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Am 2. Juli soll die Verhandlung fortgesetzt werden

Verhandlung unterbrochen
Angeklagter im Kremmener Brandanschlagsprozess erkrankt

Der Prozess um den Brandanschlag auf ein Kremmener Flüchtlingsheim im Neuruppiner Landgericht wurde vertagt.
Der Prozess um den Brandanschlag auf ein Kremmener Flüchtlingsheim im Neuruppiner Landgericht wurde vertagt. © Foto: dpa/Bernd Settnik
dpa / 11.06.2018, 11:34 Uhr - Aktualisiert 11.06.2018, 13:51
Neuruppin (dpa) Ein Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim erschreckte im vergangenen Jahr die Bewohner der brandenburgischen Kleinstadt Kremmen. Im Prozess gegen die beiden Angeklagten sollte es am Montag eigentlich das Urteil geben. Doch dazu kam es nicht.

Wegen gesundheitlichen Gründen eines der beiden Angeklagten ist der Prozess um den Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim in Kremmen unterbrochen worden. Der 29-Jährige erschien am Montag vor dem Landgericht Neuruppin mit einer geschwollenen Wange und klagte über Schmerzen. Die Schwellung sei in der vergangenen Nacht aufgetreten, sagte sein Verteidiger. Er beantragte deshalb, die Hauptverhandlung zu unterbrechen. Sein Mandant habe noch keinen Arzt aufsuchen können. „Dies muss sofort passieren“, sagte Richter Udo Lechtermann. Am 2. Juli soll die Verhandlung fortgesetzt werden.

Eigentlich sollte an diesem Montag das Urteil gesprochen werden. Den beiden 29 und 35 Jahre alten Deutschen wirft die Staatsanwaltschaft gemeinschaftlich versuchten Mord, versuchte schwere Brandstiftung sowie Verstoß gegen das Waffengesetz vor. Zum Prozessauftakt Ende März hatte der 29-Jährige gestanden, in der Nacht zu Ostersamstag 2017 zwei Molotow-Coktails auf ein Haus der umzäunten Flüchtlingsunterkunft geworfen zu haben. Er wollte den Bewohnern der Unterkunft „einen Schrecken“ einjagen, sagte er damals vor Gericht.

Der 35-jährige Angeklagte sagte, er habe seinen Bekannten und zugleich Mitangeklagten immer wieder von der Tat abhalten wollen. Die beiden hätten sich zuvor über Flüchtlingspolitik unterhalten. Dann sei der 29-Jährige in den Keller gegangen und habe zwei Molotow-Cocktails in 0,33-Liter-Bierflaschen gegossen. Gemeinsam gingen sie nach Darstellung des 35-Jährigen in der Tatnacht zur Unterkunft. Auf dem Weg habe es noch ein paar Bier gegeben. Er habe nicht geglaubt, dass der 29-Jährige aus Kremmen ernst mache, sagte der 35-Jährige. Er selbst sei weggegangen, bevor die Brandsätze flogen. Die Staatsanwaltschaft dagegen hält die Rolle des 35-Jährigen für weniger harmlos.

Verletzt wurde bei dem Anschlag vor über einem Jahr niemand. Die Molotow-Coktails prallten an der Hauswand ab. Einer landete auf der Wiese. Wachmänner löschten den Brandsatz. Der andere entzündete sich erst gar nicht. Die Tat entsetzte die Bewohner der Kleinstadt Kremmen. Bürgermeister Sebastian Busse sprach unlängst in der „Märkischen Allgemeinen Zeitung“ von einem „Anschlag gegen die Stadt“.

Während der 29-Jährige die Tat als einen „Streich“ beschreibt, geht die Staatsanwaltschaft von versuchtem Mord aus. Theoretisch könnte sie dafür eine lebenslange Freiheitsstrafe fordern. Laut Gesetz kann bei einem Versuch die Tat milder bestraft werden als die vollendete Tat, heißt es in Paragraf 23 des Strafgesetzbuches. Sie muss es aber nicht.

In dem Prozess geht es auch um eine mögliche rechte Gesinnung der beiden Angeklagten. Wie aus der Anklage hervorgeht, soll es eine WhatsApp-Gruppe gegeben haben, in der sich die beiden Männer mit weiteren Beteiligten über Flüchtlinge negativ ausgetauscht haben. Zudem soll der 35-Jährige Videos auf seinem Smartphone gehabt haben, die Flüchtlinge beim Randalieren zeigten und in der fremdenfeindlichen Szene kursierten. Beide Angeklagten wiesen Vorwürfe zurück, sie seien ausländerfeindlich oder gehörten einer rechtsextremen Gruppierung an.

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