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Kreative Szene
Alte Mühle für junge Künstler

Will seine Türen für Künstler öffnen: Uwe Welke hat in Eigenregie schon große Teile der alten Kabelitz-Mühle an den Lindenallee saniert und restauriert. Die Räume möchte er Kunstschaffenden zur Verfügung stellen.
Will seine Türen für Künstler öffnen: Uwe Welke hat in Eigenregie schon große Teile der alten Kabelitz-Mühle an den Lindenallee saniert und restauriert. Die Räume möchte er Kunstschaffenden zur Verfügung stellen. © Foto: Marco Winkler
Marco Winkler / 14.02.2018, 11:00 Uhr
Vehlefanz (MOZ) Die Vehlefanzer Mühlenbesitzer Otto Bathe und Otto Kabelitz waren zwar keine Feinde, aber Konkurrenten. „Sie trugen ihren Wettbewerb offen aus“, sagt Ortschronist Helmut Schönberg. Während sich die beiden Ottos mit ihren direkt gegenüberliegenden Motormühlen samt Bäckereien zu übertrumpfen versuchten, pflegten die Ehefrauen Emma und Helene ihre Freundschaft mit gemeinsamen Kirchgängen. Die noch gut erhaltene Bathe-Mühle wird derzeit ausgebaut. Heimatstube, Ferienwohnung, Stallungen für Kutschen und Pferde sollen hier Platz finden. Die Kabelitz-Mühle hat nun ebenfalls eine Nachnutzung gefunden.

Eigentümer des Gebäudes ist Uwe Welke. „Ich möchte das Wirtschaftsgebäude mit jungen Künstlern wiederbeleben“, sagt der 58-Jährige. Er will Studenten ausgebaute Atelierräume für ihre Kreativarbeit zur Verfügung stellen. Mit der Kunsthochschule Berlin habe er schon Kontakt aufgenommen. Keramiker, Maler und Bildhauer sieht er in der 1961 geschlossenen Mühle und Bäckerei. Damals wurde alles ausgebaut, nichts blieb mehr übrig vom historischen Innenleben, nur leere Räume, in denen später Grundschulkinder Sport- und Werkunterricht hatten. „Bis 1990 kam hier auch der Jugendclub unter“, erinnert sich Uwe Welke. „Ich war als Jugendlicher jedes Wochenende dort.“ Jetzt besitzt er das historische Gebäude, aus dessen obere Etage man den wohl schönsten Blick über die Vehlefanzer Schweiz hat, eine von der Eiszeit geprägte Landschaft, in der momentan hunderte Kraniche nach Futter suchen. „Das könnte die Künstler inspirieren“, so Welke, der das Gebäude als gelernter Heizungsinstallateur im Alleingang saniert hat - Fuge für Fuge. Zwei Räume für die Studenten hat er schon fertiggestellt, wieder komplett in Eigenregie. „Sie sind beziehbar, es fehlen nur noch Sanitäranlagen und Heizungen.“ Seine Einrichtung will er Weka nennen: Welke-Kabelitz.

Wenn Uwe Welke erzählt, merkt man, dass er dieses Projekt für seine verstorbene Frau Renate zu Ende bringen will. Sie ist eine Kabelitz. 1961 zog ihr Vater Erich, Sohn des Erbauers Otto, mit seiner Familie in den Westen. Die Mühle wurde verstaatlicht; die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) hielt zumindest das Dach instand. Anfang der 1990er-Jahre pendelte Renate Kabelitz zwischen Stuttgart und Vehlefanz hin und her, um sich die Mühle zurück zu holen - mit Erfolg. Uwe Welke wurde damals als Handwerker engagiert. „Beim Heizungsbau blieb es aber nicht lange“, sagt er in Hinblick auf die darauf folgende Liebesgeschichte, die ihn bis heute antreibt.

Mühlendorf

Wenn es nach dem Ortschronisten Helmut Schönberg ginge, wäre Vehlefanz längst nicht nur als Mühlendorf bekannt, sondern hätte diesen Zusatztitel auch auf allen Ortseingangsschildern zu stehen. Bis 1955 hatte der Ort vier Mühlen. Die bekannteste  ist die Bockwindmühle „Schön Kathrein“ aus dem Jahr 1815 am Ortsrand. Eine verschwand komplett, die Mühlen von Bathe und Kabelitz werden derzeit saniert und für die Nachnutzung vorbereitet.⇥(win)

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