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Infrastruktur
Region hofft auf Boom durch Heidekrautbahn

Jürgen Liebezeit / 19.06.2018, 19:30 Uhr
Mühlenbecker Land (MOZ) Die Ankündigung, die Stammstrecke der Heidekrautbahn über Mühlenbeck und Schildow bis nach Berlin-Wilhelmsruh wiederzubeleben, hat in der Region große Euphorie, aber auch Skepsis ausgelöst.

„Mit diesem Beschluss wird die Entscheidung über die Heidekrautbahn nur offengehalten. Aber ohne sie wäre es das endgültige Aus gewesen“, schreibt Professor Ernst Günter Giessmann, Fraktionschef der Linken in der Glienicker Gemeindevertretung, zurückhaltend in einer Diskussion auf „Facebook“. Auch Nicole Walter-Mundt von der Oranienburger CDU bricht nicht gerade in Jubel aus. „Was uns hier als ‚bahnbrechende’ Nachricht verkauft wird, ist eigentlich seit 20 Jahren überfällig! Bei dieser Planungsgeschwindigkeit wird der Nahverkehr an die Wand gefahren. Wo bleibt eigentlich die Verbesserung für die vielen Pendler aus Oranienburg, Birkenwerder und Hohen Neuendorf? Der Lenkungskreis sollte sich auch ernsthaft mit der Taktverdichtung der S 1 befassen“, fordert sie auf „Facebook“.

Weitaus freudiger reagieren SPD-Politiker: „Beharrlichkeit lohnt sich! Die Reaktivierung der Heidekrautbahn ist greifbar nah. Endlich gibt es verbindliche Signale vom Lenkungskreis. Die Planungen sollen möglichst schnell begonnen werden. Ein großer Erfolg für alle Pendlerinnen und Pendler in unserer Region“, kommentiert die Hohen Neuendorfer SPD-Landtagsabgeordnete Inka Gossmann-Reetz den „Durchbruch für die Heidekrautbahn“.

„Die Reaktivierung der Heidekrautbahn auf der Stammstrecke wird im Mühlenbecker Land einen wirtschaftlichen Aufschwung auslösen“, prophezeit Bürgermeister Filippo Smaldino-Stattaus (SPD), der seit Amtsantritt vor sechseinhalb Jahren für das Projekt kämpft und damit auch einige Mosaiksteinchen ins mühsame Puzzlespiel eingefügt hat. „Ich habe viele Türklinken geputzt“, verweist er auf Treffen in der Berliner Senatskanzlei, in den Potsdamer Ministerien und im Bahn-Tower am Potsdamer Platz. „Das hat sich gelohnt“, ist er sich sicher. Der Durchbruch in Sachen Heidekrautbahn hat in seinen Augen aber viele Väter. Smaldino-Stattaus nennt als ein Beispiel die Online-Petition, die die Bürgermeister der Anliegergemeinden gemeinsam mit der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft Heidekrautbahn initiiert haben. Die Petition ist von fast 6 000 Menschen gezeichnet worden.

Mit der Inbetriebnahme der alten Strecke kommen aber auch Probleme auf die Gemeinde zu. Deshalb wird gerade eine Studie erarbeitet, wie Park-&-Ride-Plätze am S-Bahnhof Mönchmühle geschaffen werden können. Da der Bahnhof am Rande eines Schutzgebietes liegt, ist der Bau großer Parkflächen nicht möglich. „Es geht nur nach oben oder nach unten“, so Smaldino-Stattaus. Er meint damit, dass ein Parkhaus oder eine Tiefgarage gebaut werden müsste. Der Bürgermeister geht von einem Investitionsvolumen von gut zwei Millionen Euro aus. Doch für ihn ist es der einzig sinnvolle Weg, den Individualverkehr und damit den täglichen Stau motorisierter Pendler zu reduzieren. „Nur ein gut ausgebauter und zuverlässiger Nahverkehr bringt die Autos von der Straße“, ist er überzeugt.

Smaldino-Stattaus plant, im September eine Informationsveranstaltung zu dem Thema zu organisieren. Dazu will er die Brandenburger Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD), Berlins Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) sowie Vertreter der Niederbarnimer Eisenbahn-Gesellschaft, die die Heidekrautbahn betreibt, einladen. Ein Termin steht noch nicht fest.

Der Bürgermeister hofft, dass auch Skeptiker diesen Termin wahrnehmen. Denn Smaldino-Stattaus ist durchaus bewusst, dass eine Eisenbahnstrecke, die mitten durch zwei Orte führt, auch Kritiker hat. „Viele haben Angst vor Lärmbelästigung und vor langen Wartezeiten vor den Schranken. Manche Familien, die ihr Haus in der Nähe der Bahnstrecke gebaut haben, sorgen sich auch um die Sicherheit ihrer spielenden Kinder“, berichtet er aus Briefen, die ihn immer wieder erreichen würden. Ihnen hält er entgegen, dass modernste Systeme verbaut und die neuste Technik eingesetzt werden, die die Lärmbelästigung auf ein Minimum reduzieren würden.

Bereits 2021 könnten die Bauarbeiten für die Strecke beginnen, kündigte Verkehrssenatorin Regine Günther am Montag nach der Sitzung der Lenkungsgruppe des Infrastrukturprojektes „i2030“ an.

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