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Handball-Drittligist Oranienburger HC muss nach 17:10-Führung gegen Empor Rostock noch bangen

Handball
Zitterpartie statt Kantersieg

Bester Werfer des OHC: Linus Dömeland erzielte neun Treffer, davon fünf vom Siebenmeterpunkt.
Bester Werfer des OHC: Linus Dömeland erzielte neun Treffer, davon fünf vom Siebenmeterpunkt. © Foto: Karsten Schirmer
Stefan Zwahr / 29.01.2018, 11:55 Uhr
Oranienburg (OGA) Wechselbad der Gefühle in der Oranienburger MBS-Arena: Die Drittliga-Handballer des OranienburgerHC schienen am Sonnabend auf dem Weg zu einem Kantersieg zu sein. Beim 17:10 schien die Partie gegen Empor Rostock gelaufen. Am Ende musste gezittert werden, um mit dem 21:20 den ersten Sieg des Jahres feiern zu können.

"Ich bin tausend Tode gestorben", räumte Co-Trainer Matthias Lessig nach dem Spiel ein. Seine Spieler konnten nicht so recht erklären, was im ersten Heimspiel des Jahres vor ausverkauften Rängen passiert war. Schier ungläubig blickten sie immer wieder auf die Anzeigetafel, wo "nur" ein knapper Sieg dargestellt war.

"Am Ende müssen wir glücklich sein, aber wir haben verdient gewonnen", bemerkte Trainer Christian Pahl. Über 45 Minuten habe seine Mannschaft ziemlich souverän gespielt. "Da haben wir eigentlich alles im Griff gehabt. Wir haben die ganze Zeit geführt." Über 6:2 (13.) und 11:5 (22.) erspielte sich der OHC eine 14:8-Pausenführung, die durchaus höher hätte ausfallen können. Die Oranienburger hielten das Tempo hoch, machten einige einfache Tore. "Wir haben viele Emotionen investiert und hohen Aufwand betrieben haben. In der Abwehr standen wir sicher und Ivan hat hervorragend gehalten", lobte der Coach. Es sei wahrscheinlich die beste erste Halbzeit in diesem Jahr gewesen.

Nach dem Wechsel blieb aus Sicht von Pahl zunächst "alles im Lot, wobei wir das Tempospielen schon einstellen". Das sei schon das erste Problem gewesen. "Wir brachten kein Tempo mehr auf den Ball, machten alles im Stand und mussten jedes Mal in den Positionsangriff." Dennoch: In der 37. Minute hieß es 17:10. In der Folge taten sich die Hausherren schwer, Chancen zu kreieren. Folglich gelang binnen 15 Minuten nur ein Treffer. Der Gegner holte auf und kam auf 18:17 heran (53.). Drei Minuten später führte der OHC mit 21:17, brachte aber keine Ruhe in das eigene Spiel. Pahl: "Die Jungs wurden zittrig, keiner wollte in den letzten zehn Minuten eine Entscheidung treffen. Dann wir das Spiel unglaublich eng." Das sei auch der Verunsicherung nach den beiden jüngsten Auswärtspleiten geschuldet.

Die letzte Viertelstunde sei aus Sicht von Pahl schlecht. "Da müssen wir anpacken." Für ihn waren die Szenen in der letzten Minute symptomatisch: Bei eigener Zwei-Tore-Führung hatte sein Team 40 Sekunden vor Schluss den Ball, schenkte diesen nach fünf Sekunden aber her und kassierte den Anschlusstreffer. "Die Jungs haben das Handballspiel nicht verlernt, aber das passiert dann einfach." Rostock kam aber nicht noch einmal an den Ball. Der Sieg war perfekt.

"Zum Glück haben wir das Spiel nicht aus der Hand gegeben. Über 60 Minuten betrachtet haben wir verdient gewonnen", betonte Linus Dömeland. Der 24-Jährige war mit neun Treffern der beste Werfer seines Teams. Fünf Tore erzielte er vom Siebenmeterpunkt - nachdem er gleich beim ersten Versuch gescheitert war. "Wenn man den ersten Siebenmeter verworfen hat, muss man dennoch mit Selbstbewusstsein wieder und ohne nachzudenken an den Punkt gehen." Der Linksaußen sagt: "Wir haben stark angefangen. Dann sind uns ein paar technische Fehler unterlaufen, es kam auch zu Fehlwürfen. Rostock kam ran und hat wieder ein bisschen dran geglaubt. Daran waren wir selber schuld."

Springe - Flensburg-Handewitt II30:29

Hamburg-Barmbek - Altenholz 25:35

Oranienburg - Rostock21:20

Hannover-Burgwedel - HSV Hamburg29:35

Schwerin - Fredenbeck33:27

Burgdorf II - Flensborg 29:25

1. HSV Hamburg 17533:40630: 4

2. TSV Altenholz17552:48928: 6

3. HF Springe17498:46723:11

4. Stiere Schwerin 16439:41721:11

5. TSV Burgdorf II16439:41719:13

6. HSV Hannover 15417:42017:13

7. Oranienburger HC 17422:42516:18

8. 1. VfL Potsdam 16443:45315:17

9. DHK Flensborg 17456:49813:21

10. Flensburg-H. II 15404:41812:18

11. MTV Braunschweig16410:43111:21

12. VfL Fredenbeck 17426:49211:23

13. Empor Rostock 16395:42510:22

14. Burgwedel 17454:48210:24

15. Hamburg-Barmbek 17439:48710:24

16 HSV Norderstedt (zurückgezogen) 0/30 0 0 0 0:0 0 0:0 5

STATISTIK

Oranienburger HC -Empor Rostock 21:20 (14:8) Zuschauer: 864 Schiedsrichter: Felix Pusch / Stefan Weiße Siebenmeter: OHC 7 / 5 verwandelt - Empor 3/2 Zeitstrafen: OHC 6 / Empor 3 Spielverlauf: 2.2 (6.), 6:2 (13.), 6:4 (15.), 11:5 (21.), 11:8 (26.), 14:8 (30.), 17:10 (37.), 17:14 (43.), 18:17 (53.), 21:17 (56.), 21:19 (60.) Oranienburger HC: Szabo - Genilke (1), Herz (2), Dömeland (9/5 Siebenmeter), Wertz, Schindel, Müller (2), Kehl, Scharge (1), Kleinert, Sauß (5), KohnagelEmpor Rostock: L. Mehler, Jöhnck - Meuser (1), Witte (2), Ilopoulos (1), Schramm, D. Mehler, Höwt (4), Prüter (1), Mehrkens, Lux, Breitfeldt (5), Pohrath (6)


■ Ivan Szabo, Torwart: Wir haben sehr gut angefangen. Nach 20 Minuten kamen ein paar Fehler. Auch aufgrund dessen haben wir unser Spieltempo ein bisschen runtergenommen. Das war der Grund, warum wir zur Pause "nur" mit sechs Toren geführt haben. In der zweiten Halbzeit haben wir sehr viel Arbeit geleistet. Sicher gab es auch in der Abwehr Fehler, aber wir haben die Aufgaben diszipliniert umgesetzt. 20 Gegentore sind immer noch gut. Daher verstehe ich nicht, wie es zustande kam, dass wir am Ende tatsächlich um den Sieg zittern mussten. Ein Heimspiel musst du anders gestalten, wenn es schon so gut für dich läuft. Daraus müssen wir unsere Erkenntnisse ziehen. Trotzdem müssen wir uns über die zwei Punkte freuen. Und das tun wir auch.
■ Dennis Leroy Schmöcker (fehlte nach einer Angina): Es gibt für einen Handballer glaube nichts Schlimmeres, als selber nicht eingreifen zu können und zusehen zu müssen, wie der Vorsprung von Minute zu Minute schrumpft. Dann hatten wir am Ende die Chance, den Deckel draufzumachen, machen es aber nicht. Dann bekommst du noch ein blödes Tor ohne Torhüter hinten drin, und auf einmal ist es nur noch einer. Da weißt du genau was passiert, wenn wir den Ball jetzt noch einmal wegschmeißen. Das ist kein schönes Gefühl. Es ist schon schöner, wenn man auf dem Feld steht und helfen kann. Am Ende zählen nur die Punkte. In der momentanen Situation geht es nicht darum, schön zu spielen. Wir müssen auch mal dreckig die Punkte holen. Das haben wir heute gemacht. Jetzt muss aufgearbeitet werden, was wir da am Ende gemacht haben. Das war phasenweise nicht gut.
■ Lasse Scharge, kehrte im Winter nach einem halben Jahr aus Grünheide zurück: Es war die gleiche geile Stimmung wie immer. Da hat sich im positiven Sinne nichts geändert. Die Zuschauer gehen mit, darum macht es unglaublich viel Spaß. Dafür spielt man Handball. Ich wäre gern ein bisschen früher aufs Feld gekommen, habe dann aber noch mein Tor gemacht. Die Leistung des Teams in der ersten Halbzeit war super. Was dann bei uns los war, kann ich gar nicht sagen. Wir haben ein bisschen den Faden verloren, haben das Handballspielen eingestellt und hatten keine Tiefe mehr. Dann sind wir nicht mehr in Tritt gekommen und machen es so unnötig spannend. Rostock hat es konsequent solide runtergespielt. (sz)

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