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Auszeichnung
Hennigsdorfer Pädagoge erhält Preis als bester Lehrer Oberhavels

Pure Ironie: Schüler verliehen Fabian Metzger die Statue „Unmotiviertester Lehrer“. Das war ein Scherz. In der Gravur sind sozusagen zwei Buchstaben zu viel.
Pure Ironie: Schüler verliehen Fabian Metzger die Statue „Unmotiviertester Lehrer“. Das war ein Scherz. In der Gravur sind sozusagen zwei Buchstaben zu viel. © Foto: Roland Becker
Roland Becker / 24.05.2018, 19:07 Uhr - Aktualisiert 25.05.2018, 07:49
Hennigsdorf (MOZ) „Was los?“, ruft Fabian Metzger zwei Jungen über den Schulhof zu.  Der saloppe Spruch ist kein Gruß unter Freunden. Oder doch, zumindest ein wenig? Fabian Metzger, 34 und gebürtiger Mannheimer, ist am Hennigsdorfer Puschkin-Gymnasium Lehrer für Mathe und Physik. Der junge Lehrer möchte mit seinen Gymnasiasten auf Augenhöhe kommunizieren. Das fängt bei einem flotten Spruch an und endet noch längst nicht dabei, auch sonntags für seine Schüler zur Verfügung zu stehen. Aber macht das wirklich Spaß, sozusagen im 24-7-365-Rhythmus  – also jede Stunde, jeden Tag im Jahr – für seine Schützlinge da zu sein. Braucht nicht auch der beste Lehrer Zeiten, in denen er abschaltet?

Mit dem besten Lehrer, das stimmt schon mal. An diesem Donnerstag steckte der Mann mit dem Jungsgesicht im Jacket, dazu ein schickes Hemd. Fabian Metzger hatte nämlich eine Begegnung mit Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD). Aus seinen Händen hat er in der Staatskanzlei als einer von 18 Pädagogen den Brandenburgischen Lehrerinnen- und Lehrerpreis entgegengenommen, als Einziger aus Oberhavel.

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Und das mit dem Abschalten? Was sagt überhaupt seine Freundin dazu, wie am Wochenende oder abends E-Mails von verzweifelten Schülern eintrudeln? „Meine Arbeit ist keine im klassischen Sinn. Es macht mir Spaß, ständig für die Schüler erreichbar zu sein.“ Er schiebt dann noch ein Argument nach: „Wenn ich Spitzenleistungen fordere, muss ich die auch geben.“ Außerdem habe der rege E-Mail-Verkehr auch seine Vorteile. „Mir kann niemand erzählen, dass er die Hausaufgabe nicht verstanden hat.“ Er hätte mailen können.

Dass es für den Wahl-Berliner selbstverständlich ist, Respekt bei seinen Schülern zu haben, liegt wohl gerade darin begründet, dass er großzügig sein kann. „Warum soll jemand bei einer Gruppenarbeit nicht aus seiner Wasserflasche trinken? Und muss ich jeden ermahnen, der mal ein Kaugummi im Mund hat?“ Regeln müsse man nicht aufstellen, die diktiere der gesunde Menschenverstand.

„Ich glaube an jeden Schüler“, lautet eine weitere seiner Richtlinien. Das ende auch nicht, wenn jemand in einer Prüfung versagt. Besonders am Herzen liegen ihm Jugendliche, denen im familiären Umfeld nicht dieselben Chancen gegeben werden können, wie jenen, die aus dem sprichwörtlichen Bildungsbürgertum kommen. „Die nehme ich unter meine besonderen Fittiche.“ In solchen Situationen denkt er an seine eigene Kindheit. Gemeinsam mit seinem Bruder seien sie die ersten der Familie gewesen, die Abitur abgelegt haben. Ebenfalls aus eigener Erfahrung heraus ermutigt er junge Menschen, ganz bewusst nach ihrem eigenen Weg zu suchen. „Mein Vater wollte unbedingt, dass ich Maschinenbau studiere. Ich dachte mir, dass das schon passen wird.“ Tat es nicht. Nach zwei Semestern sattelte er auf Lehramt um. Und ist nun Lehrer des Jahres.

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