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Horst Jäkel, Sprecher der Bürgerinitiative "Contra Eierfabrik Oranienburg" zur Auslegung der Pläne für eine Legehennenanlage

Legehennenanlagen
"Wir liefern den Bürgern Argumente"

Demo der BI COntra Eierfabrik in Zehlendorf 170531
Demo der BI COntra Eierfabrik in Zehlendorf 170531 © Foto: MZV
Klaus D. Grote / 18.01.2018, 14:07 Uhr
Zehlendorf (OGA) In Zehlendorf ist der Bau von zwei Legehennenanlagen mit insgesamt 42 000 Hühnern geplant. Ein identischer Doppelstall ist später in Wensickendorf vorgesehen. Für das Genehmigungsverfahren der Anlage in Zehlendorf werden vom 24. Januar bis 23. Februar die Pläne öffentlich ausgelegt. Einwendungen sind bis zum 23. März möglich. Die Bürgerinitiative (BI) "Contra Eierfabrik Oranienburg" ruft jetzt zur Beteiligung an dem Genehmigungsverfahren auf. Mit dem BI-Sprecher Horst Jäkel sprach Klaus D. Grote.

Herr Jäkel, warum sollen sich Bürger an dem Genehmigungsverfahren beteiligen?

Horst Jäkel: Es ist wichtig, dass jeder Bürger seine eigene Betroffenheit zum Ausdruck bringt. Das kann die Sorge um Keimbelastungen sein, die durch den Abtransport von Hühnerkot entstehen könnten, oder die Sorge um einen sicheren Schulweg oder einen Wertverlust des eigenen Grundstücks. Der Landesverband des Bundes für Umwelt- und Naturschutz bietet auf seiner Homepage Tipps zum Schreiben einer Stellungnahme.

Ihre Bürgerinitiative lädt ein zu Werkstattgesprächen. Was ist dort geplant?

Wir wollen den Bürgern Argumente für ihre Einwendungen liefern. Kommenden Montag werden wir ab 14.30 Uhr an einem Infostand in der Bernauer Straße, Ecke Sachsenhausener Straße darüber informieren. Drei Termine stehen schon fest: am 26. Januar ab 18 Uhr in der Kirche Schmachtenhagen, am 27. Januar ab 16 Uhr in der Kirche Zehlendorf und am 31. Januar ab 19 Uhr in der Kirche Wensickendorf. Wir planen weitere Gespräche in andern Ortsteilen und der Kernstadt.

Es bleibt nicht viel Zeit.

Genau. Wichtig ist, dass alle Einwendungen fristgerecht beim Landesumweltamt eingehen. Nur dann werden die Stellungnahmen berücksichtigt. Und nur wer Einwendungen schreibt, bleibt am Verfahren beteiligt. Die Bürgerinitiative trifft sich wegen der Brisanz jetzt jede Woche.

Die Bürgerinitiative ruft außerdem zur Teilnahme an der Großdemo "Wir haben es satt" am Sonnabend in Berlin auf. Warum ist Ihnen die Teilnahme wichtig?

Wir wollen zeigen, dass ein großer Teil der Bevölkerung solche riesigen Anlagen und die Art der Tierhaltung, wie sie in Zehlendorf direkt neben meinem Grundstück geplant ist, nicht mehr akzeptiert. Die Demo-Teilnehmer stellen große Teile der konventionellen landwirtschaftlichen Produktion in Frage - parallel zur Verbrauchermesse Grüne Woche und zur internationalen Konferenz der Landwirtschaftsminister. Wir treffen uns am Sonnabend um 10.30 Uhr mit hoffentlich vielen Teilnehmern am Bahnhof Oranienburg und fahren dann nach Berlin. Die Demo beginnt um 11 Uhr am Hauptbahnhof.

Da Thema Massentierhaltung betrifft ja nicht nur die Eier, sondern auch die Fleischproduktion. Wo kaufen Sie ihr Fleisch ein?

Nur noch beim Biobauern. Seit ich mich im Zusammenhang mit der geplanten Legehennenanlage intensiv mit dem Thema befasse, will ich nichts anderes mehr kaufen. Es geht bei der Massenproduktion in Riesenställen nicht nur um das Tierleid, die Umweltbelastung und die zu geringen Einkünfte für die Landwirte, sondern auch um das eigene Wohl. Allein die Gefahren durch Antibiotika im Fleisch sind für mich ein Grund, auf solche Produkte zu verzichten.

Welche Chance hat aus Ihrer Sicht eine Verhinderung der Legehennenanlage?

Es war sehr positiv, dass die Stadt Oranienburg ihr Einvernehmen verweigert und dies gut begründet hat. Hier gilt Stadtverordneten und Verwaltung ein großes Lob. Für den Investor ist das eine große Hürde. Aber der ist auch wild entschlossen und wird sicherlich keinen Rückzieher von seinen Plänen machen. Unsere Hoffnung ist die Entscheidung des Landesumweltamtes.

Zwei Doppelställe


■ Investoren und Betreiber der Doppelstallanlage in Zehlendorf sind der Vortallen Legehennenbetrieb und die Firma Zehlendorfer Bioei GbR, beide mit Sitz in Haren im Emsland. Hinter den Firmen stecken der Harener Landwirt Josef Vortallen und Hendrik Jan Roest, Geschäftsführer des Oberhavel Bauernmarktes in Schmachtenhagen. Sie wollen später einen identischen Stall in Wensickendorf errichten.
■ Einsehbar sind die Pläne im Haus II der Stadtverwaltung, in der Kreisverwaltung (Haus 1, Zimmer 1.76) sowie im Landesumweltamt. Einwendungen an das Landesumweltamt sind bis zum 23. März möglich.
■ Alle fristgerecht eingegangenen Einwendungen werden am 23. Mai im Kultursaal des Oranienwerks ab 10 Uhr öffentlich erörtert. Reicht die Zeit nicht aus, wird der Termin an den folgenden Werktagen fortgesetzt.

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