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Radtour
Seniorenbeirat erkundet geheimnisvollen Ort in Oranienburg

OGA 180612 Grabowsee Seniorenbeirat auf ehemaligem Helstättengelände am Grabowsee, Bernhard Hanke erklärt 180611
OGA 180612 Grabowsee Seniorenbeirat auf ehemaligem Helstättengelände am Grabowsee, Bernhard Hanke erklärt 180611 © Foto: Friedhelm Brennecke
Friedhelm Brennecke / 11.06.2018, 18:37 Uhr
Oranienburg (MOZ) „Ich bin glücklich, dass ich endlich einmal auf der anderen Seite des Zauns die Allee bis zum Torhaus gehen konnte“, sagt Marga Schlag. Die Vorsitzende des Oranienburger Seniorenbeirats erinnerte sich am Montag daran, wie sie als Kind nur bis vor eben dieses Tor kam. Dahinter befand sich von 1945 bis 1992 das Militärlazarett der Roten Armee, in dem ihre Mutter als Reinigungskraft arbeitete. „Es war strikt abgeschirmt und auch Familienangehörige der zivilen Arbeitskräfte hatten keinen Zugang“, weiß Marga Schlag. Vor dieser Zeit war das Gelände die Lungenheilstätte am Grabowsee, 1896 im Auftrag des Deutschen Roten Kreuzes für die Heilung von Tuberkulosekranken errichtet.

Am Montag hatte der Seniorenbeirat Oranienburg zu einer Radtour zur ehemaligen Heilstätte Grabowsee eingeladen und ein gutes Dutzend Frauen und Männer machten sich unter Leitung von Hans-Joachim Luth, Vize-Vorsitzender des Seniorenbeirats, von Oranienburg aus auf den Weg. Senioren aus Schmachtenhagen und Wensickendorf sowie Malz schlossen sich unterwegs dem Tross an, sodass die Gruppe am Ende 25 Teilnehmer zählte.

Bernhard Hanke empfing die wissbegierigen Senioren auf dem 34 Hektar großen Gelände mitten im Wald und am Grabowsee. Der Landschaftsgärtnermeister war überrascht, dass die meisten seiner Gäste das Areal bisher nur vom Hörensagen kannten. In jüngster Zeit war es mit seinem morbiden Charme öfters Kulisse für Filme, unter anderem für „Monuments Men“ von und mit Hollywood-Star George Clooney.

Hanke ist Vorsitzender des Vereins Kids Globe, der das Gelände seit 2007 mit Zustimmung des Eigentümers betreut, es sichert und vor Vandalismus schützt. Eigentümer ist ein Berliner Unternehmer, der das denkmalgeschützte Areal sanieren und zu Wohnungen umbauen will. Seine Pläne scheinen aktuell allerdings zu ruhen.

Der Idealist Bernhard Hanke ist nach wie vor fest entschlossen, das Gelände zu erwerben und es zu einer internationalen Kinder- und Jugendbegegnungsstätte auszubauen, so wie es sich der Verein Kids Globe zum Ziel gesetzt hat. „Ohne uns wären viele der Gebäude heute nicht mehr zu retten gewesen“, verweist Hanke auf den Zustand vor 2007, als das einst prächtige Gebäudeensemble nach und nach von Vandalen heimgesucht wurde, zusehends verfiel und die Kapelle von Brandstiftern zum großen Teil zerstört wurde.

„Wir machen hier eine Notsicherung, haben Löcher in den Dächern mit mehr als 40 000 Ziegeln wieder abgedichtet und schützen die Gebäude so vor eindringendem Wasser“, erklärt Hanke. Auf Erfolge seiner Arbeit und der zahlreicher Ehrenamtlicher verweist er im großen Speisesaal, in dem es noch eine Bühne gibt und an deren oberer Vorderseite ein Spruch von Lenin – in kyrillischer Schrift versteht sich – an die Nutzer erinnert, die das Gelände fast ein halbes Jahrhundert in Beschlag genommen hatten. Der untere Teil dieses Gebäudetraktes ist weitgehend von Schutt befreit. In den oberen Etagen türmen sich noch Berge davon und warten darauf, abtransportiert zu werden.

Alle historischen Gebäude, die nach den Plänen des Architekten Arnold Beschoren errichtet wurden und mit unterirdischen Gängen miteinander verbunden sind, sollten mit ihrer künstlerischen Gestaltung schon eine Wohlfühlatmosphäre für die Heilung der Tuberkulose-Kranken vermitteln. Davon ist auf dem verwunschenen Areal, das ein Paradies für viele Vogel- und Fledermausarten ist, auf dem sich auch Dachs, Fuchs und Rehe heimisch fühlen, derzeit nicht viel zu spüren. „Wir sichern, dokumentieren, wollen kaufen und dann zunächst die ersten vier Häuser herrichten und danach alles nach und nach entwickeln“, ist Hanke von der Kids-Globe-Philosophie fest überzeugt. Als Idealist glaubt er auch an jenen betuchten Geldgeber, der locker mal ein paar Millionen Euro spendet, um die Kids-Globe-Idee in die Tat umzusetzen.

Oranienburgs Senioren zeigten sich dankbar für die Führung über das Gelände und die Möglichkeit, alles auch noch auf eigene Faust erkunden zu können. Die Pläne Hankes betrachten sie eher mit gemischten Gefühlen. Ihre Vorstellungskraft geht noch nicht so weit, dass das einst prächtige Ensemble irgendwann einmal in neuem Glanz erstrahlt. Beim „Flößer“ in Bernöwe ließen die Senioren-Radler ihren Ausflug in die „wunderschöne Umgebung Oranienburgs“ ausklingen. „Mit dem Boule-Turnier am Sonntag im Schlosspark und der Radtour war das schon mal ein guter Auftakt der diesjährigen Seniorenwoche in Oranienburg“, zog Marga Schlag eine positive Zwischenbilanz.

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