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Leukämie
Tessa geht es immer besser

Blickt optimistisch in die Zukunft: Tessa Szereiks hat die Stammzell-Transplantation gut überstanden. Trotz einiger Rückschläge ist sie zuversichtlich, den Blutkrebs besiegt zu haben.
Blickt optimistisch in die Zukunft: Tessa Szereiks hat die Stammzell-Transplantation gut überstanden. Trotz einiger Rückschläge ist sie zuversichtlich, den Blutkrebs besiegt zu haben. © Foto: Jürgen Liebezeit
Jürgen Liebezeit / 12.02.2018, 15:45 Uhr - Aktualisiert 12.02.2018, 16:10
Birkenwerder (MOZ) Mehr als ein halbes Jahr nach der Stammzell-Transplantation hat die 22-jährige Tessa Szereiks aus Birkenwerder das Gröbste überstanden. „Mir geht es immer besser, aber gesund bin ich noch nicht“, sagte sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Die junge Frau war an Blutkrebs (Leukämie) erkrankt.

„Alles dauert seine Zeit“, hat sie inzwischen gelernt. Es brauche noch eine ganze Weile, bis alle notwendigen Zellen in ihrem Blut wieder vollständig vorhanden seien. Bis jetzt verläuft ihr Genesungsprozess aber gut, auch wenn sie sich oft schlapp fühlt und die fremden Spenderzellen immer noch abgestoßen werden können. Doch davon geht die optimistische Frau nicht aus, obwohl sie seit der Transplantation im Juni vergangenen Jahres viele Höhen und Tiefen erleben musste. So erkrankte sie wenigen Wochen nach der Spende am Pfeifferschen Drüsenfieber, kurz vor Weihnachten bekam sie eine Gürtelrose, die mit starken Rückenschmerzen verbunden war.

Um Viren und Bazillen aus dem Weg zu gehen, meidet Tessa Szereiks große Menschenmengen und trägt zur eigenen Sicherheit oft einen Mundschutz. Deshalb weiß sie auch noch nicht, ob sie am Sonnabend zur Typisierungsaktion für den 13-jährigen Nick kommt. „Ich bringe vorher auf jeden Fall einen Kuchen vorbei“, kündigt sie an. Wegen des hohen Infektionsrisikos in der Grundschule überlegt sie aber, den Termin nicht wahrzunehmen, denn ihr Abwehrsystem funktioniert noch nicht. Deshalb muss sie auch noch täglich mehr als ein Dutzend Tabletten schlucken und Aufbaupräparate nehmen. „Die pralle Sonne ist für mich auch tabu“, berichtet die 22-Jährige von einer der vielen Einschränkungen, die sie aber gelassen hinnimmt. Derzeit versucht sie, ihr Normalgewicht wieder zu erreichen – sie hat fast zehn Kilo abgenommen – und etwas Sport zu treiben, um Kondition für den Alltag zu bekommen. Sie bereitet sich auf einen Urlaub in Rom und auf ihre Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement vor, die sie im September antreten will.

Inzwischen steht Tessa Szereiks mit ihrer Spenderin in Kontakt. Sie schreiben sich gegenseitig Briefe, ohne persönliche Angelegenheiten zu nennen. „Das ist verboten“, erklärt die 22-jährige. Es sei sehr schwierig, jemandem zu schreiben, den man nicht mit Namen kenne und dem man so viel zu verdanken habe. Ein persönlicher Kontakt werde erst zwei Jahre nach der Spende erlaubt, wenn beide Seiten es wollen. Tessa kann sich gut vorstellen, sich mit der Frau, die sie auf Mitte 40 schätzt, zu treffen.

Die Transplantation im Berliner Virchow-Krankenhaus sei völlig unspektakulär verlaufen. Sie habe über einen zentralen Venenkatheter die Stammzellen aus einem kleinen Beutel erhalten. Viel schwieriger und schmerzhafter seien vorher die Ganzkörperbestrahlungen und die Chemotherapien gewesen, um die erkrankten Zellen komplett zu eliminieren. „Da ist alles zerstört worden, was da war“, so Tessa Szereiks. Im Mai war ihr mitgeteilt worden, dass ein genetischer Zwilling gefunden wurde, der seine Stammzellen spenden würde. Im Februar hatten sich fast 1 400 Menschen in Birkenwerder als Stammzell-Spender registrieren lassen.

Die zierliche Frau geht ganz offen mit ihrer Krankheit um. Sie will mit ihrem Schicksal nicht nur Betroffenen, die an Leukämie erkranken, Mut machen, sondern auch die Menschen animieren, sich typisieren zu lassen. So nimmt sie – wenn es gesundheitlich geht ­– jede Gelegenheit wahr, Aktionen, wie sie diesen Sonnabend auch in Hohen Neuendorf geplant sind, zu unterstützen. „Ich bin jedem dankbar, der für mich da war und da ist.“ Das will sie jetzt zurückgeben.

Hilfreich beim Kampf gegen den Blutkrebs sei nicht nur die Unterstützung von außen, sondern eine positive Einstellung zum Leben. „Der Wille zählt“, ist sie sich sicher. Es sei aber auch nicht schlimm, wenn man sich mal einen Tag verkrieche. „Aber man muss wieder aufstehen.“ Deshalb rät sie dem 13-jährigen Hohen Neuendorfer Nick, zu kämpfen und die Zähne zusammenzubeißen.

Spender werden ist nicht schwer

Wer dem an Leukämie erkrankten 13-jährigen Nick helfen möchte, ist am kommenden Sonnabend, 17. Februar, zwischen 11 und 16 Uhr an der Hohen Neuendorfer Waldgrundschule sehr willkommen. Dort findet die Typisierungsakion der gemeinnützigen DKMS Gesellschaft statt. Diese weltgrößte Knochenmarkspender-Datei enthält bisher mehr als 7,2 Millionen Freiwillige, und jeder weitere potenzielle Stammzellspender erhöht die Chance, das Leben eines am Blutkrebs erkrankten Menschen zu retten.

„Stäbchen rein, Spender sein“ – der Slogan beschreibt den einfachen Vorgang: Ein einfacher Wangenabstrich steht am Anfang der Stammzellspende. Dieser wird am Sonnabend gemacht. Nach dem Unterschreiben der Einverständniserklärung wird der potenzielle Spender in die DKMS-Datei aufgenommen.

Entscheidend für die Übertragung von Stammzellen ist die Übereinstimmung der Gewebemerkmale. Insofern gleicht es dem berühmten „Sechser im Lotto“, wenn für den Erkrankten der sogenannte genetischen Zwilling gefunden wird. Über 16 000 Gewebemerkmale können in vielen Millionen unterschiedlichen Kombinationen auftreten.

Sofern die Merkmale übereinstimmen, erfolgen weitere Tests und eine eingehende Untersuchung, beschreibt die DKMS das weitere Vorgehen. Die periphere Stammzellentnahme ist die am häufigsten durchgeführte Spendemöglichkeit. Dabei wird dem Spender über fünf Tage der Wachstumsfaktor G-CSF verabreicht, der auch natürlich im Körper vorhanden ist, um die Anzahl der Stammzellen im peripheren Blut zu steigern. Direkt aus dem Blut werden die Stammzellen dann auch entnommen. Während der Medikamentengabe komme es vor, dass der Spender grippeähnliche Symptome habe, heißt es in der Beschreibung der DKMS.

Ist der Spender der genetische Zwilling, findet die Knochenmark-Entnahme im Krankenhaus statt. Dabei wird unter Vollnarkose etwa ein Liter Knochenmark-Blut-Gemisch aus dem Beckenkamm entnommen, das sich innerhalb von circa zwei Wochen wieder regeniert. Dabei können Schmerzen wie bei einer Prellung auftreten, und der Spender bleibt für zwei bis drei Tage im Krankenhaus.

Geldspenden sind ebenfalls sehr wichtig, da jede Registrierung die DKMS  35 Euro kostet. Unter dem Verwendungszweck „Nick“ können Spenden auf das Konto der DKMS, IBAN: E66 1007 0848 0151 2318 12 überwiesen werdem.⇥(hw)

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