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Klärschlammverbrennung im Gewerbegebiet bleibt umstritten

Umstrittener Platz: Vor sieben Jahren wurden auf dem Gelände, auf dem jetzt die Klärschlammverbrennungsanlage geplant ist, auch schon mal Oberhaveler Müllballen gelagert.
Umstrittener Platz: Vor sieben Jahren wurden auf dem Gelände, auf dem jetzt die Klärschlammverbrennungsanlage geplant ist, auch schon mal Oberhaveler Müllballen gelagert. © Foto: Friedhelm Brennecke
Friedhelm Brennecke / 11.01.2018, 21:09 Uhr
Germendorf/Leegebruch (OGA) "Ich bin für Transparenz und hielt es deshalb für meine Pflicht, Ortsvorsteher Olaf Bendin über das zu informieren, was auf einem benachbarten Grundstück geplant ist", sagt ERV-Geschäftsführer Peter Heydenbluth. Gemeint ist die Klärschlammverbrennungsanlage, die das Bruchsaler Unternehmen Intec Engineering auf einer 10 000 Quadratmeter großen Fläche im Germendorfer Gewerbegebiet an der Veltener Straße errichten will (wir berichteten).

Gleichzeitig stellt Heydenbluth, der auch Präsident der Industrie- und Handelskammer Potsdam ist, klar, dass das betreffende Grundstück nicht zu seinem Unternehmen gehöre, sondern im Eigentum einer Berliner Firma stehe. Dort wurden vor sieben Jahren zwischendurch auch schon mal Ballen mit Restmüll aus Oberhavel gelagert. Das sorgte damals wegen der davon ausgehenden Geruchsbelästigung für erhebliche Proteste in Germendorf.

"Ich habe ansonsten mit dem geplanten Vorhaben einer Klärschlammverbrennungsanlage nichts zu tun", sagt Heydenbluth. Gleichwohl glaube er nicht, dass der Lkw-Verkehr zu einer solchen Anlage sich durch die Dörfer quäle. "Das Gewerbegebiet Veltener Straße ist doch extra über die B 96-neu bestens an das Autobahnnetz angebunden", sagt er. Im Übrigen sei eine solche Anlage im Germendorfer Industrie- und Gewerbegebiet grundsätzlich zulässig, sagt Heydenbluth.

In Bergen auf Rügen ist seit vorigem Juni eine Klärschlammverwertungsanlage in Betrieb. Sie ist für 92 000 Einwohnergleichwerte ausgelegt und nimmt sämtlichen Klärschlamm aus den kommunalen Anlagen der Ostseeinsel auf. Gut zwölf Millionen Euro hat der Zweckverband Wasserversorgung und Abwasserbehandlung Rügen (ZWAR) in den Bau der Anlage investiert. Die Anlage, die für rund 2 500 Tonnen Klärschlamm im Jahr konzipiert ist, besteht aus einer vorgeschalteten Schlammfaulung und -trocknung, einer Verbrennung und einer Abgasreinigung. Das entstehende Faulgas wird in einem Blockheizkraftwerk zu Strom (330 kW) und Wärme (360 kW) umgewandelt. Aus der anfallenden Asche soll später Phosphor recycelt werden. Nach der Bundes-Klärschlammverordnung muss Phosphor rares, aber unverzichtbares chemisches Element ab 2029 aus Klärschlamm zurückgewonnen werden. Schon heute darf Klärschlamm wegen seines Schadstoffgehaltes nicht mehr ohne Weiteres zur Düngung auf Felder aufgebracht werden.

Die Leegebrucher CDU-Fraktion hat bereits ihren Widerstand gegen eine Klärschlammverbrennungsanlage im Germendorfer Gewerbegebiet angekündigt. Auf Betreiben ihres Vorsitzenden Martin Hinze, der sich vor 16 Jahren als Mitglied der Bürgerinitiative gegen die geplante Müllverbrennungsanlage engagierte, hat die Gemeinde den Hamburger Umweltgutachter Klaus Koch um Hilfe gebeten. Der soll eine Stellungnahme für die Gemeinde zum Scoping-Verfahren über die geplante Anlage erarbeiten. Darum hatte das Landesamt für Umwelt in einem Schreiben vom 30. November die Gemeinde bereits bis zum heutigen Freitag, 12. Januar, gebeten. Wie in dieser kurzen Zeit bei einem derart umweltrelevanten Verfahren eine fachlich qualifizierte Stellungnahme erfolgen soll, bleibt das Geheimnis des Landesamtes. Es hat der Kommune jetzt eine Fristverlängerung bis zum 28. Februar zugestanden. Auch Oranienburgs Stadtverordnete sind über die Pläne des Bruchsaler Unternehmens bereits informiert worden.

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