPD) hatte den Nahverkehrsplan als "bindend" bezeichnet. Axel Heidkamp entgegnete nun, der für viel Geld erstellte Nahverkehrsplan habe für die Gedenkstätte keinen Wert. "Sie kommt im Plan nicht vor", sagte Heidkamp.

Die Besucherbefragung durch die Piraten ist eine Reaktion auf die Fahrgastzählung der Oberhavel Verkehrsgesellschaft (OVG) im Januar. Diese führte laut Kreisverwaltung zu dem Ergebnis, dass das bestehende Angebot ausreiche. Nur ein einziger Bus sei damals überfüllt gewesen. Die OVG hatte die Zählung durchgeführt, nachdem die Gedenkstätte im vergangenen Jahr 14 127 Unterschriften für ein verbessertes Busangebot gesammelt hatte. OVG-Chef Klaus-Peter Fischer hatte die Annahme der Unterschriften verweigert.

Nach Ansicht von Axel Heidkamp ist das Problem der Anbindung der Gedenkstätte an den Personennahverkehr "komplex". Denn mit einer Taktverdichtung der Buslinie 804 sei der bestehende Engpass nicht gelöst. Die Piraten unterstützen ohnehin die Idee, die Linie 824 von Hennigsdorf zum Bahnhof Oranienburg über die André-Pican-Straße mit Anschluss der Turm-Erlebniscity zu verlängern. Wichtig sei auch, den Tierpark Germendorf mit jährlich 300 000 Besuchern vernünftig ans Busliniennetz anzubinden, forderte Heidkamp.

Für eine Stadtbuslinie sieht der Kreistagsabgeordnete die Stadtverwaltung in der Pflicht. Schließlich würden die inzwischen mehr als 700 000 Besucher pro Jahr auch Geld in der Stadt lassen. Bei durchschnittlich zehn Euro pro Person seien das sieben Millionen Euro jährlich, rechnete Heidkamp vor. Mit einer Stadtbuslinie würden möglicherweise noch mehr Besucher und Geld in Oranienburg bleiben.

Problematisch sei bei einer Taktverdichtung die Belastung der Anwohner in der Straße der Nationen. Die würden unter dem Lärm fahrender Busse und vom Kopfsteinpflaster verursachten Vibrationen leiden. Das hätten ihm mehrere Anwohner in Gesprächen berichtet, so Heidkamp. "Ausschlafen am Wochenende geht da nicht.

Wenn der erste Bus am Wochenende durchgefahren ist, sind alle wach." In einem Haus sei durch die Erschütterungen sogar der Kamin von der Wand gerückt. Er selbst habe beobachtet, dass ein vorbeifahrender Bus die Alarmanlage eines parkenden Pkw ausgelöst habe. Mit laufendem Motor wartende Busse würden im Sommer für Gestank auf den Terrassen der Anwohner sorgen. Die Wendeschleife für Busse müsse ausgebaut und die 370 Meter lange Straße der Nationen asphaltiert werden, fordert Heidkamp. Auch eine bessere Beschilderung für Fußgänger zur Gedenkstätte sei notwendig. Einige Befragte seien auf dem Weg falsch abgebogen. "Die Busanbindung ist ein komplexes Thema. Doch viele Probleme lassen sich innerhalb von vier Wochen lösen", ist Heidkamp überzeugt.

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