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Hennigsdorf kaufte vom Kreis Schule mit marodem Dach

Als der Kreisbildungsausschuss vor ziemlich genau einem Jahr die Schule an den Havelauen besuchte, sah alles ganz gut aus. Aufs Dach stiegen die Kommunalpolitiker allerdings nicht.
Als der Kreisbildungsausschuss vor ziemlich genau einem Jahr die Schule an den Havelauen besuchte, sah alles ganz gut aus. Aufs Dach stiegen die Kommunalpolitiker allerdings nicht. © Foto:
Roland Becker / 14.02.2018, 21:35 Uhr
Hennigsdorf (MOZ) „Da hat uns der Landkreis ein Stück weit übern Tisch gezogen!“ Lutz-Peter Schönrock (Die Unabhängigen) hielt seinen Ärger am Dienstag im Sozialausschuss nicht zurück, als die Sanierung des Daches der Sonnen-Grundschule für mehr als eine halbe Million Euro thematisiert wurde. Sein Ärger wurde dadurch ausgelöst, dass die Stadt die Schule erst zum 1. Januar 2016 vom Landkreis erworben hatte  und zwar für 6,6 Millionen Euro. „Waren damals diese gravierenden Schäden noch nicht ersichtlich?“, wollte Schönrock wissen.

Auf die Frage gibt es drei Antworten. Eine davon gab die für Schulen zuständige Fachdienstleiterin Angela Minge während der Sitzung: „Es war so nicht ersichtlich. Aber wir wussten, dass das Dach nicht in Ordnung ist.“ Eine dazu völlig konträre Antwort lässt sich dem Beschluss entnehmen, der den Ankauf der damaligen Schule an den Havelauen betrifft und den das Stadtparlament im Dezember 2014 absegnete. Darin heißt es: „Darüber hinaus befindet es (das Gebäude/Anm. d. Red.) sich in einem guten Unterhaltungs- und Sanierungszustand.“ Dazu passt allerdings wiederum so gar nicht das Argument, mit dem jetzt die Dachsanierung begründet wird: „Trotz durchgeführter Instandsetzungsmaßnahmen wurde das Problem des undichten Flachdachs durch den Landkreis nicht gelöst.“ Und das führt zur dritten Antwort. Auf Anfrage teilte Kreissprecherin Constanze Gatzke mit: „Eine schadhafte Dachkonstruktion war allen Beteiligten zum Zeitpunkt der Objektübergabe bekannt.“ Noch im Mai 2016 - und damit nach dem Verkauf - habe der Landkreis Reparaturen durchführen lassen.

Das undichte Dach hat laut Stadt bereits seit Jahren Schäden an Decken und Wänden, am Fußboden und an den Elektroinstallationen verursacht. Zudem bestehe durch nasse Bodenflächen „eine permanente Unfallgefahr“.  Dennoch seien vonseiten des Rathauses, so Minge, vertiefende Untersuchungen erst nach dem Erwerb veranlasst worden. Für Schönrock stellt sich dabei die Frage, ob der Kreis hier nicht in der Pflicht stehe, einen Teil der jetzigen Kosten zu übernehmen. „Aus meiner Sicht gibt es keine Möglichkeiten der Nachverhandlung“, sagte Bürgermeister Thomas Günther (SPD). Und in der Tat: Dahingehend enthält der Kaufvertrag keinerlei Klausel. Zudem ist die Stadt mit diesem Versuch beim Kreis schon abgeblitzt. Gatzke dazu: „Weitere Sanierungsanfragen zum schadhaften Dach, die danach (nach dem Kauf/Anm. d. Red.) durch die Stadt an den Landkreis herangetragen worden sind, wurden unsererseits mit Hinweis auf die vertraglichen Regelungen zurückgewiesen.“

Unterm Strich wird Hennigsdorf nun geschätzte 528 000 Euro für den völligen Austausch des Daches zahlen müssen. Dazu kommt noch eine bislang nicht genau bezifferte, aber nicht unerhebliche Summe für die Beseitigung der durch die Feuchtigkeit entstandenen Schäden im Inneren des Gebäudes.

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