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Ziegenhof
Meckernde Hof-Botschafter

Macht ihre Arbeit gern: Sarah Spindler arbeitet auf dem Karolinenhof in Flatow mit den Ziegen. In der Käserei bereitet sie aus der Milch von gut 100 Ziegen insgesamt 20 verschiedene Produkte wie Käse und Joghurt zu.
Macht ihre Arbeit gern: Sarah Spindler arbeitet auf dem Karolinenhof in Flatow mit den Ziegen. In der Käserei bereitet sie aus der Milch von gut 100 Ziegen insgesamt 20 verschiedene Produkte wie Käse und Joghurt zu. © Foto: Aileen Hohnstein
Aileen Hohnstein / 22.04.2018, 08:30 Uhr
Flatow Käse und Ziegengucken – so in etwa könnte das Erfolgsmodell des Karolinenhofs lauten. Kamen die Besucher anfangs wegen der Ziegenmilchprodukte ins Wiesencafé, haben nun vermehrt Familien den Hof als informativen Ausflugsort entdeckt. Im April und Mai können Gäste beim Schaumelken dabei sein.

„Es ist immer schön, wenn unsere Besucher uns mit einem Erkenntnisgewinn verlassen“, sagt Sarah Spindler. Ihre zuverlässigen Helfer, um diesen Effekt zu erzielen, sind Ziegen. Die 29-Jährige arbeitet mit Ehemann Sebastian auf den Karolinenhof in Flatow. „Anfangs sind die Leute gekommen, um sich Käse zu kaufen. Heute kommen mehr Familien, weil sie die Ziegen sehen möchten“, erzählt Sarah Spindler. Weil die Tiere sich nicht an fremden Menschen stören, können die Besucher an bestimmten Tagen die Hofarbeit hautnah miterleben. Zum Beispiel bei der Zickleinfütterung im Winter oder beim Schaumelken. Im April und Mai darf man jeden Sonnabend um 18 Uhr den Melkern über die Schulter gucken. Und wer sich traut, darf auch selbst einmal probieren, wie das funktioniert. „Aber dann muss man richtig zupacken. Zicken sind kitzelig!“, sagt Sarah Spindler.

Diese Veranstaltungen machen den Besuchern nicht nur Spaß. Sarah Spindler sieht ihre Arbeit auch als Bildungsauftrag: „Die Leute sollen sehen, was wir machen und wie es passiert. Dass die tiergerechte und umweltfreundliche Haltung mit viel Aufwand verbunden ist. Deshalb können unsere Produkte nicht so billig sein wie bei Aldi“, meint Spindler, die sich um die Käserei kümmert. Sebastian Spindler ist für die Landwirtschaft zuständig, Hofgründerin Gela Angermann konzentriert sich auf die Gastronomie.

„Das passt alles“, sagt Sarah Spindler zu dieser Arbeitsteilung. Die Berlinerin hatte zur Jahrtausendwende eine Lehre zur Landwirtin auf dem nahegelegenen Ökohof Kuhhorst absolviert, dort ihren Mann kennengelernt und wohnte auf dem Karolinenhof. Während des Studiums für Ökolandbau und Vermarktung in  Eberswalde gingen sie als Paar nach Schweden, wo sie einen Ziegenhof leiteten. Gela Angermann verfolgte deren Berichte in sozialen Netzwerken und fragte irgendwann, ob sie sich das auch für den Karolinenhof vorstellen könnten.

„Für uns ist das hier ideal“, schwärmt Sarah Spindler. Die Begeisterung für die Arbeit spricht mit jedem Wort aus ihr, um ihren Hals baumelt ein kleiner silberner Ziegenanhänger. Romantisiert wird der Hofalltag dennoch nicht, immerhin muss der landwirtschaftliche Betrieb auch gewinnbringend arbeiten. Gibt eine Ziege keine Milch oder ist nicht für die Nachzucht geeignet, kommt sie zum Metzger – wie auch Spindlers Lieblingsziege. „Das tat mir sehr leid. Aber wir bekommen nur Milch, wenn die Ziegen Nachwuchs haben“, erklärt sie.

180 Lämmer wurden Anfang des Jahres geboren, von denen 30 für die Nachzucht behalten werden. Die insgesamt 130 Ziegen werden seit vergangenem Jahr von den zwei noch jugendlichen Maremmano-Herdenschutzhunden Alfie und Alessandro bewacht. „Der Wolf ist in der Nähe“, sagt Sarah Spindler. Lieber wird Vorsorge betrieben, als nur über das Raubtier zu meckern. Während die Zicklein sich selbstverständlich neben den großen Hunden aufhalten, hat so manche ältere Ziege noch ihre Anpassungsschwierigkeiten. Alfie und Alessandro meiden sie lieber, immerhin haben die meisten Ziegen auf dem Karolinenhof spitze Hörner.

Wer beim Schaumelken dabeisein möchte, sollte rechtzeitig zur Käserei kommen. Die Besucher werden von den Melkern abgeholt.

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